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26.05.2013

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Amtszeit

Merkel überholt Schröder

  • Video Merkel ist Schröders Zeit voraus
  • Bilderserie Poltern und planen: Er und sie
  • Video "Die Kirche im Dorf lassen"
  • VideoMerkel ist Schröders Zeit voraus

    2.584 Tage in Amt und Würden - im Amtszeit-Ranking hat Kanzlerin Angela Merkel jetzt Gerhard Schröder überflügelt. Auch beim Selbstbewusstsein steht Merkel ihrem SPD-Vorgänger in nichts mehr nach.

    (18.12.2012)
    BilderseriePoltern und planen: Er und sie
    Gerhard Schröder (SPD, l.) gratuliert Angela Merkel (CDU,r.) / Quelle: Imago
    (18.12.2012)
    Video"Die Kirche im Dorf lassen"

    Die legendäre Elefantenrunde zur Bundestagswahl 2005 - wer erinnert sich nicht? Der damalige Kanzler Schröder konnte sich bei bestem Willen nicht vorstellen, dass Angela Merkel Kanzlerin würde.

    (18.01.2012)

    Merkel, made in Germany

    Die magische Zahl ist 2.584. So viele Tage ist Angela Merkel am 18. Dezember Bundeskanzlerin - und damit einen Tag länger im Amt als ihr SPD-Vorgänger Gerhard Schröder. Die CDU-Vorsitzende hat dann jenen Mann übertroffen, der an einem Wahlabend im September 2005 noch seltsam heiter meinte, man solle die Kirche im Dorf lassen und nicht glauben, dass seine SPD eine Koalition unter einer Kanzlerin Merkel eingehen würde.

    "Pfarrerstochter nicht unterschätzen"

    Die SPD schloss bekanntermaßen dann doch ein Bündnis mit der CDU unter Merkel. Sie sackte bei der Wahl vier Jahre später auf 23 Prozent zusammen - und auf die Oppositionsbank. CSU-Chef Horst Seehofer sagte einmal, wer die aus der DDR stammende Pfarrerstochter unterschätze, habe schon verloren.

    Noch 478 Tage, und Merkel würde auch Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) überrunden. Dann würde es aber noch rund sechs beziehungsweise acht Jahre dauern, bis sie auch die CDU-Altkanzler Konrad Adenauer und Helmut Kohl eingeholt hätte. Bei den Wahlergebnissen zum CDU-Vorsitz ist ihr das mit einem annähernd 100-Prozent-Ergebnis bereits gelungen. Merkels Nahziel ist aber erst einmal, nach der Bundestagswahl im Herbst 2013 die dritte Kanzlerschaft anzutreten.

    Merkel profitiert von Schröders Kanzlerschaft

    Weil sie keine absolute Mehrheit erreichen dürfte, braucht sie wieder einen Partner. Fällt die FDP aus, richteten sich die Augen trotz aller Unterschiede auf die Grünen, heißt es in der CDU. Nicht, weil sie die lieber möge als die SPD. Sondern, weil die SPD nach ihrer traumatischen Erfahrung einen Bogen um Merkel machen wolle.

    Merkel profitiert heute von dem schmerzhaften Prozess, den die SPD wegen Schröders Agenda 2010 durchgemacht hat. Die vergleichsweise guten deutschen Wirtschaftsdaten in der Euro-Krise hat die schwarz- gelbe Regierung zu einem beträchtlichen Teil auch den frühen harten sozialen Einschnitten unter der rot-grünen Regierung von Schröder zu verdanken. Aber darauf weist Merkel auch immer wieder hin - während die SPD sich bis heute nicht richtig dazu bekennt - denn die Partei hätte es fast zerrissen. Ihr soziales Profil hat schwer gelitten.

    "Elefantenrunde" - Bundestagswahl 2005

    "Kirche im Dorf lassen"

    Privatleben abgeschottet

    Ihr Privatleben schottet Merkel ab. Die Bevölkerung weiß wenig bis nichts über ihre Vorlieben und Freunde und Gefühle. Sie ist 58 Jahre alt, in zweiter Ehe mit dem Chemieprofessor Joachim Sauer verheiratet und kinderlos. Sie trinkt ihren Kaffee schwarz, treibt keinen Sport und hat Respekt vor Hunden, weil sie als Kind gebissen wurde. Sollte sie je einen freien Nachmittag haben, würde sie vielleicht am ehesten einen Pflaumenkuchen backen. An einem freien Abend kann man Merkel schon mal in der Oper antreffen. Die Wagner-Festspiele in Bayreuth sind alljährlich ein fester Termin in ihrem Kalender.

    Vor allem in diesen Monaten der Euro-Rettung beschreiben Medien sie als kalt, eisern, leidenschaftslos für Europa. Griechen hassen sie, Franzosen misstrauen ihr und sogar Portugiesen beschimpfen sie als Nazi. Eigentlich gibt es nur Schwarz oder Weiß: Merkel, Retterin des Euro. Oder Merkel, Zerstörerin der europäischen Idee.

    Kind der Küste

    Bei aller Nüchternheit, die der Kanzlerin nachgesagt wird, darf man aber annehmen, dass sie den Wind und das Wasser liebt. Das ist ein Stück Heimat. Geboren in Hamburg, aufgewachsen am Templiner See im Norden Brandenburgs, gewählt im Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern- Rügen. Je höher die Wellen schlagen, desto besser - das gelte für die Kanzlerin zumindest in der Politik, sagen Christdemokraten.

    Und so wählt die CDU-Chefin beim Parteitag Anfang Dezember auch diese Anekdote, um die 1000 Delegierten vor ihrer sechsten Wiederwahl ins Boot zu holen: In ihrem Wahlkreis steht ein alter Brunnen mit der Inschrift: "Gottes sind Wogen und Wind - Aber Segel und Steuer sind Euer." Wogen und Wind habe das stolze Schiff CDU schon oft zu spüren bekommen, sagt sie. Aber immer sei die Partei in eine gute Zukunft gesteuert - und Deutschland und Europa mit ihr. Merkel bekommt an diesem Tag ihr bisher bestes Wahlergebnis als Vorsitzende.

    Vorsprung vor Steinbrück

    "Jetzt ist sie wie Kohl und Adenauer", sagt ein Vorstandsmitglied mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und einer Portion Ehrfurcht. Geliebt werde Merkel von großen Teilen der Partei nicht, sagt ein anderer hochrangiger CDU-Politiker. Sie genieße aber höchsten Respekt. Weil sie sich den Krisen wie der Euro-Rettung stelle und die CDU durch die hohe See steuere und vielen Bürger das Gefühl gebe, sie werde das Schiff auch wieder sicher in den Hafen zurückbringen.

    Links
    Merkel weit vor Steinbrück
    Nach dem ZDF Politbarometer vom vorigen Freitag kommen CDU/CSU in der Wählergunst derzeit auf 40 Prozent. Und bei der Frage, wen die Deutschen lieber als Kanzler hätten, liegt Merkel mit 54 Prozent weit vor ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück (36 Prozent). In ihrer Rede auf dem Parteitag beschwor Merkel noch deutsche Wertarbeit. In der Industrie, bei der Energiewende, für die soziale Marktwirtschaft - alles "made in Germany".

    Merkel und die Macht

    Das US-Magazin "Forbes" kürte Merkel jüngst zum zweitmächtigsten Menschen der Welt - direkt hinter US-Präsident Barack Obama. "Merkel ist das Rückgrat der Europäischen Union und trägt das Schicksal des Euro auf ihren Schultern. (...) Durch ihren harten Sparkurs in der europäischen Schuldenkrise hat sie ihre Macht gezeigt", so "Forbes".

    Obama verlieh Merkel 2011 die Freiheitsmedaille. Es ist die höchste zivile Auszeichnung der USA. Amerikaner lieben Märchen, und so beschrieb Obama bei der Feier im Rosengarten des Weißen Hauses Merkels Lebensweg rundherum rosig: Das kleine Mädchen Angela gab den Traum von der Freiheit nie auf, verwirklichte ihn mit dem Fall der Mauer und kämpfte sich an die Spitze des Staates. Merkel sei ein "Symbol des Triumphs der Freiheit", "Stimme der Menschenrechte" und ein Vorbild für Millionen von Menschen. Made in Germany.

    18.12.2012, Quelle: Kristina Dunz, dpa
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