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20.06.2013

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Geiseldrama in Algerien

Kritik nach blutiger Armeeaktion

  • Video Tote bei Geiselnahme in Algerien
  • Video Al-Kaida im libyschen Grenzgebiet
  • Video Geiselnahme in Algerien
  • Video "Belmokhtar - Krimineller und Terrorist"
  • VideoTote bei Geiselnahme in Algerien
    (18.01.2013)
    VideoNordafrika: Al-Kaida auf dem Vormarsch

    Bei einem Einsatz gegen Entführer auf einem Gasfeld in Algerien ist es zu einem Blutbad gekommen. Sicher scheint, dass Al-Kaida hinter der Geiselnahme steckt. Für Experten nicht überraschend, sie beobachten zunehmende Gewalt der Terrororganisation in Nordafrika. Und offenbar planen die Islamisten neue Angriffe.

    (17.01.2013)
    VideoGeiselnahme in Algerien
    (17.01.2013)
    Video"Belmokhtar - Krimineller und Terrorist"

    Die Entführer in Algerien sind eine Geldbeschaffungsabteilung der Al Kaida, sagt ZDF-Terrorismus-Experte Elmar Theveßen. Bürger aus Ländern, die sich in Mali engagieren, sehen sie als Freiwild an.

    (17.01.2013)

    Über 700 Geiseln in der Hand von Islamisten - das wollte sich die algerische Regierung nicht bieten lassen und setzte auf eine gewaltsame Befreiung. Die Folge: viele Tote und Verletzte - und Hunderte Befreite. Aber es hagelt Kritik aus dem Ausland: Der Einsatz sei unüberlegt und gefährlich gewesen. 

    Erdgasfeld In Aménas in Algerien

    Der Armee ist es nicht gelungen, das Geiseldrama schnell zu beenden. Auf dem Gelände der Gasanlage In Aménas im Süden des Landes haben sich offenbar immer noch Terroristen verschanzt. Die amtliche algerische Nachrichtenagentur APS berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Armee habe etwa 650 Menschen aus der Hand der Terroristen befreit, darunter mehr als 65 Ausländer. Das Schicksal von etwa 60 weiteren ausländischen Geiseln sei aber weiter ungewiss.

    Ein Islamistenkommando, das nach algerischen Regierungsangaben von dem einäugigen Islamisten Mokhtar Belmokhtar angeführt wird, hatte die Gasförderanlage am Mittwoch gestürmt und ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali gefordert. Algerien hatte Frankreich Überflugrechte für Kampfflugzeuge gewährt. Die Gasförderanlage mit mindestens 700 Mitarbeitern wird von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben.

    Islamisten drohen mit weiteren Anschlägen

    Die algerischen Streitkräfte begannen am Donnerstag mit Unterstützung von Hubschraubern, die Industrieoase zurückzuerobern. Nach Angaben der Regierung gab es Tote und Verletzte. Unklar blieb, wie viele Menschen dabei ums Leben kamen. Sicherheitskreise sprachen zuletzt von etwa 30 getöteten Geiseln, offizielle Angaben gibt es bisher nicht. Der Militäreinsatz dauerte an, die Lage blieb unübersichtlich.

    Als Reaktion auf den Militäreinsatz drohten die Geiselnehmer mit weiteren Anschlägen auf ausländische Einrichtungen. Soldaten einer Elitetruppe versuchten nach Angaben der Agentur APS, die Extremisten zum Aufgeben zu bewegen. Nach Informationen mauretanischer Medien boten die Kidnapper die Freilassung der Geiseln im Austausch für zwei US-Bürger an, die wegen terroristischer Aktivitäten inhaftiert seien. Bei einem von den beiden handelt es sich um Omar Abdel Rahman - der blinde Scheich wurde wegen eines Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt. 

    Geiselnahme auf einem Gasfeld

    In Amenas, Illizi, Algerien

    Satellitenbild der Stadt Ain Amenas

    (Quelle: Google Earth)

    Algerien: Lassen uns nicht erpressen

    Kommunikationsminister Mohand Said Oublaid erklärte aber, Algerien werde sich niemals erpressen lassen. "Wer glaubt, wir würden mit Terroristen verhandeln, täuscht sich." Die Geiselnehmer fordern ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Die algerische Regierung hatte aber Verhandlungen mit den Geiselnehmern von Anfang an strikt abgelehnt.

    Neben Kämpfern aus Mali, Niger, Ägypten, Algerien, Mauretanien und anderen islamischen Staaten gehörte dem Kommando seinem Sprecher zufolge auch ein Dschihadist aus Kanada an. Die Aktion war offenbar monatelang für den Fall vorbereitet worden, dass Frankreich im Mali-Krieg eingreift. Die Täter kannten sich laut Überlebenden gut auf dem Gelände aus und waren mit Armeeuniformen getarnt.


    Mali: Vorzeigestaat fällt an Islamisten

    Militärputsch im Norden Malis

    Karte: Mali / Quelle: ZDF

    Das westafrikanische Mali galt lange als demokratischer Vorzeigestaat in Afrika. Gleichzeitig kämpfen die Menschen aber seit Jahren ums Überleben: Die durchschnittliche Lebenserwartung der rund 14,5 Millionen Einwohner, darunter etwa 300.000 Angehörige des Berbervolkes der Tuareg, liegt bei nur 53 Jahren. Das 1,2 Millionen Quadratkilometer große Land am Südrand der Sahara ist einer der wichtigsten Baumwoll-Produzenten Afrikas. Dürreperioden haben der Landwirtschaft aber nachhaltig geschadet. 60 Prozent des Landes ist von Wüste bedeckt.

    Die Tuareg

    In den 1980er Jahre hatten viele Tuareg nach einer Dürre Mali verlassen. Als sie zurückkehrten, führten sie Krieg gegen die Regierungstruppen. Nach langen Verhandlungen wurden die Tuareg in Malis Armee integriert. Auch Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte Tuareg für seine Streitkräfte. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele in die Heimat zurück und schlossen sich Aufständischen im Norden Malis an.

    Die Islamisten in Mali

    Nach einem Militärputsch gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré im vergangenen März rückten die mit verschiedenen Islamistengruppen verbündeten Rebellen im Norden immer weiter vor. Die Gruppe Ansar Dine, der Verbindungen zu Al-Kaida nachgesagt werden, rief im April gemeinsam mit der Tuarag-"Nationalbewegung" MNLA die unabhängige "Islamische Republik Azawad" in Nord-Mali aus. Seit der Machtübernahme der Islamisten flohen Hunderttausende aus dem Gebiet. In der Stadt Timbuktu, wo drei große Moscheen sowie 16 Friedhöfe und Mausoleen zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere dieser historischen Heiligtümer zerstören.

    Spannungen zwischen Tuareg und Islamisten

    Spannungen zwischen Tuareg und Islamisten eskalierten zu offenen Kämpfen. Bei Gefechten der Tuareg mit Kämpfern der mit Ansar Dine verbundenen "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (MUJAO) wurden Ende Juni in der Stadt Gao mindestens 20 Menschen getötet. Um das Chaos im Land zu stoppen, könnte eine Regionaltruppe eingreifen. Jedoch befürchten Experten eine militärische Katastrophe in dem unwegsamen Gebiet sowie eine mögliche Ausbreitung der Gewalt auf die ganze Region.

    (Quelle: dpa)

    18.01.2013, Quelle: ZDF, dpa, dapd, afp
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