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merkzettel

Kirch-Prozess

Leo und der böse Rolf

  • Bild Akten zum Kirch-Prozess
  • Video Deutsche Bank muss zahlen
  • Video "Deutsche Bank muss Hausaufgaben machen"
  • Video Mitarbeiter der Deutschen Bank verhaftet
  • BildAkten zum Kirch-Prozess
    Aktenordner zum Prozess gegen die Deutsche Bank / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    VideoDeutsche Bank muss zahlen

    Die Deutsche Bank ist zur Zahlung von Schadenersatz an die Erben des Medienmoguls Leo Kirch verurteilt worden. Kirch hatte den Ex-Chef der Bank für seine Unternehmenspleite verantwortlich gemacht.

    (14.12.2012)
    Video"Deutsche Bank muss Hausaufgaben machen"

    "Der Vorstand der Deutschen Bank muss eine neue Kultur installieren", sagt Klaus Nieding, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, im Hinblick auf die Ermittlungen gegen den Vorstand.

    (13.12.2012)
    VideoMitarbeiter der Deutschen Bank verhaftet

    Polizisten und Steuerfahnder haben die Zentrale der Deutschen Bank durchsucht. Gegen fünf Mitarbeiter wurde Haftbefehl erlassen. Ihnen wird Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung vorgeworfen.

    (12.12.2012)

     Kommentar von Reinhard Schlieker

    Einer wie Leo Kirch konnte den Untergang seines Medienimperiums einfach nicht auf eigene Fehler zurückführen. Doch sein Reich war auf Pump finanziert, die Banken fürchteten um ihr geliehenes Geld. Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf-Ernst Breuer sprach in einem Interview lediglich bekannte Fakten aus. Kirchs Bemerkung "erschossen hat mich der Rolf" war zumindest etwas einseitig. 

    Reinhard Schlieker

    Reinhard Schlieker

    Den Zusammenbruch seines verzweigten, verschachtelten, international verteilten Unternehmens konnte einer wie Leo Kirch einfach nicht auf eigene Fehler zurückführen: zu brutal, zu dramatisch war der Niedergang. Der Münchener Selfmademan hatte sich mit seinem Filmarchiv eine fast marktbeherrschende Position aufgebaut, keiner der alten und neuen Fernsehsender kam an ihm vorbei, wenn es um die Nutzung von Hollywood-Kassenschlagern ging. Von immer wieder verwertbaren Serien ganz zu schweigen. In der Euphorie des Medienaufbruchs und der Internet-Begeisterung zur Jahrtausendwende ging unter, dass ein auf Pump finanziertes Riesenreich ein anfälliges Gebilde sein könnte.

    Hauen und Stechen 

    Zwischen Biene Maja und Formel I tummelte sich Kirch auf vielen Gebieten, hatte eigene Vermarkter und später auch Sender - und kam natürlich damit auch vielen Größen der Medienbranche ins Gehege. Sein Reich gehörte stets nicht ganz ihm allein. Natürlich hatten die beteiligten Banken, ein ganzes Konsortium davon, eigene Interessen, und sei es nur, neben Erträgen auch ihr verliehenes Geld wiederzubekommen.

    Deutsche Bank muss Schaden ersetzen

    Die Deutsche Bank hat im Ringen mit den Erben von Leo Kirch eine schwere Niederlage erlitten. Das Geldhaus muss nach einem Urteil des Münchner Oberlandesgerichts für Verluste in Folge der Pleite des Kirch-Imperiums 2002 Schadenersatz leisten. Die genaue Höhe ließen die Richter des 5. Zivilsenats aber offen. Gutachter sollen im Laufe des kommenden Jahres den Schaden ermitteln, die die Pleite bei einigen Unternehmen der Kirch-Gruppe anrichtete.

    Unter den Anteilseignern und Kreditgebern herrschte dem Vernehmen nach Hauen und Stechen, und die Großen stachen die Kleinen. Mittendrin der exzentrische Leo Kirch, der Springer-Verlag, und der unbestreitbar mächtigste Finanzier namens Deutsche Bank. Als die Traumgewinne schmolzen, die Münchener Medienszene nervös und nervöser wurde, da wurden es die Banken erst recht.

    Rolf-Ernst Breuers folgenschwere Aussage

    Der Niedergang fand seine regelmäßige Resonanz in den Fachblättern der Wirtschaftspresse, und natürlich in den Berichten der Spezial-Informationsdienste der Finanzwelt, wie eben Bloomberg mit seinem Ableger "Bloomberg TV". Der Sender sammelte bei jeder Gelegenheit selbstverständlich Stellungnahmen aus der Branche, und die Äußerung von Rolf-Ernst Breuer, er lese ja vieles und könne sich nicht recht vorstellen, dass die Branche dem Kirch-Konglomerat noch so ohne weiteres frisches Geld geben würde, war weder neu noch überraschend: Das pfiffen die sprichwörtlichen Spatzen von den Dächern.

    Breuers Interview im Februar 2003

    Am 3. Februar 2002 gab Rolf-E. Breuer in New York am Rande des Weltwirtschaftsforums mehreren Zeitungen und TV-Sendern Interviews. In einer Lobby gegenüber dem Veranstaltungshotel "Waldorf Astoria" sprach der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank vor allem zu Fragen der Weltkonjunktur, das Thema des Treffens: Knapp fünf Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 fand das WEF erstmals und das bisher einzige Mal in seiner Geschichte nicht in Davos statt.

    Das Treffen war als Solidaritätsadresse an die New Yorker und ihre schwer geschädigte Wirtschaft gedacht. In jener Zeit kollidierten die Ausläufer des Zusammenbruchs der sogenannten Dotcom-Blase mit den verheerenden Folgen der Terroranschläge. Die Lage des Medienimperiums von Leo Kirch war damals bereits mehr als kritisch, sein Geschäftsmodell ein steter Anlass für skeptische Kommentare in den Zeitungen, und während ringsum hochgelobte Firmen der New Economy in den Ruin gingen, blieb natürlich auch Kirch nicht unberührt. Seine Bemerkung, "erschossen hat mich der Rolf" zum Untergang seines verschachtelten Imperiums darf also zumindest als recht einseitig betrachtet werden.

    Bloomberg aber hatte viele Sendeplätze und füllte sie natürlich: Dass das ein Bankchef, noch dazu der einer Bank mit massiven Interessen, persönlich vor einer Kamera sagte, war für die Finanzmedien ganz klar interessanter als ein dürres Statement auf geduldigem Papier.

    Der Zorn des Leo Kirch

    Was also der Normalbürger eher mit einem Achselzucken quittierte, brachte Kirch auf, und die Szene in Wallung. Breuer war überzeugt, schlicht bekannte Fakten - noch dazu in Zitatform - wiedergegeben zu haben, aber der Zorn des "Alten" traf ihn und sein Haus mit voller Wucht. Und überschattete von da an das gesamte restliche Berufsleben Breuers: Wahrscheinlich für den Manager schon die Höchststrafe.

    Dass das Oberlandesgericht nun in München auch seine und die Verantwortung der Bank feststellte und die Verpflichtung zu Schadensersatz, das ist fast nicht mehr das Tragischste für ihn und die Bank. Man hätte ja einen Kompromiss längst haben können - den Vergleich mit Zahlung von 800 Millionen Euro an die Erben Leo Kirchs. Aber das damit einhergehende Schuldeingeständnis wollte die Bank nicht riskieren.

    Links
    Deutsche Bank muss zahlen

    Das Gericht hat nun auf die Verantwortung des Bankmanagers abgehoben, nicht so sehr auf die Meinungsfreiheit, bekannte Fakten öffentlich wiederholen und aussprechen zu dürfen. Wenn die pekuniären Folgen sieben- bis achtstellig sind, eine in der Tat delikate Frage. Und ganz nebenbei: Schon lange hat der Prozess vieles geändert im Verhältnis zwischen Unternehmen und Medien: Heute sprechen gleich erst einmal die Anwälte, und gewiss nicht spontan oder frei von der Leber weg.

    Juristische Konflikte der Deutschen Bank

    Emissionsrechte

    Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. Nach einer Razzia am Mittwoch sitzen vier Banker nun in Untersuchungshaft, ermittelt wird gegen insgesamt 25 Mitarbeiter - auch gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen.

    Kirch

    Die Deutsche Bank muss den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch Schadenersatz zahlen. Die Höhe des Schadenersatzes muss noch in einem Gutachten festgestellt werden. Eine Revision gegen das Urteil sei nicht zugelassen. Der im vergangenen Jahr verstorbene Kirch hatte der Bank vorgeworfen, sie habe 2002 durch Äußerungen des damaligen Bankchefs Rolf Breuer seine Kreditwürdigkeit in Zweifel gezogen und damit den Zusammenbruch seines Konzerns ausgelöst.

    Libor

    Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns Deutsche Bank 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, bestreitet auch die Bank nicht. Zwei Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt aber aus, dass das höhere Management involviert war. Der Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen und dient als Maßstab für Geschäfte in Milliardenhöhe.

    USA

    Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

    Italien

    Ein Gericht in Mailand verurteilt die Deutsche Bank neben drei anderen Banken, weil sie Zinswetten mit der Verwaltung der italienischen Finanzmetropole eingegangen waren, die die Stadt letztlich übervorteilten. Die Bank hat Berufung angekündigt. Klagen von rund 600 weiteren Kommunen in Italien sind noch anhängig.

    14.12.2012
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