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21.05.2013

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Fleischatlas

Jeder Deutsche isst im Leben 1.094 Tiere

  • Video Studie zum Fleischkonsum in Deutschland
  • Video "Fleisch ist viel zu billig"
  • VideoStudie zum Fleischkonsum in Deutschland

    Unser Fleischkonsum wird von den verschiedensten Faktoren beeinflusst. Wer in Deutschland wie viel Braten, Burger oder Steaks isst - oder auf das alles verzichtet, das zeigt der neue "Fleisch-Atlas".

    (10.01.2013)
    Video"Fleisch ist viel zu billig"

    "Man sollte Fleisch da kaufen, wo man wirklich weiß, wo es herkommt", rät Ursula Hudson, Vorsitzende Slow Food Deutschland, anlässlich der aktuellen Studie über den Fleischkonsum der Deutschen.

    (11.01.2013)

    Jeder Deutsche verspeist in seinem Leben im Durchschnitt das Fleisch von 1.094 Tieren. Laut einem "Fleischatlas" sind das unter anderem 945 Hühner, 46 Schweineund vier Rinder. Die Studienmacher schlagen Alarm. Die Massentierhaltung fördert auch antibiotikaresistente Keime, die jetzt erst wieder in Schweinemett nachgewiesen wurden. 

    Mit einem jährlichen Fleischverzehr von rund 60 Kilogramm würden die Deutschen doppelt so viel Fleisch essen wie die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Studie wurde im Auftrag der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, der Zeitung "Le Monde Diplomatique" und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstellt.


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    Antibiotika-Einsatz: Deutschland ganz vorn

    In dem "Fleischatlas" werden in Texten und Grafiken die globalen Zusammenhänge der Fleischerzeugung und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit aufgezeigt. Demnach liegt in den ärmsten Ländern der Welt der durchschnittliche jährliche Fleischkonsum unter zehn Kilogramm pro Person. Zugleich produzieren deutsche Fleischfabriken etwa 17 Prozent mehr Fleisch als im Land verzehrt wird.


    Fast zwei Drittel der hiesigen Agrarflächen dienten inzwischen der Erzeugung von Futtermitteln, die für die Aufzucht von Schweinen, Hühnern und anderen Tieren in Mastfabriken gebraucht werden, hieß es weiter. Besorgniserregend hoch sei auch der Einsatz von Antibiotika in der globalen Massenproduktion von Fleisch. Im weltweiten Ranking liege Deutschland mit geschätzten rund 170 Milligramm eingesetzten Antibiotika pro Kilo erzeugtem Fleisch auf einem der vorderen Plätze. Ergebnis davon sei die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen bei den Menschen.


    Kehrtwende in Agrarpolitik gefordert

    Die Heinrich-Böll-Stiftung forderte eine Kehrtwende in der Agarpolitik. "Das heißt, Subventionen für die intensive Fleischproduktion streichen, Landnahme im Süden verhindern, die kleinbäuerliche Landwirtschaft fördern und das Menschenrecht auf Nahrung endlich ernst nehmen", erklärte Vorstand Barbara Unmüßig.
      

    Mittlerweile werde nahezu ein Drittel der weltweiten Landflächen für die Futtermittelproduktion genutzt, während Kleinbauern zunehmend ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlieren, hieß es weiter. "Das Schnitzel auf unserem Teller geht also nicht selten auf Kosten der Ernährungssicherheit zahlreicher Menschen im Süden dieser Welt", kritisierte Unmüßig.

    Studie: Schweinemett belastet

    Unterdessen ist Schweinemett einer Stichprobe im  Auftrag der Grünen zufolge oft mit Keimen belastet, die gegen  Antibiotika resistent sind. Die Keime tauchten dort auf, weil  mittlerweile viele Tiere in den großen Mastställen damit infiziert  seien, erklärte die Grünen-Bundestagsfraktion am Donnerstag.  Ursache sei der massive und häufig unsachgemäße Einsatz von  Antibiotika in der Nutztierhaltung.


    Die Grünen-Bundestagsfraktion ließ im Dezember in zehn großen  Städten an jeweils fünf Orten Schweinemett einkaufen - in  Discountern, Supermärkten und Bäckereien. Die Produkte, etwa  Zwiebelmettwurst, Mettbrötchen oder frisches Mett, ließen sie im  Labor untersuchen. Demnach waren 16 Prozent der Proben mit  antibiotikaresistenten Keimen belastet.


    Höhn: Ställe Trainingsgebiet für Keime

    Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im  Bundestag, Bärbel Höhn, und der agrarpolitische Sprecher Friedrich  Ostendorff kritisierten, Mastställe seien "quasi ein riesiges  Trainingsgebiet für Keime, um resistent gegen Antibiotika zu  werden". Sie forderten, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast  "deutlich" zu reduzieren. Dies sei nur möglich, wenn die Größen der  Herden verkleinert würden und die Tiere mehr Platz bekämen.


    Europaweit sterben laut Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für  Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jährlich rund 25.000  Menschen auf Grund von Antibiotika-Resistenzen. In Deutschland sind  es nach Angaben der Grünen-Bundestagsfraktion jährlich rund 30.000  Menschen, die sterben, weil sie nicht mehr vollständig auf die  Behandlung mit Antibiotika ansprechen. Laut BUND beruhen beide  Zahlen auf anderen Methoden der Datenerhebung; es sei sehr  schwierig festzulegen, ob ein Mensch an einer Krankheit oder einer  Antibiotikaresistenz gestorben ist.


    Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger kritisierte, es würden  weiterhin neue Megaställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim  Discounter scheinbar billig mache. "Tatsächlich zahlen die  Verbraucher einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für  neue Ställe und Schlachthöfe und drittens für die Umwelt- und  Gesundheitsschäden." Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner  (CSU) habe es nicht geschafft, hier Veränderungen einzuleiten. Der  BUND setze sich dafür ein, bei der laufenden EU-Agrarreform die  Vergabe der Subventionen an strenge Umwelt- und Tierschutzauflagen  zu binden.

    10.01.2013, Quelle: afp, epd
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