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Sexueller Missbrauch
Ministerin geht auf Distanz zur katholischen Kirche
BildMissbrauch in der katholischen Kirche
VideoRörig: Sensibilität für Missbrauchsopfer
Video"Ein Vertrauensverlust für die Kirche"
Videovid missbrauch
Nach dem vorläufigen Aus für die Missbrauchsaufarbeitung hagelt es Kritik an der katholischen Kirche. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger meint gar, dies erwecke den Eindruck, als fehle der Kirche der Wille zur unabhängigen Aufklärung. Der Kinderschutzbund legt nach und spricht von Vertuschung.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat das vorläufige Aus für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bedauert. Im Deutschlandfunk sagte sie, die Entscheidung erwecke den Eindruck, dass Kirchen-Vertreter doch nicht alles unabhängig aufklären lassen und am Ende ihre Hand auf gewonnene Erkenntnisse halten wollten. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen sei aus ihrer Sicht eine der ersten Adressen in Deutschland.Der Kinderschutzbund wirft der katholischen Kirche sogar Vertuschung vor. "Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode Vergessen-und-Vergeben arbeiten", sagte Verbandschef Heinz Hilgers der "Saarbrücker Zeitung". Weil es derzeit keine Missbrauchsskandale gebe, über die öffentlich berichtet werde, glaube man in Kirchenkreisen jetzt offenbar "den Mantel des Schweigens darüber hängen zu können". Eine weitere Aufarbeitung des Skandals ohne das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen sieht Hilgers skeptisch. "Eher ist nun ein Gefälligkeitsgutachten zu erwarten, das mehr vertuscht als aufklärt", befürchtet er. Hilgers beklagte auch Versäumnisse der Bundesregierung bei der Umsetzung der Vorschläge des Runden Tisches, der 2010 als Reaktion auf den Missbrauchsskandal eingerichtet worden war. Als Beispiel nannte er die verabredeten Forschungsaufträge zur Wirksamkeit von Therapien für die Opfer. Weil die Mittel im Bundeshaushalt nicht bereitgestellt wurden, seien diese Aufträge noch nicht einmal vergeben worden. Außerdem seien die Fachberatungsstellen nur unzureichend finanziert. Auch der 100-Millionen-Euro-Hilfsfonds stehe bislang nur auf dem Papier, weil Bund und Länder über die Finanzierung stritten. "Das alles ist ein untragbarer Zustand", klagte Hilgers.Kirche sieht Vertrauensverhältnis zerrüttetAuch der zuständige Experte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zeigte sich enttäuscht. Er bedauere, dass das Forschungsprojekt nicht fortgeführt werde, sagte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs im ZDF-Morgenmagazin.Die katholische Kirche hatte am Mittwoch die Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut gekündigt, das eine umfangreiche Studie zur Aufklärung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche erarbeiten sollte. Das Vertrauensverhältnis zum Leiter des Projekts, Christian Pfeiffer, sei zerrüttet, hieß es zur Begründung. Gestritten wurde nach Angaben der Bischofskonferenz um die Nutzung der Daten und Forschungsergebnisse und datenschutzrechtliche Fragen.Bischofskonferenz: Keine ZensurDer Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, räumte im Deutschlandfunk ein, es habe Differenzen über die Auswertung von auf Tonband aufgezeichneten Interviews gegeben. Allerdings könne weder von Kontrolle noch von Zensur die Rede sein. Auch gebe es keinerlei Anhaltspunkte über Aktenvernichtungen im kirchlichen Bereich.Der Kriminologe Pfeiffer wirft der Kirche den Versuch der Zensur vor. Die katholische Kirche wolle offenbar ein Gutachten ganz nach ihrem Geschmack, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Zugleich äußerte er sich verwundert über die Begründung der Bischöfe, es habe einen Vertrauensverlust gegeben und man habe keine Einigung finden können. Hier würden "Nebelkerzen" geworfen.


