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Meisner erlaubt "Pille danach"

Keine Kehrtwende, nur ein wenig Einsicht

  • Video Kardinal Meisner billigt "Pille danach"
  • Video Vergewaltigungsopfer - Kritik an Kirche
  • Video Mangelhafte "Pille danach" aus dem Netz
  • VideoKardinal Meisner billigt "Pille danach"

    Ärzte in den kirchlichen Einrichtungen dürfen nun doch die "Pille danach" verschreiben.

    (01.02.2013)
    VideoVergewaltigungsopfer - Kritik an Kirche

    Politiker im Landtag in Düsseldorf kritisieren die Abweisung eines Vergewaltigungsopfers an zwei katholischen Kliniken in Köln. Katholische Kliniken dürfen die "Pille danach" nicht verschreiben.

    (23.01.2013)
    VideoMangelhafte "Pille danach" aus dem Netz

    Die "Pille danach" ist seit den Vorgängen in einem katholischen Klinikum wieder Gesprächsthema. Kaufen kann man sie mittlerweile übers Internet - was allerdings fatal enden kann.

    (31.01.2013)

     Kommentar von Anne Reidt

    Es ist kein Erdbeben, nur ein bisschen Einsicht nach dem Mediengau. Der Kölner Kardinal Meisner erlaubt katholischen Kliniken die "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer nun doch. Ein Bruch mit tradierter Lehre ist das nicht. Abtreibung, sei sie operativ oder in Tablettenform, bleibt tabu. 

    Zur künstlichen Verhütung hat der Kardinal eine bislang schon mögliche und bereits praktizierte Haltung der Kirche formuliert. Seit den 60er Jahren dürfen Präparate zur Empfängnisverhütung zum Beispiel als "Notwehr gegen Gewalt" eingesetzt werden. So geschehen im Kongo- oder Bosnienkrieg, wo katholische Ordensschwestern Opfer von Vergewaltigungen wurden - 50 Jahre nach dem Krieg im Kongo also beileibe keine Revolution in Köln.

    Anne Reidt ist Redaktionsleiterin des ZDF heute journals
    Quelle: ZDF

    Es braucht erst einen Skandal

    Skandalös bleibt, dass der Kardinal offenbar erst drei Monate, nachdem er eine neue "Ethikrichtlinie" für katholische Krankenhäuser verschickt hatte, den Rat von Medizinern einholte. Plötzlich ist die "Pille danach" vertretbar, da sie "zur Verhinderung einer Zeugung eingesetzt werde". Warum war diese Expertise im Herbst nicht vorhanden? Redet man im Erzbistum nicht mit den gynäkologischen Chefärzten der eigenen Kliniken, bevor Lehrschreiben mit so schwerwiegendem Inhalt die Runde machen?

    Erst der öffentliche Skandal um eine mutmaßlich vergewaltigte Frau, die in zwei katholischen Kliniken keine "Pille danach" erhalten sollte, brachte den Stein ins Rollen. Wohl auch die Peinlichkeit, dass als "Testkäufer" getarnte Lebensschützer die Doppelmoral kirchlicher Krankenhäuser offenbarten: Lange taten die Ärzte dort aus Menschlichkeit das, was sie kirchlicherseits gar nicht durften.

    Links
    Katholische Klinik am Pranger
    Klinikärzte immer noch im Unklaren

    Und katholische Klinikärzte wissen immer noch nicht genau, was in akuten Notfällen zu tun ist. In einzelnen Bistümern dürfen verletzten Vergewaltigungsopfern auch Abtreibungspillen verschrieben werden, die der Kölner Kardinal Meisner ja ausdrücklich ausschließt. Diese Diözesen setzen lediglich voraus, dass klinikinterne Ethikkommissionen die Verschreibung befürworten. Weiter Unklarheit und Chaos innerhalb der deutschen katholischen Kirche!

    "Der Kardinal hat verstanden", so lautet jetzt der Tenor vieler Berichterstatter. Was er mit Sicherheit verstanden hat, ist, dass die Öffentlichkeit nach dem Skandal ein Signal brauchte. Viel mehr ist das nicht.

    01.02.2013
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