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Schon wieder Montag: Führungskräfte

In der Sandwich-Falle

  • Grafik In der Sandwich-Falle
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    In der Sandwich-Falle

    Druck von oben, Druck von unten - das mittlere Management hat es schwer. Es muss mit immer kleineren Teams immer schwierigere Aufgaben bewältigen. Das bringt Stress und Frust. Talent-Management-Berater Wolfgang Doerfler sieht die Vorstände in der Verantwortung. 

    heute.de: Die Sandwich-Manager erscheinen in Ihrer Studie eher unglücklich, warum?

    Wolfgang Doerfler: Sie sitzen zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite haben sie eine Führungsebene über sich, beispielsweise den Vorstand oder den Firmenchef. Auf der anderen Seite haben sie selbst Mitarbeiter und Führungskräfte unter sich. Das ist ein Balanceakt. Zu ihrem Auftrag gehören die Umsetzung der Firmenstrategie, Personalführung sowie die Vermittlung von Informationen zwischen Firmenleitung und Belegschaft. An den Aufgaben hat sich im Prinzip wenig geändert, aber deren Umsetzung ist in den vergangenen zehn Jahren sehr viel komplexer geworden. Diese Manager bekommen enormen Druck von oben und von unten.
    Zur Person
    Wolfgang Dörfler

    Wolfgang Doerfler ist Geschäftsführer der Development Dimensions International (DDI) Deutschland GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Als Experte für Change-Management-Prozesse berät er Unternehmen bei der Schulung und Entwicklung von Führungskräften. Das Beratungsunternehmen DDI ist weltweit mit 42 Büros in 26 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter.

    heute.de: Siemens-Chef Peter Löscher bezeichnete diese Führungsebene als Lehmschicht, die aufgebrochen werden müsse. Trifft das die Problematik?

    Doerfler: Ja, denn diese Aussage verdeutlicht, dass Vorstände nicht nah genug dran sind und oft nicht sehen, was Führung heute bedeutet. In den Befragungen beklagen die Konzernchefs immer wieder, dass die Umsetzung der Prozesse zu lange dauert. Dabei unterschätzen sie die komplexe Situation der mittleren Manager. Denn als die jetzigen Vorstände die Karriereleiter hochgeklettert sind, waren die Herausforderungen noch ganz anders. Das ist ein Phänomen, das wir in vielen Unternehmen beobachten, weltweit.

    heute.de: Was hat sich verändert?

    Doerfler: In Zeiten von stabilem Wirtschaftswachstum ist Führung einfacher. Aber die Krise bringt ständige Umstrukturierungen. Die Sandwich-Manager müssen zum Beispiel häufig Leute entlassen und gleichzeitig das verbleibende Team motivieren und in die vom Vorstand vorgegebene Richtung lenken. Sie sollen mit möglichst wenig Personal für möglichst großes Wachstum sorgen. Von ihnen wird die Umsetzung von Innovationen erwartet. Zudem wird die Gruppe der zu Führenden immer diverser, was die Führung ebenso erschwert. In den Teams müssen ältere Mitarbeiter, die , Frauen und unterschiedliche Nationalitäten unter einen Hut gebracht werden. Die Herausforderungen an die Führungskräfte haben sich stark verändert, ohne dass sie dabei unterstützt werden. Viele Sandwich-Manager fühlen sich überfordert, schlecht vorbereitet und allein gelassen. Zudem sind sie selbst von Jobverlust bedroht, da für sie keine Tarifbestimmungen gelten.

    Schon wieder Montag . . .

    Die Arbeitswoche beginnt und bringt Spaß oder Frust im Job, Chancen oder Probleme. Heute.de geht in der Serie Schon wieder Montag ... jede Woche einem Thema aus der Arbeitswelt auf den Grund. Was bewegt Sie in Sachen Job und Karriere? Schreiben Sie an redaktion.heuteonline@zdf.de - wir freuen uns über Anregungen für die nächsten Montage.

    heute.de: Werden zu oft die Falschen befördert?

    Doerfler: Leider ja. Denn der Wechsel ins Management ist oft die einzige Möglichkeit, um sich finanziell und hierarchisch zu verbessern. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel ein guter Ingenieur von der Praxisebene in die Führungsebene wechselt. Er übernimmt dann Aufgaben, auf die er nicht vorbereitet ist. Es ist erschreckend, wie oft Beförderungen in den Unternehmen so ablaufen. Die Firma verliert so einen fähigen Ingenieur und bekommt eine schlechte Führungskraft. Doch immer mehr Unternehmen erkennen die Problematik und ermöglichen ihren Experten mehr Gehalt und Anerkennung auch ohne Führungsaufgaben. Besondere Führungsqualitäten werden zunehmend als wichtig angesehen und nicht als etwas, was einem Chef automatisch bei der Beförderung zufliegt.

    heute.de: Ist es noch attraktiv, Chef zu sein?

    Doerfler: Früher konnte man mehr Chef sein und Anordnungen geben, aber Führung ist viel schwieriger und damit unattraktiver geworden. Es ist eine eher neue Erkenntnis, dass Manager Hilfe brauchen. An der Globalisierung, dem Innovationsdruck, der zunehmenden Technologisierung und dem geringen Wachstum wird sich so bald nichts ändern. Diese Belastungen werden bleiben. Aber es muss eine andere Führungskultur entstehen. Die Vorstände müssen die Eigenschaften kennen, die ihre Manager brauchen. Diese Fähigkeiten müssen sie fördern und unterstützen. Das ist ein gerade erst beginnender Prozess ist, es bleibt noch viel zu tun.

    Das Interview führte Tatjana Kimmel-Fichtner

    07.01.2013
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