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23.05.2013

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Schon wieder Montag: Zeitarbeit

Mehr Geld, mehr Übernahmen: Leiharbeit wird attraktiver

  • Infografik Arbeit auf Zeit
  • InfografikArbeit auf Zeit
    Fallback / Quelle: ZDF

    Branchenzuschläge hin oder her: Zeitarbeit rentiert sich für Unternehmen nach wie vor. Auch wenn sie teurer geworden ist, das Ansehen der Branche steigt, sagt Experte Oliver Bertram im heute.de-Interview. Für Leiharbeiter heißt das: mehr Geld und größere Übernahmechancen. 

    heute.de: Für Leiharbeiter, die länger entliehen werden, müssen die Arbeitgeber seit November 2012 Branchenzuschläge zahlen. Kann man von einer neuen Ära der Zeitarbeit sprechen?

    Bertram: Die Vergütung von Zeitarbeitskräften wird hierdurch signifikant steigen. Die Zuschläge bewirken also zunächst eine deutliche Angleichung der Vergütung an eine
    Zur Person
    Oliver Bertram / Quelle: zdf

    Rechtsanwalt Dr. Oliver Bertram berät Unternehmen und Verbände zu Fragen der Personal-, Entgelt- und Arbeitszeitflexibilisierung. Er ist spezialisiert auf Personaldienstleistungen und Lehrbeauftragter der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

    Stammkraft, an ein "equal pay". Bereits heute erfolgt jedoch vor allem im qualifizierten Bereich der Fachkräfte nahezu ein "equal pay". Von einer neuen Ära zu sprechen wäre also etwas übertrieben, eine deutliche Entwicklung sind die Zuschläge aber auf jeden Fall.

    heute.de: Werden die Zeitarbeitsfirmen ihre Leiharbeiter trotz der Zuschläge noch los oder verzichten Unternehmen jetzt auf Zeitarbeiter?

    Bertram: Der Einsatz von Zeitarbeit dient ja meistens der Flexibilität. Und Flexibilität besteht ja trotz der Branchenzuschläge weiter. Allerdings wird sich die durchschnittliche Einsatzdauer von Zeitarbeit verringern. Da aufgrund der Branchenzuschläge nur noch eine geringere Personalkosten-Ersparnis erzielt werden kann, werden die Kunden den Mitarbeiter eher übernehmen oder ihn abmelden, statt ihn ständig zu entleihen. Die Übernahmechancen für den Zeitarbeitnehmer steigen also. Das macht Zeitarbeit interessanter. Hierdurch steigt wiederum die Attraktivität der Zeitarbeit für den Kunden. Folglich verlieren weder die Personaldienstleister noch deren Kunden an Wettbewerbsfähigkeit.

    heute.de: Und was ist mit ungelernten Leiharbeitern? Wird langfristig ins Ausland oder auf Werksverträge ausgelagert?

    Bertram: In Branchen mit einem hohen Anteil an einfacheren Hilfstätigkeiten ist die Nachfrage nach Werkverträgen deutlich gestiegen. Diese Entwicklung wird aber der Zeitarbeit mittelfristig nicht schaden. Auch für die Werkverträge wird ja motiviertes und zuverlässiges Personal benötigt. Dieses wird sich auch für einen Werkvertrag nur schwerlich finden lassen, wenn die potentiellen Mitarbeiter in der Zeitarbeit besser bezahlt werden. Der motivierte und zuverlässige ungelernte Zeitarbeitnehmer wird auch weiterhin gesucht werden.

    heute.de: Was kostet denn ein Leiharbeiter ein Unternehmen im Vergleich zu einem Festangestellten?

    Bertram: Der Bruttolohn für einen Stammarbeitnehmer schlägt sich beim Arbeitgeber mit einem Kostenfaktor von circa 165 Prozent nieder. Darin sind neben Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung auch Urlaubs-, Feiertags- und Krankheitslohn, Arbeitssicherheit etc. enthalten. Der Zeitarbeitnehmer kostet den Kunden zwar zwischen 180 und 230 Prozent. Dafür fallen diese Kosten aber nur in Produktivzeiten an. Kann der Kunde demnach einen eigenen Arbeitnehmer nicht zu 100 Prozent auslasten, entstehen ihm schnell höhere Produktivkosten als infolge eines Zeitarbeitseinsatzes.

    Schon wieder Montag

    Die Arbeitswoche beginnt und bringt Spaß oder Frust im Job, Chancen oder Probleme. Heute.de geht in der Serie Schon wieder Montag jede Woche einem Thema aus der Arbeitswelt auf den Grund. Was bewegt Sie in Sachen Job und Karriere? Schreiben Sie an redaktion.heuteonline@zdf.de - wir freuen uns über Anregungen für die nächsten Montage.

    heute.de: Ist Zeitarbeit eigentlich ein Makel im Lebenslauf ?

    Bertram: Für einen Berufseinsteiger ist es eher ein Ausweis an Flexibilität und die Möglichkeit, sehr schnell viel Berufserfahrung zu sammeln. In Kombination mit einer längeren Arbeitslosigkeit ist es für einen älteren Arbeitnehmer sicherlich schwieriger, seine Zeitarbeitnehmer-Tätigkeit zu "verkaufen". Hier besteht leider noch ein Stigma.

    heute.de: Hat die durch Branchenzuschläge verteuerte Zeitarbeit in Zeiten des Fachkräftemangels noch eine Zukunft?

    Bertram: Der Fachkräfte-Sektor wird durch die Branchenzuschläge profitieren, da Zeitarbeit für Fachpersonal weniger abschreckend wirkt. Es wird dabei bleiben, dass viel mehr Personal von Personaldienstleistern gesucht wird, als am Arbeitsmarkt verfügbar.

    Das Interview führte Valerie Henschel

    14.01.2013
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