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Deutsche-Bank-Gewinn eingebrochen

Kulturwandel soll Bilanz aufhübschen

  • Video Deutsche Bank mit Milliardenverlusten
  • Video Fitschen: Wandel schmerzhaft, aber nötig
  • Bilderserie Die Krisenstationen der Deutschen Bank
  • VideoDeutsche Bank mit Milliardenverlusten

    Der Gewinn der Deutschen Bank ist 2012 um mehr als 85 Prozent eingebrochen. Insgesamt verdiente die Bank fast vier Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Umstrukturierungen sind ein Grund dafür.

    (31.01.2013)
    VideoFitschen: Wandel schmerzhaft, aber nötig

    Milliarden-Quartalsverlust, Gewinneinbruch im Gesamtjahr - die Deutsche Bank legt ihre mieseste Bilanz seit dem Krisenjahr 2008 vor. Das Ergebnis zeige, dass das Institut einen Kulturwandel eingeleitet habe, sagt Co-Chef Jürgen Fitschen dem ZDF. Dies sei schmerzhaft, aber nötig, um Vertrauen zurückzugewinnen. Die Spekulationen mit Lebensmitteln verteidigte er.

    (31.01.2013)
    BilderserieDie Krisenstationen der Deutschen Bank
    Hilmar Kopper / Quelle: dpa
    (31.05.2012)

    Fitschen: Wandel schmerzhaft, aber nötig

    von Michael Braun

    Der Vorstand der Deutschen Bank hat dem Institut einen langfristigen Strategiewechsel verordnet. Ziele sind weniger Risiko und mehr Integrität. Doch der Umbau des Konzerns lässt zunächst einmal den Gewinn sinken. Der brach im vergangenen Geschäftsjahr um mehr als 85 Prozent ein.

    Das Gute an den schlechten Zahlen der Deutschen Bank: Sie rühren nicht vom laufenden Geschäft her, sondern von Altlasten. Die sind meist mit Einmalbeträgen wegzustecken. "Und was sich als Einmalaufwand erklären lässt, wird sowieso schnell abgehakt", weiß ein Analyst.

    Interne "Bad Bank"

    Kann dennoch sein, dass sich die Börse zu früh freut. Denn das Anfang der Woche bekannt gewordene Bemühen der Bankenaufsicht BaFin, auch bei der Deutschen Bank nun auch wegen der Manipulation europäischer Zinssätze (Euribor) eine Sonderprüfung zu veranlassen, zeigt: Es gibt einiges abzuhaken.

    Michael Braun schreibt für heute.de über Wirtschaftsthemen

     Einen Teil hat die Deutsche Bank in einem Geschäftsbereich zusammengefasst, in den sie "Nicht-Kern-Geschäfte" eingebracht hat. "Non-Core Operations" nennt sie den Bereich oder kurz NCOU, eine Art interne "Bad Bank". Dort hat sie "Vermögenswerte" von 122 Milliarden Euro eingelagert, um sie loszuwerden. Denn es handelt sich um alte Wertpapiere kompliziertester Art, die in der Finanzkrise als "toxisch" bezeichnet wurden, wohl Überreste der amerikanischen Immobilien- und Hypothekenkrise.

    Schrottpapiere im unkontrollierten Sektor

    Weil Amerikas Wirtschaft wieder etwas besser läuft und der dortige Häusermarkt sich berappelt, hat die Giftigkeit dieser Wertpapiere etwas nachgelassen. Die Deutsche Bank mischt sie neu und verkauft sie an risikobereite Anleger, wenn auch mit Verlust. Die Finanzmarktaufsicht ist besorgt, wenn diese risikoreichen Papiere in den unregulierten Teil des Finanzmarktes abwandern, etwa zu Hedgefonds in den Schattenbankenbereich. Aber im Umfeld des Deutsche-Bank-Vorstands heißt es, was man denn anderes tun solle, wenn die Aufsicht zugleich weniger Risiken bei ihr, der Deutschen Bank, sehen wolle?

    Milliardenverlust im 4. Quartal

    Im vierten Quartal verbuchte die Deutsche Bank unter dem Strich einen Verlust von knapp 2,2 Milliarden Euro. Über das gesamte Jahr gesehen brach der Überschuss um 85 Prozent auf 611 Millionen Euro ein. Analysten hatten zwar mit roten Zahlen im vierten Quartal und einem Gewinnrückgang im Gesamtjahr gerechnet - allerdings nicht in dieser Höhe. Die Bank bezifferte die Sonderbelastungen - Wertminderungen auf Firmenwerte sowie Aufwand für juristische Auseinandersetzungen - für das Schlussquartal auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Für Rechtsstreitigkeiten wandte das Institut im vergangenen Jahr demnach insgesamt 1,6 Milliarden Euro auf.

    Es wird also getan, was der Markt ermöglicht. Dabei wollte zumindest Jürgen Fitschen, der eine Teil des neuen Führungsduos an der Spitze der Bank, doch eine neue Kultur im Bankgeschäft, die "mehr als nur Reparaturen" an den bisherigen Exzessen sein müsse. Er wollte, wie er im September vorigen Jahres bei der Präsentation der Strategie "2015+" sagte, "das Miteinander, das Partnerschaftliche sowohl nach außen als auch intern mit einem ganz anderen Stellenwert versehen".

    Mehr als Reparaturen – aber keine Revolution

    BÖRSENKURS

    Charts und weitere Info
    Der Anreiz, mit hohen Risiken schnell Geld zu verdienen, soll raus sein aus den Gehaltssystemen der Bank. Dennoch heißt es bei Praktikern in Frankfurt, das Gerede vom Kulturwandel nicht zu weit zu treiben. Banken seien nun mal dazu da, zwischen Geldgebern und Kreditnehmern als Mittler gegen Honorar tätig zu sein. Fitschens Co in der Bankspitze, Anshu Jain, hatte den Kopf auch weniger gesenkt, hatte bei derselben Gelegenheit gesagt: "Wir hatten nicht das Gefühl, die Bank brauche eine Revolution." Zwar hatte die Deutsche Bank zu den größten Anbietern von Wertpapieren gehört, die sich später als "toxisch" herausstellten. Sie war aber selbst ohne direkte Hilfe der deutschen Steuerzahler durch die Krise gekommen.

    Und sie arbeitet daran, dass das so bleibt. Ihr hartes, bei Verlusten sofort haftendes Eigenkapital machte Ende September vorigen Jahres 7,2 Prozent der sogenannten Risikoaktiva aus, also des Kredit- und Wertpapierbestandes. Man traut ihr zu, diese Quote auf 9,5 Prozent Ende 2013 anzuheben. Das erforderte mehr als sieben Milliarden neue Euro im harten Eigenkapital.

    Deutsche Bank - Probleme und Prozesse

    Stichwort Leo Kirch

    20. Dezember 2012: Die Münchner Staatsanwaltschaft durchsucht die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank. Dabei geht es um die bereits bekannten Prozessbetrugs-Vorwürfe gegen ehemalige Vorstände des Instituts im Zusammenhang mit dem Schadensersatzprozess der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Materialien wurden beschlagnahmt, Festnahmen gab es nicht. Die Bank weist den Vorwurf, der sich unter anderem gegen die Ex-Chefs Rolf Breuer und Josef Ackermann richtet, erneut zurück.

    14. Dezember 2012: Das Oberlandesgericht München stellt fest, dass die Deutsche Bank den Kirch-Erben Schadensersatz zahlen muss. Das Kreditinstitut und sein früherer Chef Rolf Breuer seien mitverantwortlich für die Pleite des Kirch-Konzerns 2002, erklärt der Richter. Der Schaden soll in einem Gutachten ermittelt werden. Ein Vergleich, nach dem die Bank rund 800 Millionen Euro gezahlt hätte, war im März gescheitert. Ob der jahrelange Rechtsstreit nun zu Ende geht, bleibt offen. Zwar schloss das Gericht Revision aus. Die Anwälte der Deutschen Bank wollen aber Rechtsmittel dagegen prüfen.

    Stichwort Mailand

    19. Dezember 2012: Ein Gericht in Mailand verurteilt die Deutsche Bank neben drei anderen Banken, weil sie Zinswetten mit der Verwaltung der italienischen Finanzmetropole eingegangen waren, die die Stadt letztlich übervorteilten. Die Bank hat Berufung angekündigt. Klagen von rund 600 weiteren Kommunen in Italien sind noch anhängig.

    Stichwort Steuerhinterziehung

    12. Dezember 2012: Rund 500 bewaffnete Polizisten sowie Steuerfahnder durchsuchen den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros. Die Großrazzia steht in Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Steuerbetrugs im Handel mit CO2-Zertifikaten. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzchef Stefan Krause gehören zu den 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wird, einige Mitarbeiter sitzen seither in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dürften nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft mehrere Monate dauern. Ein Jahr zuvor waren sechs Händler wegen des millionenschweren Umsatzsteuerkarussells zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

    Stichwort Bilanztricksereien

    10. Dezember 2012: Die Affäre um mutmaßliche Bilanztricksereien in der Finanzkrise holt die Deutsche Bank ein. In mehreren Interviews meldet sich einer der Hauptbelastungszeugen zu Wort, der frühere Risikoanalyst Eric Ben-Artzi. Er wirft dem Institut vor, hochkomplexe Wertpapiere in einem bis zu 130 Milliarden Dollar schweren Derivateportfolio zwischen 2007 und 2010 zu hoch bewertet zu haben. Hätte die Bank die tatsächlichen Marktwerte abgebildet, wäre sie damals "in sehr viel schwächerer Verfassung" gewesen. Das Geldhaus weist die Vorwürfe zurück. Die Bewertung sei richtig gewesen, das umstrittene Portfolio inzwischen zu einem Großteil abgebaut.

    Stichwort Libor

    6. Juli 2012: Die Finanzaufsicht BaFin hat eine Sonderprüfung der Deutschen Bank wegen ihrer möglichen Verwicklung in die Affäre um die Manipulation des Londoner Interbanken-Zinssatzes Libor eingeleitet. Ergebnisse soll es im ersten Quartal 2013 geben. Weltweit wird in der Sache gegen 16 der 22 Institute ermittelt, die Daten für die Berechnung des Libor geliefert haben. Auch der Euribor-Zinssatz soll manipuliert worden sein.

    Stichwort Immobilien-Hypotheken

    10. Mai 2012: Die Deutsche Bank legt ihren wichtigsten Streit mit der US-Regierung um faule Hypotheken in den USA bei. Die Bank zahlt in einem Vergleich 202 Millionen Dollar. Die USA hatten dem Geldhaus und dessen einstiger Immobilientochter MortgageIT vorgeworfen, sich mit falschen Angaben zu faulen Krediten den Zugang zu einem Regierungsprogramm erschlichen zu haben, das für Hypotheken bürgte.

    Stichwort Bayern LB

    19. April 2012: Eine Schadensersatzklage der BayernLB gegen die Deutsche Bank wegen Verlusten mit verbrieften Häuserkrediten (RMBS) in den USA wird bekannt. Die Bank habe beim Verkauf falsche Angaben zur Qualität des Portfolios gemacht, klagt die Landesbank. Viele Banken legen Klage wegen der RMBS ein, um keine Fristen zu versäumen.

    (Quelle: Reuters)

    Wie gewonnen, so zerronnen

    Kann sein, dass die, kaum angesammelt, schnell wieder schmelzen. Denn es gibt noch weitere Einmalrisiken: Vielleicht eine halbe Milliarde Euro Schadensersatz für die Kirch-Gruppe. Vielleicht eine weitere halbe Milliarde als Strafe für die Teilhabe an der Manipulation des Libor-Zinssatzes. Vielleicht auch noch Schadensersatz für das Land Sachsen, die BayernLB, die LBBW und andere Banken. Die klagen, die Deutsche Bank habe sie vor 2008 beim Verkauf der "toxischen" Wertpapiere getäuscht. Das könnten eine halbe oder auch fünf Milliarden Euro werden: schwer abzuschätzen für Analysten.

    Altlasten können den Neustart also noch ausbremsen. Und dann gab es ja auch noch die Generalstaatsanwaltschaft, die Mitte Dezember vorigen Jahres mit 500 Polizisten einen Tag lang die Konzernzentrale belagerte und die Bank wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Strafvereitelung beim Handel mit Verschmutzungsrechten durchsuchte.

    31.01.2013
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