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19.06.2013

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Extremisten vernetzen sich

"Kampf gegen rechts muss europäischer werden"

  • Bild Einzeltäter sind die Ausnahme
  • Video Deutsche für NPD-Verbot
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  • BildEinzeltäter sind die Ausnahme
    VideoDeutsche für NPD-Verbot

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    (14.12.2012)
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    (13.12.2012)

    In verschiedenen Ländern Europas agieren rechtsextreme Gewalttäter. Längst tun sie das nicht mehr isoliert voneinander. Sie bauen ihr Netzwerk aus. Andreas Zick von der Uni Bielefeld beklagt im Gespräch mit heute.de fehlendes Problembewusstsein der Behörden. 

    heute.de: Herr Zick, in jüngster Zeit gab es in verschiedenen europäischen Ländern Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund. Nimmt die Gefahr durch Rechtsextremismus in Europa zu?

    Andreas Zick: Ja, ich glaube, sie nimmt zu, vor allem wird sie die europäische Rechtsextreme noch stärker vernetzen. Man hat eine Zeit lang unterschätzt, wie viele Verbindungen es zwischen Rechtsextremisten in verschiedenen Ländern gibt. Aber schon seit den 1980er Jahren beobachten wir, dass zum Beispiel die Ausbildung deutscher Rechtsextremisten zur Gewalt oft im Ausland stattfindet. Außerdem entwickelt jede rechtsextreme Gewalttat Ansteckungsphänomene über Grenzen hinweg. Die Mörder werden wie Helden in anderen Ländern gefeiert und das ermutigt Nachahmer.

    heute.de: Sind es Einzeltäter, von denen die größte Gefahr ausgeht oder Gruppen?

    Zick: Es sind in seltenen Fällen Einzeltäter. Breivik in Norwegen war wohl der dramatischste, weil er die Merkmale eines so genannten "Lone Wolf"-Täters teilt. Wir wissen aber aus allen Gerichtsakten und Studien, dass es sich in der Regel um kollektive Taten handelt. Rechtsextremisten schlagen in Gruppen zu.

    heute.de: In welchen Ländern sind Rechtsextreme denn besonders aktiv?

    Andreas Zick ...
    Andreas Zick / Quelle: Rebmann

    ... ist Professor am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Er ist Mitautor der Studie "Die Abwertung der Anderen - Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung", herausgegeben 2011 von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

    Zick:
    Das ändert sich immer wieder. Es gilt die Regel, dass immer da, wo der Staat Kontrolle verliert, gewalttätiger Rechtsextremismus stärker wird. Das war zum Beispiel in den 1990er Jahren in den Ländern des ehemaligen Ostblocks der Fall. Das aktuell auffälligste Beispiel ist Griechenland. Es gibt dort rechtsextreme Gruppen, die offen mit nachgemachten SS-Uniformen durch die Dörfer wandern und Menschen bedrohen. Also dort, wo wir gerade eine starke ökonomische und soziale Krise erleben und der Staat an Kontrolle verliert, schlägt die Rechtsextreme zu.

    heute.de: Heißt das, Rechtsextreme warten, bis es einer Region schlecht geht und ziehen dann dorthin?

    Zick: Der Rechtsextremismus in Europa ist ja extrem vielfältig. Es gibt Parteifunktionäre, Kameradschaften, autonome Nationalisten, die rechtsextreme Musikszene. Aber was sie eint, ist ihre nationalistische Grundideologie. Und dort spielt die alte Vorstellung, den Raum zu besetzen, eine Rolle. Wenn also in einer Region ein Krisenzustand herrscht, wenn die Unzufriedenheit hoch ist, dann versuchen Rechtsextreme gezielt, dort hinzugehen. Ein bekanntes aktuelles Beispiel ist in Deutschland die Konzentration auf den Dortmunder Stadtteil Dorstfeld. Dort haben sich die Rechtsextremen ganz bewusst in eine strukturschwache Region gesetzt und gesagt, wir besetzen den Ort und kämpfen um die Vorherrschaft.

    heute: Aber erfolgt das eben auch grenzübergreifend?

    Zick: Ja. Ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, denn so heterogen die Rechtsextreme ist, so zerstritten ist sie auch. Aber es gibt einen stabilen und kontinuierlichen Austausch zwischen den Ländern. Auch die Rechtsextreme hat die Idee der europäischen Einigung, aber als nationalistische Bewegung.

    heute.de: Widerspricht das nicht ihrer Ideologie?

    Zick: Nein. Ein Europa, das die nationalen Interessen der Einzelnen berücksichtigt, ist durchaus denkbar. Es handelt sich um einen Ethnopluralismus, der besagt, dass Völker ihr eigenes nationales Recht und ihre Reinrassigkeit für sich behaupten dürfen. Rechtsextremismus heißt nicht automatisch, dass man andere Völker unterwerfen muss. Sondern jedes Volk hat ein Existenzrecht, nur darf es keine Vermischung geben.

    heute.de: Wie unterstützen sich die Rechtsextremen verschiedener Länder ganz konkret?

    Zick: Durch Kooperation und Kommunikation. Im Internet beobachten wir Absprachen und ideologischen Austausch in Blogs und Foren. Es gibt englischsprachige Webseiten, die von Rechtsextremisten aus verschiedenen Ländern gemeinsam betrieben werden. Auf Großveranstaltungen in Deutschland sind oft auch Rechtsextreme aus Osteuropa, Holland oder Großbritannien dabei. Und dann gibt es natürlich bei den gewalttätigen rechtsextremen Gruppen auch den Austausch von Waffen.

    heute.de: Was heißt das für den Kampf gegen den Rechtsextremismus in Europa?

    Zick: Er muss europäischer werden. Ich würde mir wünschen, dass es eine europäische Zentrale gibt, wo man die Expertise zum europäischen Rechtsextremismus zusammenlegt. Aber im Moment haben wir noch nicht mal eine gute Dokumentation über rechtsextreme Zellen. Die Länder müssten sich auch gegenseitig Hilfe anbieten und voneinander lernen, denn im Moment sind einige Staaten mit dem Phänomen völlig überfordert.

    Das Interview führte Ulrike Thiele

    28.12.2012
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