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Südafrikas Paralympics-Star

Idol unter Tränen - Pistorius weist Mordvorwurf zurück

  • Video Pistorius wegen Mordes angeklagt
  • Video Paralympics-Star unter Mordverdacht
  • Video Pistorius festgenommen
  • VideoPistorius wegen Mordes angeklagt

    Die südafrikanische Staatsanwaltschaft klagt den beinamputierten Sprintstar Oscar Pistorius wegen Mordes an seiner Freundin an. Das öffentliche Interesse an der Anhörung war groß.

    (15.02.2013)
    VideoParalympics-Star unter Mordverdacht

    Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius steht im Verdacht, seine Freundin erschossen zu haben. Ihre Leiche wurde im Haus des Beinamputierten in der Nähe von Pretoria gefunden.

    (14.02.2013)
    Video#_MME_3_Pistorius

    Der mehrmalige Paralympics-Sieger Oscar Pistorius aus Südafrika ist wegen Mordverdachts festgenommen worden. Der Sportler steht im Verdacht, seine Freundin erschossen zu haben.

    (14.02.2013)

    Die Staatsanwaltschaft in Pretoria hat den Paralympics-Star Oscar Pistorius wegen Mordes an seiner Freundin angeklagt. Das südafrikanische Sportidol wirkte vor Gericht schwer angeschlagen und brach in Tränen aus. In einer Erklärung wies er später den Mordvorwurf vehement zurück. 

    Gegen den südafrikanischen Paralympics-Sieger Oscar Pistorius ist vor dem Magistratsgericht in Pretoria Mordanklage erhoben worden. Er soll seine 29-jährige Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Donnerstag vorsätzlich erschossen haben. Der Athlet hörte der Verlesung der Anklageschrift mit gesenktem Kopf zu und brach schluchzend auf seinem Stuhl zusammen. Das Gericht in Pretoria wollte zunächst weder über die Mordanklage noch über die Frage entscheiden, ob Pistorius gegen eine Kaution aus der Polizeihaft entlassen werden könnte. Die Verhandlung wurde auf den 19. Februar vertagt.

    Der "tiefe Fall" des Oscar Pistorius
    Viele Jahre stand der Profisportler im Rampenlicht. Der beinamputierte Mann mit den Karbon-Prothesen, der dennoch ein weltberühmter Sportstar wurde, genoss den großen Auftritt auf Bühnen und rotem Teppich. Der "Blade Runner", wie Pistorius genannt wird, ließ sich gerne fotografieren und interviewen. Oft begleiteten ihn schöne Frauen. Jetzt lernte die Welt einen anderen Oscar Pistorius kennen - einen tief bedrückten, aufgewühlten Mann, der einen Mord begangen haben soll.

    Als das südafrikanische Sportidol am Freitagmorgen vor dem Gericht in Pretoria ankam, verhüllte er seinen Kopf mit einer Jacke.  Ein mitfühlender Polizist hielt schützend ein Buch vor das Gesicht des Athleten, um Fotografen und Kameraleute an Aufnahmen zu hindern. Später im Gericht übermannten den Beschuldigten im dunkelblauen Anzug vollends die Emotionen. Als er seine Schwester Aimee und seinen Vaters Henke sah, brach er in Tränen aus. Schwer atmend verfolgte er dann das juristische Procedere.

    Vielleicht demonstrierte der Trubel vor dem Gerichtsgebäude und im voll besetzten Saal dem 26-Jährigen endgültig, dass seine schillernde Karriere als behinderter Superstar wohl für immer vorbei ist. "Ein Leben liegt in Scherben ... und seine glitzernde Zukunft ist vorbei. Der tiefe Fall von Oscar Pistorius scheint zu verheerend, um sich davon noch einmal zu erholen", kommentierte die "Pretoria News".

    Pistorius weist Mordvorwurf zurück

    Nach dem knapp einstündigen Gerichtstermin wies Pistorius in einer von seiner Familie und seinem Management veröffentlichten Erklärung den Mordvorwurf von sich. "Zuerst und als Wichtigstes müssen unsere Gedanken heute bei der Familie und den Freunden von Reeva Steenkamp sein", begann die Erklärung, um dann fortzufahren, dass der Angeklagte den gegen ihn erhobenen Vorwurf "auf das Schärfste" zurückweise.

    Noch sind die genauen Umstände nicht bekannt, unter denen Reeva Steenkamp starb. Das Model war am Donnerstag tot in Pistorius Haus aufgefunden worden. Medien berichteten von Schusswunden in Kopf, Brust, Becken und Hand. Die junge Frau soll durch die Tür des Badezimmers erschossen worden sein. "Die Sicherheitskräfte fanden Pistorius bei Steenkamps Leiche im Bad", sagte ein Nachbar der Zeitung "Beeld". Zuerst hatte es noch geheißen, dass der Sportler seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und irrtümlich auf sie gefeuert haben könnte. Nach Angaben der Polizei hatten Nachbarn aber bereits Geräusche vor den Schüssen gehört.

    Schusswaffen, Eifersucht und Alkohol

    Bei der Verlesung der Anklageschrift gab es manchen Hinweis, dass die Verteidigung inzwischen nur noch nach mildernden Umständen sucht. Die Anwälte wollen offenbar vor allem verhindern, dass Pistorius des "vorsätzlichen Mordes" angeklagt wird. Denn das könnte eine lebenslange Strafe bedeuten, eine vorzeitige Entlassung vor 15 Jahren wäre dann nach Ansicht von Juristen sehr unwahrscheinlich. Sollte sich die Staatsanwaltschaft mit ihrer Anklage durchsetzen, steht Südafrika wohl vor einem spektakulären Prozess - vielleicht vergleichbar mit dem Verfahren gegen den ebenfalls mordverdächtigen American-Football-Star O. J. Simpson im Jahr 1994.


    Bei dem Pistorius-Prozess würde sicher auch deutlich, dass der beliebte Vorzeigeathlet und angeblich erste Dollar-Millionär des Behindertensports Seiten hat, die der Öffentlichkeit wenig bekannt waren. Denn in Polizeiakten finden sich auch Belege für einen recht extrovertierten Lebensstil, für seine Freude an Schusswaffen, für Eifersuchtsdramen und heftige Auseinandersetzungen mit Nebenbuhlern, sowie für Unfälle mit Motorrädern und Booten, bei denen Alkohol im Spiel gewesen sein soll.

    Auch hatten Nachbarn Medienberichten zufolge schon mehrfach häusliche Auseinandersetzungen zwischen Pistorius und seiner Freundin erlebt. Pistorius hatte 2009 bereits eine Nacht im Gefängnis verbracht, nachdem er bei einer Party angeblich eine 19-Jährige tätlich angegriffen haben soll.

    Angst vor Einbrechern

    Andererseits lebte Pistorius auch in Angst. Vergangenes Jahr hatte er einer Zeitung berichtet, er schlafe aus Furcht vor Einbrechern mit Pistole, Maschinengewehr, Cricket- und Baseballschlägern. Im November hatte der 26-Jährige getwittert: "Wenn ich nach Hause komme und die Waschmaschine läuft, hört sich das an wie ein Eindringling in Kampfbereitschaft in der Speisekammer ..."

    Die meisten Südafrikaner wirken fassungslos angesichts des tiefen Falls dieses inspirierenden Athleten, der zeigte, wie man Widerstände überwindet und was mit Disziplin und Fleiß erreicht werden kann. "Wir sind sprachlos, wir können es immer noch nicht glauben", kommentierte die "Times". Wie sehr der spektakuläre Fall um Südafrikas Nationalheld in der Öffentlichkeit des Landes wirkt, machte die Tatsache deutlich, dass sogar Südafrikas Präsident Jacob Zuma im Parlament dazu eine kurze Botschaft gab.

    15.02.2013, Quelle: sid, dpa, dapd
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