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merkzettel

Daimler-Bilanz

Modelle und Märkte - was Mercedes versäumt hat

  • Bild Mercedes-Benz in Sindelfingen
  • Video Zetsche: "Kaufanreize für E-Autos nötig"
  • Video Mythos, Macher und Motoren
  • BildMercedes-Benz in Sindelfingen
    Mercedes-Benz in Sindelfingen
    VideoZetsche: "Kaufanreize für E-Autos nötig"

    "Ohne Prämien werden wir bis 2020 die Million E-Autos nicht schaffen", so Daimler-Vorstand Zetsche über die Forderung der Bundesregierung. Daimler sei für die E-Auto-Revolution aber gut gerüstet.

    (01.10.2012)
    VideoMythos, Macher und Motoren

    Vor 125 Jahren entwickelten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach in einer kleinen württembergischen Werkstatt den ersten vierrädrigen Kraftwagen der Welt. Die Geburtsstunde des Automobils. Heute stehen die Hersteller vor neuen Herausforderungen. Angesichts knapper Ressourcen und des Klimawandels müssen sie die Entwicklung neuer Antriebe voranbringen.

    (13.09.2011)

    Die Jahresbilanz von Daimler offenbart ein handfestes Problem beim Autobauer aus Stuttgart: Die Schwaben haben im vergangenen Jahr weltweit zwar so viele Autos wie nie verkauft. Doch der Gewinn bricht ein. Und die Rivalen Audi und BMW ziehen davon. 

    BÖRSENKURS

    Charts und weitere Info

    Der Autobauer Daimler liefert sich im Kampf um die Spitze der Premiumhersteller ein Rennen mit den Rivalen BMW und Audi. Bis spätestens 2020 wollen die Schwaben an der Konkurrenz vorbeigezogen sein - derzeit haben aber BMW und Audi bei Absatz und Profitabilität klar die Nase vorn.

    Konkurrenz zieht davon

    Denn inzwischen klaffen bei Mercedes-Benz offene Lücken in der Angebotspalette, die die schärfsten Konkurrenten BMW und Audi füllen. Daimler kann seinen Kunden keinen kompakten Geländewagen anbieten, den Audi mit dem Q3 und BMW mit dem X1 den Autokäufern offerieren. Ob und wann ein solches Modell von Mercedes auf den Markt kommt, steht noch in den Sternen. Stattdessen setzen die mit Geländewagen großgewordenen Stuttgarter auf Nischenmodelle wie etwa ein viertüriges Kombi-Coupe.

    Die einst unangefochtene Nobelmarke aus Stuttgart bringt ihre PS nicht mehr auf die Straße und zog zuletzt den gesamten Daimler-Konzern mit in die Tiefe: 2012 brach der operative Konzerngewinn aus dem laufenden Geschäft um zehn Prozent auf 8,1 Milliarden Euro ein, die Dividende kann nur wegen eines Buchgewinns aus dem Verkauf von EADS-Aktien stabil gehalten werden.

    Rekorderlös - trotzdem kein Gewinnanstieg

    Paradox, denn das einstige Flaggschiff der deutschen Auto-Industrie verkaufte im vergangenen Jahr weltweit so viele Pkw, Lkw, Transporter und Omnibusse wie nie. Das spülte mehr Geld als jemals zuvor in die Kasse: Der Umsatz schnellte um sieben Prozent auf den Bestwert von 114,3 Milliarden Euro hoch - doch Daimler konnte diesen Rekorderlös nicht in einen Gewinnanstieg ummünzen.

    Der Dreikampf: Daimler, BMW und Audi

    Absatz

    2012 verkaufte Daimler zwar so viele Autos wie noch nie. Allerdings erreichten auch die Rivalen neue Bestmarken: Rund 1,42 Millionen Fahrzeuge der Pkw-Marken Mercedes-Benz, Smart und AMG standen 1,46 Millionen verkauften Audis gegenüber. Für den zweiten Konkurrenten aus Bayern lief es mit 1,85 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce sogar noch besser.

    China

    Besonders deutlich ist der Abstand auf dem wichtigen Wachstumsmarkt China: Dort verkaufte Audi im vergangenen Jahr 405.838 Autos, Daimler kam nur auf 196.211 Mercedes-Benz. BMW war den Schwaben mit 326.444 Autos ebenfalls weit voraus.

    Profitabilität

    Während die Bayern zuletzt bei der Ebit-Marge - also dem Verhältnis von Umsatz zum operativem Gewinn - längst auf zweistellige Werte kommen, musste sich Daimler in der Pkw-Sparte mit einstelligen Ergebnissen zufriedengeben. Im Gesamtjahr 2012 kam Daimler hier auf 7,1 Prozent, die Werte für Audi und BMW liegen noch nicht vor.

    Laut Prognose wird der Gewinn aus dem laufenden Geschäft mit den Marken Mercedes-Benz, AMG und Smart leicht unterhalb des Vorjahres liegen. Schon 2012 war das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in der Pkw-Sparte um 15 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro abgesackt. Besonders die erste Jahreshälfte werde im Vergleich zum Vorjahr schwierig. Die im Herbst 2012 angekündigten Milliardensparprogramme sollen aber zum Ende des Jahres Wirkung zeigen. Sein 2012 kassiertes Ziel von zehn Prozent Umsatzrendite bei den Pkw will Daimler nun "mittelfristig" erreichen.

    Fehlentscheidungen und Probleme in China

    Die Gründe für den Gewinnrückgang sind hausgemacht und vor allem bei der Nobelmarke Mercedes-Benz zu finden: Die Marke mit dem Stern krankt an Fehlentscheidungen in der Modellentwicklung, Vertriebsproblemen im Boommarkt China und Fehlplanungen im Budget, was Investoren immer tiefere Sorgenfalten bereitet.

    Daimler-Chef Dieter Zetsche zog eine durchwachsene Bilanz: "Das abgelaufene Geschäftsjahr war für Daimler insgesamt ein starkes Jahr mit vielen Erfolgen, aber auch mit erkennbarem Verbesserungspotenzial", sagte er. "Unseren Erfolgen und den zahlreichen zukunftsweisenden Investitionen im Jahr 2012 steht die Tatsache gegenüber, dass wir bei Ergebnis und Rentabilität unserem eigenen Anspruch noch nicht gerecht werden."

    Experten skeptisch

    Der Aktienkurs liegt in etwa auf dem Niveau von vor sieben Jahren, als der frühere Chrysler-Chef Zetsche auf den Posten des Daimler-Konzernchefs - und in Personalunion auch auf den Chefsessel bei Mercedes-Benz - wechselte.
    13 neue Modelle geplant

    Der Autobauer Daimler will mit einer neuen Modellreihe zurück an die Weltspitze. Bis zum Jahr 2020 wolle der Konzern 13 neue Mercedes-Fahrzeuge auf den Markt bringen, die keinen Vorgänger hätten, erläuterte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz. Bis 2018 solle der Modulbaukasten für die neuen Baureihen umgesetzt werden. Bei der Fahrzeugproduktion will Daimler schon in zwei Jahren eine Fertigungszeit von 30 Stunden pro Auto erreichen. Für den kriselnden europäischen Automarkt blieb Zetsche weiter skeptisch. Der könne auch in diesem Jahr noch weiter schrumpfen.

    "Ich teile nicht die optimistische Einschätzung, dass man bereits 2018 an den direkten Konkurrenten vorbeiziehen möchte", sagte Fondsmanager Stefan Bauknecht von DWS. Das einzig positive sei, dass Daimler den eigenen Nachbesserungsbedarf inzwischen zugebe, hatte auch Fondsmanager Michael Muders von Union Investment zuletzt kritisiert.

    Der Daimler-Vorstand entschied im Jahresverlauf - zu Lasten des Gewinns - noch mehr Geld in Forschung und Entwicklung, neue Fahrzeuge sowie den Ausbau der Werke zu stecken. Doch im Budget 2012 von Finanzchef Bodo Uebber waren diese Ausgaben gar nicht vorgesehen: Daher kündigte Zetsche ein Sparprogramm an, das bis Ende kommenden Jahres allein bei Mercedes-Benz die Kosten um zwei Milliarden Euro drücken soll.

    Langfristiger Zukunftsplan

    Daimler vertröstet seine Investoren auf die Zukunft: Kurzfristig könnten die Wettbewerbsnachteile weder aufgeholt noch überkompensiert werden, verlautete es aus Kreisen des Aufsichtsrats. Vor 2015 werde sich die Verjüngung und Modernisierung der Mercedes-Pkw-Flotte mit neuen Kompaktwagen und weiteren Oberklasse-Modellen nicht auszahlen, lautet die Kalkulation im Aufsichtsrat. Für 2013 hängte Zetsche die Messlatte bewusst tief: Beim operativen Gewinn werde Daimler nicht zulegen können, sagte er. Sein Vertrag wird Insidern zufolge voraussichtlich am 21. Februar um weitere fünf Jahre bis Ende 2018 verlängert.

    07.02.2013, Quelle: dpa, reuters
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