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25.05.2013

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Niederländische Experten

Im Silicon Valley des Wasserbaus

  • Bild Deich in den Niederlanden
  • Video Deichverstärkung an der Küste
  • Video Schafe hüten auf dem Deich
  • BildBF Deich in den Niederlanden
    VideoDeichverstärkung an der Küste

    Norddeutschlands Küste droht nicht nur Gefahr durch Orkane, sondern auch durch den Anstieg des Meeresspiegels. In naher Zukunft müssen viele Deiche verstärkt und ausgebaut werden, wie in Brunsbüttel.

    (05.12.2012)
    VideoSchafe hüten auf dem Deich

    Knapp ein Quadratkilometer Wiese irgendwo im Wattenmeer: Hier leben und arbeiten die Matthiesens. Zum Schafehalten sind sie verpflichtet: Schafe machen die Wiesen widerstandfähig.

    (29.07.2012)

     von Dorothea von Trotha, Niederlande

    Sie sind die heimlichen Herrscher der Niederlande: Tausende von Ingenieuren und Flutexperten, die täglich das Meer und Grundwasser fern halten von holländischen Häusern, Städten und Feldern. Wegen des Klimawandels ist ihr Wissen weltweit immer stärker gefragt. 

    1953 starben bei einer Jahrhundertflut mehr als 1.800 Menschen. Seitdem setzen niederländische Ingenieure alles daran, um ihr Land - immerhin ein Viertel davon unter dem Meeresspiegel - für die Zukunft zu sichern.

    Weltweit Vorreiter im Kampf gegen Hochwasser

    Kein Wunder also, dass die Holländer zu weltweiten Vorreitern im Kampf gegen Hochwasser und Überschwemmungen geworden sind - und zu Experten beim Thema Klimawandel. Manche sprechen deshalb von den Niederlanden bereits als dem "Silicon Valley" des Wasserbaus. Ob in New York nach Hurrikan "Sandy", in Bangladesch oder Vietnam, überall auf der Welt sind niederländische Fachleute gefragt wie noch nie.

    Dorothea von Trotha / Quelle: Dorothea von Trotha

    Dorothea von Trotha lebt in den Niederlanden
    Quelle: Dorothea von Trotha

    "Früher haben wir vor allem Technologien, Bollwerke gegen das Hochwasser exportiert", sagt Jaap Kwadijk von Deltares, dem wichtigsten niederländischen Wasserforschungsinstitut. "Das können andere aber inzwischen auch, wie man am Dreischluchtenstaudamm in China sieht. Wir Niederländer sehen unsere Stärke inzwischen mehr darin, Lebensräume so zu planen, dass Überschwemmungen gar nicht erst eintreten können."

    Günstig für Natur und Bewohner

    Konkret bedeutet dies für die Ingenieure, zusammen mit Städteplanern, Architekten und lokalen Experten Boom-Regionen so zu planen, dass neue Siedlungen, Straßen oder Eisenbahnschienen für Bewohner und Natur günstig liegen. So müssen etwa Überschwemmungsgebiete in asiatischen Ballungsgebieten wie dem Mekong-Delta frühzeitig angelegt, Böden entwässert und kanalisiert, aber auch vor Besiedelung geschützt werden.

    Besonders durch den Klimawandel gefährdet sind Gebiete, die sich nahe an Flussmündungen ins Meer befinden. Sie liegen nicht nur tief, sondern können sowohl durch Hochwasser als auch Sturmfluten überschwemmt werden. Es sind aber genau diese Regionen, die Menschen - auch wegen der guten Transportwege und des fruchtbaren Bodens - schon seit Jahrhunderten anziehen. So verwundert es nicht, dass die Liste der holländischen Einsatzorte wie eine Aufstellung der großen Wirtschaftszentren klingt: New York, Bangkok, Shanghai, Jakarta, Tokio.

    Der Unterschied zwischen Stadt und Land

    Je mehr Einwohner, desto mehr Leben stehen bei einer Überschwemmung auf dem Spiel. Aber umso mehr Menschen in einer Region leben, umso schwieriger wird es, ihnen sauberes Trinkwasser und eine sichere, vor Hochwasser geschützte Infrastruktur zu bieten.

    Bas Jonkman, Ingenieur und Professor für Hydraulik in Delft, hat an verschiedenen Projekten in den USA, Dubai und in Südostasien mitgearbeitet. "Es gibt gerade in Entwicklungsländern häufig ein Nebeneinander von Landbau und Verstädterung. Wir können zwar die Städte mit einem Deich und Pumpen vor Hochwasser schützen, aber dabei dürfen wir den Bauern nicht das Wasser für ihre Pflanzen und Tiere nehmen."

    Delft - Mekka der Wasserbauexperten

    Kontakte knüpfen die Niederländer über die Botschaften, Entwicklungshilfeorganisationen, aber auch persönliche Beziehungen. Viele der besten Wasserbau-Experten weltweit haben an der technischen Universität in Delft studiert.

    Klimawandel ist längst kein rein politisches oder ideologisches Thema mehr, sondern beschäftigt viele Unternehmen ganz konkret. So setzen etwa Betriebe wie Coca-Cola oder Heineken, die für ihre Getränkeherstellung sehr gutes Trinkwasser brauchen, für den Bau ihrer Fabriken in Boom-Regionen wie Brasilien oder China auf niederländische Wasser-Experten. Denn Milliardeninvestitionen in neue Anlagen gingen verloren, wenn plötzlich das Grundwasser durch Abfälle oder eine Überschwemmung verunreinigt würde.

    Expertisen für Milliarden-Aufträge

    Wie aber kommen die Niederländer an ihre lukrativen Aufträge rund um den Globus? "Unsere Experten müssen ihr Wissen lokal immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen", erklärt Jonkman. So haben holländische Ingenieure und Wissenschaftler für den Süden Vietnams den Mekong-Delta-Plan erstellt. Die Analyse kostet etwa zwei bis drei Millionen Euro. "Wenn wir damit die vietnamesische Regierung überzeugen können, hat sich die Investition gelohnt." Dann winken den niederländischen Wasserexperten Milliarden-Aufträge.

    Bisher, so Jonkman, sind Projekte in besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen jedoch noch ein Zukunftsgeschäft. "Es handelt sich dabei um Prestigeprojekte, um unser Know-how zu zeigen. Das Geld wird im Moment noch mit großen Landgewinnungsprojekten wie dem Flughafen von Singapur oder den Palmeninseln in Dubai verdient."

    25.12.2012
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