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18.05.2013

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merkzettel

Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt zur Krise

"In Deutschland fehlt der große Wurf nach vorne"

  • Bild Eurokrise noch nicht ausgestanden
  • Video Geht es mit Griechenland bergauf?
  • Infografik Die Euro-Zone in der Krise
  • BildEurokrise noch nicht ausgestanden
    Euromünzen auf Wirtschaftsteil einer Tageszeitung / Quelle: imago
    (Quelle: imago)
    VideoGeht es mit Griechenland bergauf?

    Griechische Unternehmer haben neue Märkte im Ausland erschlossen, dank der Abschaffung vieler bürokratischer Hindernisse. Experten beschreiben das Investitionsumfeld als unternehmensfreundlich.

    (24.01.2013)
    InfografikDie Euro-Zone in der Krise
    (Quelle: ZDF)

    Die EZB hat mit ihrem Versprechen, alles für die Euro-Rettung zu tun, tatsächlich das akute Risiko gebannt. Das hat aber einem langen Leiden mit offenem Ausgang Platz gemacht, sagt Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, im heute.de-Interview. Er warnt vor einem Aufstand der Bürger. 

    heute.de: Der DAX ist auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Verbraucher und Unternehmer sind wieder optimistischer. Liegt die Krise hinter uns?

    Thomas Mayer: Letztes Jahr fürchteten die Finanzmärkte, dass die Eurozone möglicherweise an einem finanziellen Herzschlag sterben würde. Dieses Herzschlagrisiko ist durch das beherzte Eingreifen der EZB eliminiert. Das heißt aber nicht, dass der Patient gesund ist. Man könnte sagen, dass er weiter an Krebs leidet, gegen den er ankämpft.

    Dieser Krebs besteht in unflexiblen Wirtschaftsstrukturen insbesondere im Süden, die in einem langen Kampf angepasst werden müssen sowie in einer Überschuldung des privaten und öffentlichen Sektors, die herunterkommen muss. Es ist also nicht sicher, ob der Patient letztlich überlebt.

    heute.de: Wo stehen denn die Krisenländer zu Jahresbeginn?

    Mayer: Bei den Reformen, die angegangen wurden, kann man zwar zum Teil beachtliche Fortschritte sehen. Aber wenn ich mir insbesondere die großen Länder anschaue wie Italien oder Spanien, dann sind wir noch lange nicht da, wo wir hin müssten. Die Spanier haben vielleicht etwas mehr Fortschritte gemacht als die Italiener. Von den Italienern geht leider wieder ein Risiko aus.
    Zur Person
    Thomas Mayer / Quelle: Deusche Bank

    Thomas Mayer ist promovierter Volkswirt und war von 2010 bis 2012 nach verschiedenen Stationen im In- und Ausland Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Leiter von Deutsche Bank Research. Heute ist er Senior Fellow am Center for Financial Studies der Goethe-Universität Frankfurt und Berater der Geschäftsleitung der Deutsche-Bank-Gruppe.

    heute.de:
    Sie sprechen die bevorstehenden Wahlen an. Was erwarten Sie?

    Mayer: Wenn man sich die politische Situation in Italien anschaut, dann ist das Risiko recht hoch, dass wir eine Regierung bekommen, die nicht effektiv ist, das heißt, die die unter Ministerpräsident Mario Monti begonnenen Reformen nicht zu Ende bringen kann.

    heute.de: Fürchten Sie, dass Silvio Berlusconi zurückkommt?

    Mayer: Nein, das wird er nicht. Aber die Gefahr ist sehr groß, dass er eine Sperrminorität im Senat bekommt, sodass er die Regierung blockieren kann. Dann steckt Italien fest.

    heute.de: Ist Frankreich dagegen in einer besseren Situation?

    Mayer: Frankreich ist der dritte Kandidat, der Sorgen bereitet. Das Land hat erst ganz winzige Trippelschrittchen in Richtung Reform gemacht. Aber die Regierung von François Hollande ist noch nicht einmal wieder auf der Startlinie angekommen, hinter die sie durch ihre Erhöhung der Steuer und des Mindestlohns gefallen ist. Jetzt müsste die Regierung eigentlich eine Generalüberholung der französischen Wirtschaft einleiten. Davon ist aber noch nichts zu sehen.

    heute.de: Wenn wir schon bei Problemfällen sind: Wie sieht es mit der Rettung Zyperns aus?

    Mayer: Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass die Stabilisierung der Währungsunion auch um den Preis aller ordnungspolitischen Prinzipien notwendig ist, dann wird man hier weiter retten.

    heute.de: Was ist Ihre Meinung?

    ZITAT
    Das Raushauen der Gläubiger zyprischer Banken wäre der endgültige Sündenfall der Rettungspolitik.
    Mayer:
    Ich finde, dass das Raushauen der Gläubiger zyprischer Banken der endgültige ordnungspolitische Sündenfall der Rettungspolitik ist.

    heute.de: Blick nach Deutschland: Lässt man vor der Bundestagswahl wichtige Entscheidungen in der Eurzone schleifen?

    Mayer: Die Bundesregierung hat die Eurokrise einigermaßen erfolgreich gemanagt, insofern ist es nicht zu einem großen Unfall gekommen. Was ich kritisieren würde, ist, dass der große Wurf nach vorne fehlt.

    heute.de: Womit müssen wir in diesem Jahr in Sachen Eurokrise rechnen?

    Mayer: Ganz entscheidend für die Entwicklung wird sein, ob wir eine Wiederbelebung des Wachstums sehen, wie jetzt alle behaupten. Bisher ist das aber nur ein frommer Wunsch. Wenn wir das haben, dann werden wir für einige Zeit Entspannung in der Eurozone haben. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, wo sich die Bürger gegen den in vielen zwischenstaatlichen Pakten erzwungenen nationalen Souveränitätsverzicht auflehnen. Wenn das Wachstum nicht kommt, dann werden wir eine zweite, von sozialen Spannungen getriebene Krisenwelle sehen.

    heute.de: Werden wir uns auf eine lange schleichende Krise vorbereiten müssen?

    Mayer: Das ist es, was ich meine. Das ist jetzt ein Krebsleiden. Da kämpft man gegen an. Manchmal geht es besser, manchmal schlechter. Die Stimmung geht rauf und runter, der Ausgang ist ungewiss. Deshalb wird die Situation noch über lange Zeit unangenehm bleiben.

    Das Inteview führte Dorothee Holz

    04.02.2013
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