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23.05.2013

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merkzettel

Vor der Wahl in Italien

Im Netz macht Beppe Grillo das Rennen

  • Video Grillo: Komiker auf dem Weg nach Rom
  • Video Stehaufmännchen Berlusconi
  • Video Europa blickt auf Wahlen in Italien
  • VideoGrillo: Komiker auf dem Weg nach Rom

    Er zieht im Wohnwagen durchs Land und lehrt Politiker das Fürchten. Getragen vom Frust der Italiener ist der Komiker Beppe Grillo kurz davor, nach der Wahl zum Zünglein an der Waage in Rom zu werden.

    (22.02.2013)
    VideoStehaufmännchen Berlusconi
    (23.02.2013)
    VideoEuropa blickt auf Wahlen in Italien

    Die Italiener wählen morgen und übermorgen ein neues Parlament. Europa hofft auf eine stabile Regierung. Das Ergebnis ist völlig offen, denn rund 30 Prozent der Wähler sind noch unentschlossen.

    (23.02.2013)

     von Giuseppe Paletta

    Während Politikwissenschaftler den Sozialdemokraten Pier Luigi Bersani bei der Wahl in Italien vorne sehen, hat das Netz einen eigenen Favoriten: Beppe Grillo - ein Netzpolitiker der ersten Stunde.  

    Am Wochenende ist es soweit: Am Sonntag und Montag werden die Italiener vor den Wahllokalen stehen, um über die Zukunft ihres Landes zu bestimmen. Zumindest werden sie die Möglichkeit dazu haben. Denn die Stimmung im Land ist gespalten. Viele haben dem Politikbetrieb den Rücken zugekehrt, er hat sie zu oft enttäuscht. Ab zwei Wochen vor den Wahlen ist es in Italien nicht mehr erlaubt, Wahlprognosen zu veröffentlichen, obwohl die Forschungsinstitute bis zur Wahl im Hintergrund weiter Prognosen erheben.

    Im Netz auffindbare Wahlprognosen enden deshalb am 8. Februar. Ein BLick ins Internet zeigt trotzdem, wie die Stimmung im Land vor den Wahlen ist.

    Grillo: Der sichere Sieger im Netz

    Stehaufmännchen Berlusconi
    Silvio Berlusconi / Quelle: ap

    Europas Schreckgespenst geht wieder um: Silvio Berlusconi, der politisch Totgeglaubte, ist zurück. Das simple Rezept: Er verspricht den Leuten Geld. Warum ihm die Italiener eine Chance geben: Stehaufmännchen Berlusconi

    Aus netzpolitischer Sicht könnte es eigentlich nur einen Sieger geben. Beppe Grillo, der einstige Komiker, der stärker als alle seine Konkurrenten seit jeher auf das Netz gesetzt hat. Das Web hat Grillo und seine Bewegung "Movimento 5 Stelle" erst groß gemacht. Seit Jahren hat er sich vom Fernsehen abgewandt, hin zum Medium Internet. Auch weil ihm der Zugang von manchem Fernsehsender verwehrt wurde. Doch was denken die Italiener kurz vor den Wahlen über Grillo?

    Nutzt man die Twitter-Analyse Werkzeuge der italienischen Tageszeitung "La Repubblica", so liefert sich Beppe Grillo Anti-Europäer wie Berlusconi und erklärter Gegner Berlusconis und des verstaubten Politikbetriebs, mit dem Sozialdemokraten Pier Luigi Bersani ein Kopf-an-Kopf Rennen.

    Während also der "Twitter-Square" anzeigt, dass Beppe Grillo mit Abstand am meisten Twitter-Follower hat, zeigt das "Twitterometro", das sowohl Grillo als auch Bersani die meisten Nennungen auf Twitter haben. Weit abgeschlagen sind die anderen Kandidaten.

    Gekonnt das Netz eingesetzt

    Links
    Womit Berlusconi punkten will
    Warum Märkte Silvio fürchten
    Bei den tatsächlichen Prognosen, die italienische Politikwissenschaftler verkünden, ist die Situation eine andere. Dort sagt man Beppe Grillo rund 20 Prozent der Gesamtstimmen voraus, Silvio Berlusconi rund 28 Prozent. Mario Monti soll hinter Grillo liegen und Bersani soll die meisten Stimmen bekommen. Ob sie recht haben, kann aber natürlich nur die Wahl zeigen.

    Dass Beppe Grillo im Netz dominiert, ist sicher darauf zurückzuführen, dass er es fast so gekonnt einsetzt, wie Silvio Berlusconi das Fernsehen. Mario Monti, der sich erst spät entschieden hat, überhaupt noch einmal zu kandidieren, und seinen ersten Wahlkampf überhaupt führt, nutzte das Web bis vor Kurzem genauso wenig für den Wahlkampf wie die anderen Kandidaten. Vor ein paar Tagen ist er aufgefallen, weil er erstmals die Google-Plattform Youtube für den Wahlkampf einsetzte. Er hatte ein Wahlkampfvideo auf der italienischen Startseite platzieren lassen.

    Wähler äußern sich auf Twitter

    Die italienischen Wähler kommentieren den aktuellen Wahlkampf tatsächlich am liebsten mithilfe von Social Media, die meisten mit Twitter. Über 3,6 Millionen Italiener sollen aktive Twitterer sein. Unter dem Hashtag #elezioni2013 kommentieren sie im Sekundentakt jede Äußerung der Kandidaten.

    Eine Gruppe der Universität Mailand hat deshalb das sogenannte "Sentimeter" entwickelt. Ein Tool, das anzeigen soll, wie viele positive Tweets jeder Kandidat auf Twitter von den Italienern bekommt. Geht es nach diesem Tool, dann macht auch hier Beppe Grillo das Rennen. Mit dem gleichen Werkzeug hatte Wired Italien vor wenigen Wochen den Gewinner des italienischen Musikfestivals Sanremo richtig vorrausgesagt.

    Tatsächlich kommen schwierige Zeiten auf die Italiener zu. Während das Land in der längsten Wirtschaftsrezession seit 20 Jahren verharrt, möchte Berlusconi den Italienern die von Monti eingeführte Steuer auf die Erstwohnung zurückerstatten, Monti möchte seine radikalen Reformen, die dem Volk viele Opfer abverlangen fortführen, Bersani den Reformkurs in abgeschwächter Form weiterführen. Und Beppe Grillo? Er möchte das Italien aus dem Euro austritt, was danach kommt, hat er nicht gesagt.

    Italien-Wahl: Die Gruppierungen

    Mitte-links-Bündnis

    Pier Luigi Bersani

    Spitzenkandidat: Pier Luigi Bersani (61)

    Wichtigste Partei: Partito Democratico(PD)

    Ausrichtung: sozialdemokratisch, christdemokratisch , sozialliberal

    Wahlforscher gehen davon aus: der Sozialdemokrat könnte der nächste Ministerpräsident werden. Bei den letzen Umfragen hatte er zwar an Vorsprung verloren, erhielt aber mehr als 33 Prozent. Bersani braucht dann einen Partner. Am wahrscheinlichsten ist eine Koalition mit Montis Bündnis. Bersani hat sich die Fortführung der derzeitigen Reformen auf die Fahnen geschrieben.

    Mitte-rechts-Allianz

    Spitzenkandidat: Silvio Berlusconi (76)

    Wichtigste Parteien: Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" (PdL) und der Lega Nord.

    Ausrichtung: konservativ, rechtsliberal, christdemokratisch

    Wahlforscher gehen davon aus, Berlusconi könnte mit seinem populistischen Reden die Nummer 2 werden. Er selbst will nach jetzigem Stand aber nicht noch einmal Regierungschef werden. Berlusconi wirbt mit Steuersenkungen, hatte aber Steuererhöhungen in seiner eigenen Regierungszeit umgesetzt und im Kabinett Monti mitgetragen. Auch machte er am Holocaust-Gedenktag mit Lobes-Hymnen auf den früheren Diktatur Mussolini wieder einmal von sich reden. Letzte Wahlumfragen sehen seine Allianz bei gut 28 Prozent.

    Bürgerwahl

    Mario Monti

    Spitzenkandidat: Mario Monti (69)

    wichtigste Parteien: Zentrumspartei (UdC), Konservativen (FlI), Italia Futura

    Ausrichtung: konservativ, christdemokratisch

    Monti hat bis Ende 2012 ein Übergangskabinett aus Technokraten geführt. Weil Berlusconi ihm die Mehrheit aufkündigte, trat er zurück. In Montis Regierungszeit fallen grundlegende Entscheidungen zum Abbau des Haushaltsdefizits, verbunden mit Steuererhöhungen und Abschaffung von Privilegien. Eine Zusammenarbeit mit Berlusconi schloss Monti aus.

    Fünf Sterne

    Beppe Grillo / Quelle: dpa


    Spitzenkandidat: Beppe Grillo (64)

    Partei: Movimento 5 Stelle (Bewegung 5 Sterne)

    Der Komiker und Blogger wütet gegen alle, aber ohne Plan. Nach seinen Angaben ist seine Bewegung werder links noch rechts. Bei den letzten Regionalwahlen nahm der Berlusconis Partei und der Lega Nord viele Stimmen weg - die der jungen Protestwähler. Insgesamt könnte er auf etwa 18 Prozent kommen. Jedoch will keiner der anderen mit Grillo zusammenarbeiten, zu unklar sind seine Ziele.

    23.02.2013
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