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Fleischatlas
Jeder Deutsche isst im Leben 1.094 Tiere
VideoStudie zum Fleischkonsum in Deutschland
Video"Fleisch ist viel zu billig"
Jeder Deutsche verspeist in seinem Leben im Durchschnitt das Fleisch von 1.094 Tieren. Laut einem "Fleischatlas" sind das unter anderem 945 Hühner, 46 Schweineund vier Rinder. Die Studienmacher schlagen Alarm. Die Massentierhaltung fördert auch antibiotikaresistente Keime, die jetzt erst wieder in Schweinemett nachgewiesen wurden.
Mit einem jährlichen Fleischverzehr von rund 60 Kilogramm würden die Deutschen doppelt so viel Fleisch essen wie die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Studie wurde im Auftrag der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, der Zeitung "Le Monde Diplomatique" und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstellt.
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Fast zwei Drittel der hiesigen Agrarflächen dienten inzwischen der Erzeugung von Futtermitteln, die für die Aufzucht von Schweinen, Hühnern und anderen Tieren in Mastfabriken gebraucht werden, hieß es weiter. Besorgniserregend hoch sei auch der Einsatz von Antibiotika in der globalen Massenproduktion von Fleisch. Im weltweiten Ranking liege Deutschland mit geschätzten rund 170 Milligramm eingesetzten Antibiotika pro Kilo erzeugtem Fleisch auf einem der vorderen Plätze. Ergebnis davon sei die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen bei den Menschen.
Kehrtwende in Agrarpolitik gefordertDie Heinrich-Böll-Stiftung forderte eine Kehrtwende in der Agarpolitik. "Das heißt, Subventionen für die intensive Fleischproduktion streichen, Landnahme im Süden verhindern, die kleinbäuerliche Landwirtschaft fördern und das Menschenrecht auf Nahrung endlich ernst nehmen", erklärte Vorstand Barbara Unmüßig.
Mittlerweile werde nahezu ein Drittel der weltweiten Landflächen für die Futtermittelproduktion genutzt, während Kleinbauern zunehmend ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlieren, hieß es weiter. "Das Schnitzel auf unserem Teller geht also nicht selten auf Kosten der Ernährungssicherheit zahlreicher Menschen im Süden dieser Welt", kritisierte Unmüßig.Studie: Schweinemett belastetUnterdessen ist Schweinemett einer Stichprobe im Auftrag der Grünen zufolge oft mit Keimen belastet, die gegen Antibiotika resistent sind. Die Keime tauchten dort auf, weil mittlerweile viele Tiere in den großen Mastställen damit infiziert seien, erklärte die Grünen-Bundestagsfraktion am Donnerstag. Ursache sei der massive und häufig unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung.
Die Grünen-Bundestagsfraktion ließ im Dezember in zehn großen Städten an jeweils fünf Orten Schweinemett einkaufen - in Discountern, Supermärkten und Bäckereien. Die Produkte, etwa Zwiebelmettwurst, Mettbrötchen oder frisches Mett, ließen sie im Labor untersuchen. Demnach waren 16 Prozent der Proben mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.
Höhn: Ställe Trainingsgebiet für KeimeDie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, und der agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorff kritisierten, Mastställe seien "quasi ein riesiges Trainingsgebiet für Keime, um resistent gegen Antibiotika zu werden". Sie forderten, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast "deutlich" zu reduzieren. Dies sei nur möglich, wenn die Größen der Herden verkleinert würden und die Tiere mehr Platz bekämen.
Europaweit sterben laut Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jährlich rund 25.000 Menschen auf Grund von Antibiotika-Resistenzen. In Deutschland sind es nach Angaben der Grünen-Bundestagsfraktion jährlich rund 30.000 Menschen, die sterben, weil sie nicht mehr vollständig auf die Behandlung mit Antibiotika ansprechen. Laut BUND beruhen beide Zahlen auf anderen Methoden der Datenerhebung; es sei sehr schwierig festzulegen, ob ein Mensch an einer Krankheit oder einer Antibiotikaresistenz gestorben ist.
Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger kritisierte, es würden weiterhin neue Megaställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim Discounter scheinbar billig mache. "Tatsächlich zahlen die Verbraucher einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für neue Ställe und Schlachthöfe und drittens für die Umwelt- und Gesundheitsschäden." Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) habe es nicht geschafft, hier Veränderungen einzuleiten. Der BUND setze sich dafür ein, bei der laufenden EU-Agrarreform die Vergabe der Subventionen an strenge Umwelt- und Tierschutzauflagen zu binden.



