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Migrationsbericht 2011
Migranten bevorzugen Deutschland
BildDeutschland bei Migranten beliebt
VideoMehr Asylbewerber in Deutschland
VideoNeuer Umgang mit Asylbewerbern?
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Deutschland ist auch im Jahr 2011 unter den EU-Staaten das beliebteste Ziel für Zuwanderer, wie der neue Migrationsbericht bestätigt. Die Behörden verzeichneten deutlich mehr Zuzüge als ein Jahr zuvor. Allerdings griffen sie auch mehr Menschen auf, die keine Einreisepapiere hatten.
Die Behörden registrierten im Jahr 2011 insgesamt 958.000 Zuzüge - 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Saldo weist 280.000 mehr Zuzüge als Fortzüge auf, wie aus dem neuen Migrationsbericht hervorgeht, den das Kabinett jetzt billigte.62 Prozent der Zuwanderer aus EUDabei hat sich vor allem die Zuwanderung von Menschen aus Europa verstärkt: 62,1 Prozent aller Immigranten kamen 2011 aus einem anderen EU-Land. Die wichtigsten Herkunftsländer waren Polen, Rumänien und Bulgarien. Gestiegen ist auch die Zahl der Zuzüge aus EU-Ländern, die besonders von der Finanzkrise betroffen sind. In der Statistik enthalten sind auch Einwanderer, die nur für eine bestimmte Zeit nach Deutschland kommen oder nicht bleiben können. So reisten knapp 210.000 Menschen als Saisonarbeiter oder Schaustellergehilfen in die Bundesrepublik.Migrationsbericht: Wer kommt warum?
Was ist das überhaupt?
Der Migrationsbericht wird jedes Jahr von der Bundesregierung vorgelegt. Er gibt Auskunft über sämtliche Daten der in Deutschland lebenden Ausländer. Weil er mit 350 Seiten „sehr umfassend“ ist und die Auswertung der Daten „ein bisschen dauert“, wie das zuständige Bundesinnenministerium erklärt, liegt er jetzt erst für 2011 vor. Das heißt: Die steigende Zahl der Wirtschaftsflüchtlinge vor allem aus Serbien und Mazedonien sind in dieser Statistik noch nicht enthalten.
Wie viele Menschen kommen?
In Deutschland lebten 2011 6,93 Millionen Ausländer – zum Vergleich: 2004 waren es 3,2 Prozent mehr. 2011 kamen 958.000 Menschen, das sind ein Fünftel mehr als im Jahr zuvor und entspricht grob der Einwohnerzahl Kölns. 2012 könnten es weniger werden: Im ersten Halbjahr waren es laut Statistischem Bundesamt 300.000 Menschen. Deutschland ist in Europa bei allen das beliebteste Zuzugsland: Laut einem OECD-Bericht für die Jahre 2010 und 2011 sinkt die Zuwanderung überall, nur in Deutschland wächst sie. Nur wer aus Asien kommt, zieht lieber in eines der 34 anderen OECD-Staaten. Nach Deutschland sind Großbritannien und Italien beliebt.
Wer kommt?
Drei Viertel aller Zuwanderer kamen 2011 aus einem anderen europäischen Land; 62,1 Prozent wohnten vorher in einem EU-Staat, 12,8 Prozent in Asien, nur 3,3 Prozent in Afrika. Die größte Gruppe waren die Polen, dann Rumänen und Bulgaren. Türken – vor Jahren noch die größte Gruppe - kamen seltener. Deutlich erhöht hatte sich die Zahl der Zuwanderer aus Griechenland (plus 84,2 Prozent) und Spanien (plus 30,6 Prozent); in absoluten Zahlen waren es aber wenige. Wer kam, war im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich jünger und häufiger männlich als weiblich. Gut drei Viertel der Ausländer lebten in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen.
Warum kommen sie?
Die Gründe, warum jemand nach Deutschland zieht, sind oft unbekannt: Da die Mehrzahl der Ausländer aus EU-Ländern stammt und jeder EU-Bürger theoretisch in der gesamten EU überall arbeiten und wohnen kann, bleiben die Motive im Dunkeln. Die Arbeit dürfte aber wegen der Wirtschaftskrise ein häufiger Grund sein. Genaueres konnten die Statistiker für 2011 bei den Zuwanderern aus Drittstaaten sagen. 20,1 Prozent geben familiäre Gründe an, 17,6 Prozent studieren, besuchen einen Schule oder einen Sprachkurs, 14 Prozent kamen wegen eines Jobs.
Grob kann man sagen: Kosovaren und Serben zogen wegen der Familie nach Deutschland, Kroaten, Inder und Japaner wegen der Arbeit. Die von der Politik immer wieder geforderten Fachkräfte sind rar: 2011 bekamen nur 370 Hochqualifizierte eine Niederlassungserlaubnis, nur 2.021 IT-Fachkräfte kamen (minus 300 im Vergleich zu 2010). Dafür stieg die Zahl der ausländischen Studenten (plus 10 Prozent).
Wer schafft es nicht?
Fast jeder zweite Asylantrag wurde 2011 abgelehnt: 22.000 der 46.000 Antragsteller erhielten einen positiven Bescheid. 2011 haben mehr Menschen versucht, illegal nach Deutschland zu reisen. 21.156 Menschen landeten deswegen in den Akten der Behörden, die für die Grenzen in Bayern, Hessen, Hamburg und Bremen sowie die Zollverwaltung zuständig sind. 2010 war die Zahl der illegalen Einreiseversuche noch im Vergleich zu den Vorjahren gesunken.
So kann Integration gelingen
Deutschkenntnisse
Das A und O einer gelingenden Integration sind gute Deutschkenntnisse, sagt Staatsministerin Maria Böhmer. Auch wer gut ausgebildet sei, müsse die deutsche Sprache beherrschen, um sich umfassend integrieren zu können. "Deshalb setze ich mich für einen Rechtsanspruch von EU-Bürgerinnen und Bürgern auf eine Teilnahme an einem Integrationskurs ein", so Böhmer. Zudem müssten auch die berufsbezogenen ESF-Sprachkurse verstärkt Zuwanderern aus der EU offen stehen.
Einsatz der Arbeitgeber
Gefordert seien aus Sicht Böhmers jedoch auch die Arbeitgeber. Diese sollten ebenfalls ihre Anstrengungen intensivieren, die Integration von EU-Zuwanderern voranzubringen – denn: Ein fester Arbeitsplatz reiche nicht aus, um sich in Deutschland wohlzufühlen. "Viele Arbeitgeber engagieren sich bereits tatkräftig: Sie bieten eigene Sprachkurse für ihre Mitarbeiter an, helfen bei der Betreuungssituation der Kinder oder unterstützen den Ehepartner bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Dieser Einsatz ist vorbildlich und gelebter Ausdruck einer Willkommensgesellschaft!", meint die Staatsministerin.
Schulen ertüchtigen
Die verstärkte Armutszuwanderung stellt insbesondere die Schulen vor große Herausforderungen. Maria Böhmer fordert: "Sie dürfen keinesfalls alleine gelassen werden!" Die Länder seien in der Pflicht, in den Schulen bessere Bedingungen zu schaffen, sodass Kinder, die kaum über Deutschkenntnisse verfügten, schnell den Bildungsanschluss finden könnten. Notwendig seien vor allem mehr Lehrerstunden für das Erlernen der deutschen Sprache. "Zugleich müssen die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Aus- und Fortbildung besser auf die zunehmende Vielfalt in den Klassen vorbereitet werden", so die Staatsministerin.



