- Mainz
- Aachen
- Angermünde
- Arkona
- Augsburg
- Bad Salzuflen
- Bamberg
- Berlin
- Bonn
- Braunschweig
- Bremen
- Bremerhaven
- Celle
- Chemnitz
- Chieming
- Cottbus
- Cuxhaven
- Dortmund
- Dresden
- Düsseldorf
- Emden
- Erfurt
- Essen
- Frankfurt/Main
- Freiburg
- Freudenstadt
- Garmisch-Partenkirchen
- Gera
- Gießen
- Glücksburg
- Görlitz
- Göttingen
- Greifswald
- Gütersloh
- Halle
- Hamburg
- Hannover
- Helgoland
- Hof
- Ingolstadt
- Kalkar
- Karlsruhe
- Kassel
- Kempten
- Kiel
- Köln
- Konstanz
- Landsberg
- Leipzig
- List/Sylt
- Lübeck
- Lüdenscheid
- Magdeburg
- Mannheim
- Mühldorf
- München
- Münster
- Neuburg/Donau
- Norderney
- Nürnberg
- Oberstdorf
- Öhringen
- Passau
- Plauen
- Potsdam
- Putbus
- Regensburg
- Rostock-Warnemünde
- Saarbrücken
- Schleswig
- Schwerin
- Seehausen
- Straubing
- Stuttgart
- Trier
- Ulm
- Waren
- Weiden
- Westermarkelsdorf
- Wiesbaden
- Wittenberg
- Würzburg
Neues Werk von Tom Wolfe
Meister der Lästereien nimmt Miami ins Visier
VideoHerkunft sticht alles andere aus
Das neue Werk des US-Autors und Dandys Tom Wolfe, das am Montag auf Deutsch erschienen ist, beschäftigt sich mit der Einwandererstadt Miami. In "Back to Blood" schreibt Wolfe über Demütigungen und darüber, dass in der sonnigen Metropole nichts so viel zählt, wie die Herkunft. Ob Weiße oder Schwarze, bei Wolfe scheitern am Ende alle.
Er ist Journalist, Sachbuchautor und preisgekrönter Schriftsteller - neben Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese gehörte Tom Wolfe (81) mit seinen literarischenGesellschaftsreportagen in den 1960er Jahren zu den Gründern des "New Journalism".Jeder hasst jedenMiami ist mehr. Sonne, Strand und Party - ja, aber "wenn du Miami wirklich verstehen willst, musst du dir erstmal eine Sache klarmachen", lässt Tom Wolfe seinen fiktionalen Bürgermeister der Metropole im Südosten der USA sagen. "In Miami hasst jeder jeden." Wolfe, dessen 1987 erschienener Debütroman und Weltbestseller "Fegefeuer der Eitelkeiten" als beispielhaftes New York-Buch gilt, ist mit seinem neuen Roman ausgezogen, eine weitere Stadt in ihre Einzelteile zu zerlegen - diesmal hat er sich in seiner bissigen Satire die zerrissene Einwanderergesellschaft in Miami
vorgenommen.
"Back to Blood" lautet der patriotisch und sehr nach Hollywood-Film klingende Titel. Es ist ein Zitat aus Wolfes Roman "Fegerfeuer der Eitelkeiten", das aus dem Mund eines Weißen einer Schwarzen gegenüber die Trennung der Ethnien zementierte. Das
700-Seiten-Werk, das in den USA bereits erschienen ist, kommt unter diesem Titel am 28. Januar auch auf Deutsch heraus. Und wie in Hollywood legt "Back to Blood" auch gleich los: Mit einem spektakulären und lebensgefährlichen Stunt rettet der Polizist Nestor Camacho einen kubanischen Flüchtling von einem 20 Meter hohen Schiffsmast in der Bucht vor Miami.
Herkunft entscheidendDem Flüchtling droht daraufhin die Abschiebung, und der selbst kubanisch-stämmige Camacho wird mit seiner Tat in seinem Viertel zum Verräter und gehassten Mann. Als sich dann auch noch seine ebenfalls kubanisch-stämmige Freundin von ihm trennt, weil sie lieber mit Hilfe neu gewonnener weißer Freunde die soziale Status-Leiter hinaufklettern will, ist Camacho ganz unten angekommen.
Herkunft (also das Blut, englisch blood), so macht Wolfe klar, bedeutet in Miami - "der einzigen Stadt der Welt, deren Bevölkerung zu mehr als 50 Prozent aus frisch Eingewanderten besteht" - alles. Der Altmeister der US-Literaturszene hat für sein Werk akribisch in der Florida-Metropole recherchiert. "Diese Stadt ist zerteilt in
Nationalitäten, Rassen und ethnische Gruppen." Auf dieser Basis werden Jobs, Wohnungen und Respekt vergeben, Freundschaften geschlossen und Rivalitäten besiegelt.
Oberflächlichkeit verschwindet einmal im JahrCamacho, der sich unter den wachsamen Augen der lokalen Presse erst mit den Kubanern anlegt und dann auch noch einen schwarzen Drogendealer im Kampfgewirr rassistisch beschimpft, bringt das mit viel Anstrengung ruhig gehaltene explosive Gemisch zum Brodeln. Als "Ein-Mann-Rassenaufstand" beschimpft ihn der Bürgermeister.Dabei ist Wolfes Protagonist kein Rassist, sondern eigentlich ein wohlmeinender, sanfter Polizist. Aber an ihm lässt sich gut die komplexe Struktur des Pulverfasses Miami aufzeigen und die alles überlagernde Oberflächlichkeit, die einmal im Jahr hinter
aufgesetzter Kultiviertheit verschwindet. Und zwar immer im Dezember, wenn die Kunstmesse "Art Basel Miami Beach" wieder Millionen Dollar mit zeitgenössischer Kunst umsetzt.
Spannungsbogen über 700 Seiten"Es war als ob eine Fee aus dem Märchen ihren Stab über Miami geschwungen und es in Basel verwandelt hätte. Der Zauber dauerte nicht mehr als eine Woche, eine magische Woche im Dezember, wenn die Schickeria (...) aus der ganzen Welt in Schwärmen mit Privatflugzeugen aus der Luft kam, um teure zeitgenössische Kunst zu
kaufen (...)", schreibt Wolfe. "Bis die Fee ihren Stab wieder schwang und alle verschwanden, die Kunst aus aller Welt, die Privatflugzeuge, die Schickeria - und mit einem Schlag war jede Kultiviertheit und Weltgewandtheit vorbei." Und Wolfe unterstreicht: "So viele aufregende Dinge in dieser Stadt sind wie die Art Basel. Tief innen drin sind sie komplett unmoralisch."
Wolfe, der seinen ersten Roman nach zahlreichen Sachbüchern und Zeitungsartikeln erst mit 56 Jahren schrieb, lässt seine Protagonisten durch die Skurrilitäten und Eigenheiten Miamis irren. Und er schafft es, über die meisten der 700 Seiten die Spannung zu halten. Auch wenn "Back to Blood" bisweilen etwas überfrachtet daherkommt, hat Wolfe - der "großartige Multiplikator von Zeiten und Orten", wie ihn die "New York Times" einmal feierte - einen großen Miami-Roman geschrieben.



