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24.05.2013

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Schon wieder Montag: Mitarbeitertypen

"Jeder ist anders komisch"

  • Infografik Kollegen - mal gehasst, mal geliebt
  • InfografikKollegen - mal gehasst, mal geliebt
    Fallback / Quelle: ZDF

    Der eine redet zu viel, der andere zu wenig. Einer macht seine Arbeit supergut, ist als Mensch aber superschwer zu ertragen – kurzum: Perfekte Kollegen sind rar gesät. Psychologe Jürgen Hesse gibt im heute.de-Interview Tipps gegen Kollegenfrust und für ideale Teambesetzungen. 

    heute.de: Welcher ist der ideale Mitarbeitertyp?

    Jürgen Hesse: Das kann man gar nicht so beantworten, denn hier geht es um Schloss- und Schlüsselphänomene: Ein großes Burgtor braucht  einen anderen Schlüssel als ein Tresor. Es hängt also davon ab mit wem was gearbeitet werden soll und wer schon vorhanden ist. Man sucht sich am besten einen aus, der zum Chef passt, aber auch zum Team. Der Mitarbeiter muss also die Lücke schließen, die entstanden ist, aber auch auf dem zwischenmenschlichen Gebiet mit den Kollegen klarkommen. Das hat was mit Chemie zu tun.

    Zur Person

    Der Psychologe Jürgen Hesse ist Bewerbungs- und Karrierecoach und hat im Autoren-Team Hesse/Schrader mehr als 100 Sachbücher zu Karrierefragen veröffentlicht.  Er leitet das „Büro für Berufsstrategie“, das es mittlerweile in acht deutschen Städten gibt.

    heute.de: Heißt idealer Mitarbeitertyp auch idealer Kollege? Oder schließt sich das aus?

    Hesse: Das sind zwei verschiedene Dimensionen. Ein guter Mitarbeiter ist jemand, der was leistet, seine Arbeit gut macht. Wenn er dann auch noch kollegial ist, umso besser. Aber das eine bedingt nicht das andere. Ich kann ein Superkumpeltyp sein, aber meine Arbeit schaffe ich nicht.

    heute.de: Welche Mitarbeitertypen braucht man denn für eine ideale Kollegengruppe?

    Hesse: Es gibt zwei Modelle. Das eine sagt: Je gleicher die Gruppe und je gleicher die Interessenlage, desto harmonischer ist das Team. Beispielsweise fünf gleich alte, fußballbegeisterte Ökonomen sind eine gute homogene Gruppe mit der gleichen Wertewelt. Modell zwei besagt, dass gemischte Teams besser funktionieren, also ein Mix aus Männern, Frauen, Jungen, Alten, Ökonomen, Geisteswissenschaftlern, die voneinander lernen. Also ganz heterogen, dafür aber ausgewogen. Welches dieser Modelle besser funktioniert, darüber kann man streiten.

    Was die Charaktere von Mitarbeitern betrifft kann man sagen: Die Mischung macht’ s. Wenn einer ein Vielredner ist, kann das positiv sein. Aber wenn alle viel reden, ist ja keiner mehr da, der zuhört. Es sollte also immer ein Mix sein aus extrovertierten und nachdenklicheren Typen.

    Kollegentypen im Überblick

    Der Fachmann

    Lösungen suchen, bis es passt

    Er ist ein Muster an Disziplin, Pünktlichkeit und Ordnungssinn und läuft richtig zur Hochform auf, wenn es ein Problem gibt. Und dann sucht er so lange, bis die Lösung hundertprozentig passt. Sein Detailwissen, gepaart mit analytisch-komplexen Denkvermögen, kommen ihm dabei absolut zu gute. Fehler vermeidet er fachmännisch und die Anerkennung des Chefs zählt mehr als materielle Belohnungen. Das Wohl der Firma geht vor.

    Seine Schwächen: Das Zwischenmenschliche ist nicht sein Gebiet. Er fügt sich ungern in die Gemeinschaft ein und gibt selten Fehler zu. Auf Kritik reagiert er ungehalten bis aggressiv. Außerdem hält er sich manchmal für allzu unentbehrlich.

    Der Spielmacher

    Das Büro als Spielwiese

    Mittelmaß – das kommt für den Spieler nicht in die Tüte. Wenn andere aufgeben, dreht er erst so richtig auf. Er ist in der Lage, seine Kollegen auch in aussichtslosen Situationen durch sein meist gutlauniges "Top oder Flopp!" am Aufgeben oder eben am Mittelmaß zu hindern. Auf schier aussichtslose Situationen reagiert er mit spontanen, ungewöhnlichen Ideen. Dabei erinnert sein Verhalten an einen Spieler, der seine Einsätze im Casino auf mehrere Tische verteilt. Seine Kreativität und Begeisterungsfähigkeit machen ihn für das Team unverzichtbar – Konkurrenz spornt ihn richtig an und lässt ihn zur Höchstform auflaufen.

    Seine Schwächen: Vorsicht und die Prinzipientreue einiger Kollegen sind dem Spieler unverständlich. Er hat immer mehrere Eisen im Feuer und seine Risikofreude verleitet ihn gelegentlich zum Zocken. Fühlt er sich an der Umsetzung seiner Ideen gehindert, neigt er zu Überreaktionen und unkollegialem Verhalten. Wer ihn nicht als heimlichen Herrscher anerkennt, wird mit seinem Rückzug "bestraft".

    Der Integrator

    Harmonie als Erfolgsquelle

    Er ist ein echter Diplomat und bei allen beliebt. Zwischenmenschliches bringt ihn niemals aus der Fassung, er ist ein wahres Wunder im Finden der richtigen Worte zur richtigen Zeit. Für ein positives Betriebsklima tut er alles. Wenn es im Büro knirscht, kommen die Kollegen daher als erstes zu ihm. Er hat zu allen ein gutes Verhältnis, ist aber dennoch kein Schleimer und der perfekte Vermittler bei heiklen Missionen.

    Seine Schwächen: Der Integrator neigt zur Harmoniesucht. Er nimmt seinen Kollegen bis zur Selbstaufgabe Arbeit ab und verursacht dadurch Fehler. Kritik lässt ihn schnell an seiner Person und seinen Fähigkeiten zweifeln. Die Einsicht, dass es auch Konflikte gibt, die sich trotz seines ganzen Einsatzes nicht lösen lassen, kann ihn aus dem Konzept bringen.

    Der Dschungelkämpfer

    Allein gegen den Rest im Job

    Loyalität? Das ist nicht gerade die Stärke des Dschungelkämpfers. Er ist der typische Einzelgänger, wenig vertrauenswürdig, stets auf seinen Vorteil bedacht und im Ernstfall bereit Intrigen anzuzetteln. Häufig sägt er am Stuhl von Kollegen und Vorgesetzten oder stellt sie in großer Runde bloß. Er lästert bei Kollegen und Chefs und vergiftet die Büroatmosphäre.

    Seine Schwächen: Der Charakter des Dschungelkämpfers sagt über seine fachlichen Fähigkeiten wenig aus. Entweder ist er ein ausgewiesener Fachmann, der mit allen Mitteln um die Chefposition kämpft, oder ein notorischer Querulant, der seine eigene Unfähigkeit aus Neid und Minderwertigkeitsgefühlen zu vertuschen versucht. Auf jeden Fall sollten Chefs und Kollegen auf der Hut sein – denn wer ihm im Bürodschungel im Weg steht, für den könnte es unangenehm werden.

    (Quelle: Jürgen Hesse/Büro für Bürostrategie)

    heute.de: Wie finde ich denn den richtigen Umgang mit schwierigen Kollegentypen?

    Hesse: Pauschal gesagt hilft immer sich zu verdeutlichen, dass jeder anders komisch ist. Ich fühle mich also genervt von dem Kollegen, aber die Frage ist dann: Warum stört mich das an ihm, was hat das mit mir zu tun, warum bin ich so empfindlich? In dem Moment in dem ich mich in den anderen hineinversetze, gewinne ich mehr Verständnis für sein Verhalten und werde auch toleranter. Denn oft hat der Ärger, den ich spüre etwas mit mir selbst zu tun. Wichtig ist also den anderen in seiner Merkwürdigkeit zu verstehen. Ich kann ihn nicht ändern, aber ich kann meine Einstellung ändern.

    Schon wieder Montag ...

    Die Arbeitswoche beginnt und bringt Spaß oder Frust im Job, Chancen oder Probleme. Heute.de geht in der Serie Schon wieder Montag ...  jede Woche einem Thema aus der Arbeitswelt auf den Grund. Was bewegt Sie in Sachen Job und Karriere? Schreiben Sie an redaktion.heuteonline@zdf.de - wir freuen uns über Anregungen für die nächsten Montage.

    heute.de: Darf man denn zu ekligen Mitarbeitertypen auch eklig sein?

    Hesse: Das kann man, ja. Aber es kann leicht eskalieren, wenn es zu einer "Auge um Auge, Zahn um Zahn-Situation" kommt. Hilfreicher ist es zu deeskalieren und nicht jede Unfreundlichkeit mit Unfreundlichkeiten zu parieren. Das, was einen stört, sollte man thematisieren. Und je mehr Mühe man sich gibt sein Gegenüber zu erreichen, um so eher entspannt sich die Situation. Hoffentlich...

    heute.de: Was sollte man sich denn auf keinen Fall von Mitarbeitern bieten lassen?

    Hesse: Wichtig ist: Wehret den Anfängen! Sexuelle Annäherungen sollte man unbedingt gleich abwehren, hinterher wird es schwierig. Wenn zu viel destruktiv gemeckert wird, sollte man das sofort ansprechen. Egal was  mir gegen die Hutschnur geht – ich muss klar reagieren, dabei aber aufpassen nicht gleich überzureagieren. Denn wenn man erst einmal den Eindruck erweckt, dass man alles durchgehen lässt, kann man sich hinterher nur schwer behaupten.

    Das Interview führte Valerie Henschel

    17.12.2012
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