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22.05.2013

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Kampf um bezahlbare Wohnungen

  • Video Kampf um bezahlbare Wohnungen
  • Video Wohnungsnot auch in der Mittelschicht
  • Video Ramsauer will Eigenheimzulage zurück
  • Video Wohnungsnot in Städten
  • VideoKampf um bezahlbare Wohnungen
    (28.02.2013)
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    Auch für die Mittelschicht wird es immer schwieriger, in Ballungsräumen bezahlbare Wohnungen zu finden.

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    (26.02.2013)
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    (15.12.2012)

    "Das ist ein Verdrängungswettbewerb"

    Auch für mittlere Einkommen wird bezahlbarer Wohnraum zusehends knapp. Das belegt eine Studie zu Mietpreisen, die heute vorgestellt wird. "Jetzt ist der Bund in der Pflicht", sagt Ingeborg Esser vom Bundesverband der Wohnungsunternehmen im heute.de-Interview. 

    heute.de: Lange Zeit hieß es, insbesondere bezahlbare Wohnungen im unteren Mietpreissegment seien Mangelware. Nun drückt es auch im mittleren Segment. Was ist der Grund dafür?

    Ingeborg Esser: Jetzt schlägt durch, dass wir seit fast zehn Jahren eine viel zu geringe Neubautätigkeit haben. Das wirkt sich nun sehr stark auf die begehrten Ballungsräume aus. Was wir dort sehen, ist ein Verdrängungswettbewerb um Wohnraum.

    heute.de: War das so absehbar?

    Zur Person

    Ingeborg Esser ist Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

     Esser:
    Wir als Interessenverband der Wohnungswirtschaft weisen seit zehn Jahren darauf hin. Aber die Politik hat das nicht im Blick gehabt – auch angesichts der Tatsache, dass es in den neuen Bundesländern eher darum ging, Wohnungsüberbestände beseitigen zu müssen. Das war eine völlig neue Situation, die man so nicht kannte. Man hat sich schwer getan zu erkennen, dass sich in einigen Regionen ein massiver Wohnraummangel abzeichnet.

    heute.de: Was hat denn nun Politik mit fehlenden Wohnungen zu tun?

    Esser: Eine ganze Menge, vor allem auf Landes- und Kommunalebene. Ein äußerst problematischer Aspekt ist zum Beispiel die Bereitstellung von Grundstücken für Neubauten. Hier haben die Kommunen lange nur gegen Höchstgebot verkauft. Wenn man das aber in Ballungsgebieten so handhabt, kann man damit keinen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Mittlerweile wurde das verstanden, und zahlreiche Kommunen sind zur Konzeptvergabe übergegangen. Das bedeutet, dass bei Grundstücksverkäufen zumindest ein Teil der Flächen für den Bau günstigerer Wohnungen bereitgestellt wird. Dadurch bilden sich auch andere Preise für die Flächen.

    Informationen zur Studie

    Die "Regio Kontext"-Studie "Strategien für bezahlbares Wohnen in der Stadt" entstand im Auftrag von: BFW - Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V., BDB - Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V., DGfM - Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V., DMB - Deutscher Mieterbund e.V., GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., IG BAU - Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, ZDB - Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

    heute.de: Problem Politik also gelöst?

    Esser: Nein, noch nicht. Ein anderer wichtiger Aspekt sind die steuerlichen Rahmenbedingungen. Die sind für den Mietwohnungsbau so unattraktiv, dass viele nicht einmal mehr einen Gedanken daran verschwenden, in Wohnraum zu investieren. Die Abschreibungsbedingungen sind seit 40, 50 Jahren gleich, und sie werden den wirtschaftlichen Realitäten der verkürzten Nutzungsdauer einfach nicht mehr gerecht. Hier ist der Bund in der Pflicht. Viele Akteure, die früher maßgeblich den Mietwohnungsbau zum Zweck der privaten Altervorsorge und Vermögensbildung genutzt haben – zum Beispiel Mitglieder des Handwerks – haben sich komplett aus dem Segment zurückgezogen.

    heute.de: Haben Sie Ideen, wie man das umkehren könnte?

    Esser: Unserer Meinung nach kann man einen Teil der potenziellen Investoren zurückgewinnen, wenn man an verschiedenen Stellschrauben dreht. Wir stellen zum Beispiel verstärkt bei mittelständischen Unternehmen fest, dass man in einigen Regionen wieder über das Thema Werkswohnungsbau nachdenkt. Gute und bezahlbare Wohnungen sind ein Anreiz für gesuchte Mitarbeiter.

    heute.de: An welchen Stellschrauben müsste da gedreht werden?

    Esser: Früher gab es beispielsweise mal eine steuerliche Regelung, dass man Wohnungen an Mitarbeiter günstiger vermieten konnte, ohne dass dies ein geldwerter Vorteil war – so etwas ist natürlich attraktiv. In den 90er Jahren wurden solche Anreize im Zuge von Reformen allerdings abgeschafft. Ein anderes Thema ist der soziale Wohnungsbau. Auch da wurde früher von Privaten investiert – heute überhaupt nicht mehr. Die Förderung ist so kompliziert, dass man sie kaum versteht. Wir brauchen aber Förderinstrumente, die von den Investoren verstanden werden. Fest steht, dass die kommunalen Wohnungsunternehmen die Wohnraumknappheit in den boomenden Regionen nicht alleine lösen kann. Der Markt braucht private Investoren.

    heute.de: Eine andere Nachricht aus der Wohnraumstudie lässt ebenfalls aufhorchen, nämlich dass zunehmend kleine Wohnungen fehlen. Schlägt da schon der demographische Wandel voll durch?

    Esser: Zurzeit sehen wir da vor allem die doppelten Abiturjahrgänge und den Wegfall des Wehrdienstes. Es drängen einfach mehr junge Leute auf den Wohnungsmarkt. Das Modell, dass man zu Hause bei den Eltern bleibt, zieht ja auch nicht, wenn man nur einen Studienplatz an einer weit entfernten Uni bekommt. Natürlich sehen wir auch den Trend zur weiteren Singularisierung. Aber der demographische Wandel ist noch nicht so stark spürbar. Da kann man eher das Phänomen beobachten, dass ältere Leute in viel zu großen Wohnungen leben – einerseits weil sie den Umzug scheuen, andererseits aber auch, weil sie mit ihren Bestandsmieten deutlich unter dem liegen, was sie für eine neu gemietete Wohnung zahlen müssten.

    Das Interview führte Christian Thomann-Busse.

    28.02.2013
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