Warten statt fliegen: Auch heute hat der Streik des Sicherheitspersonals in Hamburg und Köln/Bonn zu zahlreichen Flugausfällen geführt. Tausende Reisende sind betroffen.
Links
Flughafen Hamburg
Fluginformation Köln Bonn
Flughafen Düsseldorf
Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
Der Streik der Sicherheitskräfte hat den Flugbetrieb an den Airports in Hamburg und Köln/Bonn am Vormittag fast komplett lahmgelegt. Beschäftigte an den Sicherheitsschleusen legten mit Schichtbeginn um 3.45 Uhr ihre Arbeit für den gesamten Tag nieder. Damit setzten sie ihren Streik für mehr Lohn vom Donnerstag fort, der in Hamburg und Düsseldorf am Vortag für Zehntausende Reisende zu erheblichen Behinderungen geführt hatte. Den Passagieren wurde geraten, engen Kontakt mit den Airlines zu halten und sich über Ausfälle und Verspätungen zu informieren.
Verhärtete FrontenDie Fronten in dem Tarifstreit sind weiter verhärtet. Ver.di fordert 30 Prozent mehr Lohn für das private Sicherheitspersonal. Konkret will die Gewerkschaft für die etwa 2.000 Sicherheitskräfte an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen einen Bruttostundenlohn von 16 Euro durchsetzen, in Hamburg 14,50 Euro. Die Arbeitgeber bieten bisher eine Erhöhung zwischen fünf und neun Prozent.
Schon am Morgen standen auf den Anzeigetafeln an beiden Flughäfen zahlreiche ausgefallene Flüge ins In- und Ausland. Fast zwei Drittel der rund 180 Flüge seien schon in der Frühe gestrichen worden, sagte eine Airport-Sprecherin in Hamburg. Bei regulärem Betrieb werden rund 19.400 Passagiere im Hamburger Flughafen abgefertigt. Nur zwei der 20 Sicherheitsschleusen waren geöffnet. Der Flughafen versorgte die Wartenden mit Stühlen, Getränken und Proviant. 14 Fluggäste hatten die Nacht auf Feldbetten im Flughafengebäude verbracht.
Passagiere brauchen gute Nerven"Es tut schon sehr weh. Ich verpasse meine Termine in Brüssel und kann vermutlich am Wochenende meine Kinder nicht sehen", sagte ein Hamburger auf dem Weg in die belgische Hauptstadt. "In meinen Augen sollten Kontrollen an Flughäfen nicht an private Unternehmen vergeben werden", sagte ein Urlauber auf dem Weg ins spanischen Malaga. Viele Fluggäste stellten sich am Freitagmorgen auf lange Wartezeiten ein und kamen schon Stunden vor dem geplanten Abflug, um ihr Ziel vielleicht trotz der Arbeitsniederlegungen zu erreichen.
Auch in Köln/Bonn mussten viele Fluggäste erhebliche Beeinträchtigungen in Kauf nehmen. Wartende standen vor der einzigen geöffneten Kontrollschleuse an. Der Flughafen sagte einem Sprecher zufolge 39 Ankünfte und 54 Abflüge ab. Das entsprach etwa der Hälfte aller am Freitag geplanten Flüge. Von Köln/Bonn sollten am Freitag fast 100 Maschinen mit rund 10.000 Passagieren starten.
Allerdings seien viele Reisende vorab gut informiert gewesen, so dass der große Andrang ausblieb, sagte ein Flughafensprecher. Lange Schlangen wie in Hamburg, wo ver.di zum zweiten Tag in Folge zum Streik aufgerufen hatte, bildeten sich in Köln/Bonn am Morgen nicht. Bereits im Januar war es zu Streiks in Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg gekommen.
DGB-Chef verteidigt StreiksDGB-Chef Michael Sommer verteidigte die Streiks: Alle Passagiere müssten sich darauf verlassen können, "dass gut bezahlte und hochmotivierte Mitarbeiter an den Flughäfen für ihre Sicherheit sorgen". Es sei unmöglich, wenn Beschäftigte an solchen sensiblen Stellen mit "Hungerlöhnen" abgespeist werden, sagte er der "Schwäbischen Zeitung". Nach Gewerkschaftsangaben in NRW gehören 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten zur untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Für sie fordert Verdi eine Erhöhung auf 10,50 Euro.
Auswirkungen hatten die Streiks auch an anderen Flughäfen. Etwa ein knappes Dutzend Flüge von und nach Köln/Bonn wurden am Berliner Flughafen Tegel deshalb in der Früh gestrichen. Auch am Flughafen Stuttgart kam es zu Flugausfällen. Störungen gab es zudem am Flughafen Leipzig/Halle und in Dresden.