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25.05.2013

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EU-Lateinamerika-Gipfel

Merkel will bei Chile-Kurztrip Kupfer sichern

  • Infografik Lateinamerika und die EU im Vergleich
  • Interaktiv ZDFgeothek: Lateinamerika
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    InteraktivZDFgeothek: Lateinamerika

    33 Stunden Flugzeit für 33 Stunden Aufenthalt: Kanzlerin Angela Merkel ist dieses Wochenende zum EU-Lateinamerika-Gipfel in Chile. Die dortige Wirtschaft wächst - und Deutschland will sich Zugang zu Rohstoffen wie Kupfer sichern. 

    Eine prominente Frau aus der DDR ist schon lange vor der Bundeskanzlerin nach Chile gekommen. Seit 1992 lebt die Witwe des einstigen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker im politischen Asyl in Santiago de Chile, der dort 1994 starb. Margot Honecker (85) bereut nichts. Nicht das Stasi-Unrecht und nicht die Toten an der Mauer. Die mächtigste Frau der untergegangenen DDR und die heute wohl mächtigste Frau der Welt, Angela Merkel, - sie werden sich in der chilenischen Hauptstadt nicht treffen. Honecker ist Vergangenheit, Merkel will Zukunft.

    EU investiert viel in Lateinamerika

    Für Merkel geht es bei diesem Besuch um das künftige Zusammenspiel Europas mit den lateinamerikanischen und karibischen Staaten, die sich 2011 zu einer Gemeinschaft (Celac) zusammengeschlossen haben. Erstmals in diesem Verbund kommen sie zu einem Gipfeltreffen mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zusammen. Zuvor hatten sie unter anderen Vorzeichen sechsmal mit der EU getagt, zuletzt 2010 in Madrid.

    Der EU-Lateinamerika-Gipfel

    Größtes westliches Treffen ohne USA

    Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik kommen seit 1999 etwa alle zwei Jahre zu einem gemeinsamen Gipfeltreffen mit den EU-Ländern zusammen. Es ist das größte westliche Forum, an dem die USA nicht teilnehmen. Am Samstag und Sonntag findet in Santiago de Chile der ursprünglich schon für Mai 2012 geplante siebte Gipfel statt. Mehr als 60 Länder sind dabei, die meisten werden von ihren Staats- oder Regierungschefs vertreten.
    Die Initiative war 1996 von dem damaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar gestartet worden. Hintergrund war das Bestreben der EU und auch mehrerer lateinamerikanischer Staaten, einen Kontrapunkt zu Washingtons Vorhaben einer gesamtamerikanischen Freihandelszone (FTAA) zu setzen. Das Projekt der USA scheiterte wenige Jahre später am Widerstand der zunehmend links orientierten Regierungen in der Region. Die Assoziierungsinitiativen der EU kamen aber auch nicht viel weiter voran. Bislang sind mit Zentralamerika und Mexiko Abkommen unterzeichnet worden. Die immer wieder stagnierenden Verhandlungen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur sollen in Santiago wieder belebt werden.

    Hugo Chávez fehlt, Raúl Castro kommt

    Der EU-Lateinamerika-Gipfel soll nach Angaben der chilenischen Regierung das größte politische Treffen in der Geschichte der Region werden. Doch nicht alle Staats- und Regierungschefs werden dabei sein. Die auffallendste Abwesenheit ist die des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, der sich in Havanna von seiner vierten Krebsoperation erholt. Der Linkspopulist hat mit seinen provokativen Auftritten immer Aufmerksamkeit bei internationalen Treffen gewonnen. Beim iberoamerikanischen Gipfel 2007 forderte ihn der spanische König Juan Carlos zum Schweigen auf, nachdem Chávez den ehemaligen Ministerpräsidenten José María Aznar als "Faschisten" bezeichnet hatte.

    Auch Ecuadors Staatschef Rafael Correa wird fehlen, weil er mitten im Wahlkampf zur Wiederwahl steht. Italien befindet sich ebenfalls vor Wahlen: Ministerpräsident Mario Monti verzichtete daher auf die Reise nach Südamerika. Großbritanniens Premier David Cameron und Frankreichs Staatschef François Hollande bleiben auch dem Treffen fern. Angekündigt hat sich dagegen Kubas Staatschef Raúl Castro. Er bringt nicht den revolutionären Pathos seines Bruders Fidel mit, der ihm vor knapp fünf Jahren das Amt übergeben hatte. Aber es ist Raúl Castros erster direkter Kontakt im Amt mit führenden EU-Politikern.

    Wirtschaftsbeziehungen von Deutschland und Chile

    Deutschland ist der zweitwichtigste Handelspartner Chiles in der Europäischen Union. Die deutschen Ausfuhren nach Chile beliefen sich 2011 auf 2,3 Milliarden, die Einfuhren aus Chile auf 2 Milliarden Euro. Deutschland exportiert in das südamerikanische Land vor allem Bahntechnik und Autos sowie Maschinenbauprodukte, medizinische Geräte sowie Mess- und Regeltechnik. Aus Chile bezieht die Bundesrepublik vor allem Kupfer, außerdem Obst, Säfte, Wein, Fisch, Fleisch und Holz.

    Hauptwirtschaftssektor Chiles ist der Bergbau. Chile verfügt über die weltweit größten Kupferreserven (36 Prozent). Der Andenstaat nimmt in der Weltproduktion vieler mineralischer Rohstoffe eine führende Rolle ein: Kupfer 34 Prozent, Jod 53, Lithium 41 und Rhenium 44 Prozent. In der Atacamawüste lagern Salzvorkommen, die für Jahrtausende reichen.

    Bei Lebenserwartung, Lebensstandard und beim Zugang zu Bildung gehört Chile zu den am weitesten entwickelten Schwellenländern. Der Anteil der Armen sank seit 1990 um mehr als die Hälfte. Die Einkommensunterschiede sind nach den Angaben des Auswärtigen Amtes dennoch weiterhin gravierend. Die Arbeitslosigkeit sank 2011 auf 7,1 Prozent. Nach der globalen Finanzkrise und dem schweren Erdbeben vom Februar 2010 ist Chile wieder auf einem stabilen Wachstumskurs. 2011 wuchs die chilenische Wirtschaft um 6,3 Prozent - ihre höchste Wachstumsrate seit 14 Jahren.

    (Quelle: dpa)

    Dass Merkel trotz prall gefüllten Terminkalenders im Inland den weiten Weg nach Chile nicht scheut, liegt vor allem am steigenden Wirtschaftspotenzial Lateinamerikas. Die Direktinvestitionen der EU in den Celac-Staaten im Jahr 2011 von 471 Milliarden Euro sind höher als die der EU in Russland, China und Indien zusammen. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit seien noch lange nicht ausgeschöpft, sagte Merkel vor einiger Zeit in einem Interview mit einer Gruppe großer lateinamerikanischer Zeitungen. Die deutschen Unternehmen hätten nach der Wiedervereinigung verstärkt auf die osteuropäischen Nachbarn und die dynamisch wachsenden asiatischen Wirtschaftsräume gesetzt. Die politische Stabilität und das solide Wirtschaftswachstum machten nun aber auch Lateinamerika hochattraktiv.

    Wachstum in Lateinamerika, Krise in der EU

    Merkel zeigte sich in dem Interview nicht nur vom wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch von dem neuen außenpolitisch Handlungsspielraum und Selbstbewusstsein beeindruckt. Seit 2010 haben die Staaten mit einem durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 4,5 Prozent den EU-Wert um mehr als das Doppelte überschritten. Während die EU sich wegen der Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf eine Rezession einstellt, stehen die Wachstumschancen für Lateinamerika und die Karibik ungleich besser.

    Chile etwa ist nach der globalen Finanzkrise und dem schweren Erdbeben vom Februar 2010 wieder auf stabilem Wachstumskurs. Bei seinem Besuch im Oktober 2010 in Berlin hatte Chiles Staatspräsident Sebastián Piñera angekündigt, bis 2018 die Armut in seinem Land zu besiegen und als erstes Land Lateinamerikas den Sprung von einem Schwellenland zu einem entwickelten Land zu schaffen. Voraussetzung sei ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent pro Jahr. 2011 wuchs die chilenische Wirtschaft um 6,3 Prozent. Seit 1990 - das Jahr der Rückkehr Chiles zur Demokratie nach der Pinochet-Diktatur - ist der Anteil der Armen um mehr als die Hälfte gesunken.

    Rohstoffabkommen soll unterzeichnet werden

    Die Bundesregierung will an diesem Samstag ein Rohstoffabkommen mit Chile unterzeichnen. Das südamerikanische Land hat die größten Kupferreserven der Welt. Im Herbst 2010 wurden in einer Kupfermine 33 Bergleute verschüttet. Alle konnten in einer dramatischen Aktion gerettet werden. Piñera bedankte sich bei seinem damaligen Berlin-Besuch für deutsche Hilfe. Seither steht ein Stück Gestein jener Kupfermine im Kanzleramt.

    26.01.2013, Quelle: von Kristina Dunz, dpa
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