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25.05.2013

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merkzettel

Ägyptens Präsident in Berlin

Mursi: Mahnende Worte - und kein Geld

  • Video Mahnende Worte an Mursi
  • Video "Muslimbruderschaft ist Problem"
  • Video Ägyptens Wirtschaft im freien Fall
  • Video Deutsche Islamisten reisen nach Ägypten
  • VideoMahnende Worte an Mursi

    Empfang in Berlin: Ägyptens Präsidenten Mursi bei Kanzlerin Merkel

    (30.01.2013)
    Video"Muslimbruderschaft ist Problem"

    "Mursi und die Muslimbruderschaft tun alles um das Land zu spalten", so der deutsch-ägyptische Journalist Hamed Abdel-Samad.

    (30.01.2013)
    VideoÄgyptens Wirtschaft im freien Fall

    Die politischen Unruhen sorgen in Ägypten für das Ausbleiben von Investoren und Touristen. Auch die Währung verliert immer mehr an Wert, während die Arbeitslosigkeit steigt.

    (04.01.2013)
    VideoDeutsche Islamisten reisen nach Ägypten

    Deutsche können ohne Reisepass nach Ägypten reisen. Für deutsche Sicherheitsbehörden ein Alptraum, denn unter die Urlauber mischen sich Islamisten, die in Ägypten gefährlichen Aktivitäten nachgehen.

    (29.01.2013)

    Zu Hause herrscht Ausnahmezustand. Trotzdem kommt Ägyptens umstrittener Präsident Mursi zum ersten Deutschland-Besuch nach Berlin. Und stellt sich am Abend der Diskussion - für 20 Minuten. 

    Achteinhalb Stunden nur. Mehr Zeit hatte Ägyptens Präsident Mohammed Mursi am Mittwoch nicht für Berlin. Angesichts der massiven Proteste zu Hause entschied sich der Mann aus der Muslimbruderschaft dafür, nicht so lange außer Landes zu bleiben. Bei Ausnahmezustand und mehreren Dutzend Toten war das vermutlich auch besser so. Auf diese Weise schrumpfte der erste Deutschland-Besuch des islamistischen Staatsoberhaupts allerdings auf ein Minimalprogramm zusammen: Treffen mit Angela Merkel, drei sonstige Termine und abends noch eine Rede.

    "Im Namen Gottes des Barmherzigen"

    Immerhin: Erstmals als Präsident im westlichen Ausland stellte sich Mursi am Abend vor 200 Zuschauern einer öffentlichen Diskussion. "Im Namen Gottes, des Barmherzigen" waren die ersten Worte des Gastes auf dem Podium. Doch weil sich der Ägypter bei der Veranstaltung der Körber-Stiftung um eine Stunde verspätet hatte, blieb am Ende kaum Zeit für einen echten Austausch. "Noch drei Fragen", bat Diskussionsleiter Georg Mascolo, der Chefredakteur des "Spiegel". "Fünf Minuten", lautete der barsche Hinweis von ägyptischer Seite.

    Ob denn in Zukunft für Touristen in Ägypten Alkohol und Bikinis erlaubt blieben, war dann die endgültig letzte Frage, bevor Mursi aus der komplett abgesperrten Berliner Innenstadt Richtung Flughafen aufbrach. Solche Sorgen hätten "keine "praktische Bedeutung", antworte er auf die Ängste der Urlauber. "Die Leute sind frei zu tun was sie wollen, solange sie niemandem schaden." Und schließlich sei Alkohol am Steuer ja auch in Deutschland verboten, oder?

    Wirtschaftsbeziehungen an den Nil

    Deutschland wichtig für Ägypten

    Tanklager in Hurghada / Quelle: imago

    Deutschland ist für Ägypten der drittwichtigste Handelspartner nach den USA und China. Nach Deutschland ausgeführt werden zu knapp zwei Drittel Erdöl, zu gut einem Achtel Textilien und Bekleidung, gefolgt von Nahrungsmitteln, Elektrotechnik und chemischen Erzeugnissen.

    Ägypten nicht so wichtig für Deutschland

    Machinenbauer / Quelle: dpa

    Ägypten hat für Deutschland mit Rang 47 einen wesentlich geringeren Stellenwert unter seinen Handelspartnern. Mehr als ein Viertel der Ausfuhren deutscher Firmen sind Maschinen, gefolgt von chemischen Erzeugnissen mit gut einem Fünftel, mehr als ein Zehntel der Ausfuhren sind Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile, gefolgt von Produkten der Elektrotechnik, Arzneimitteln und Kunststoffen. 2011 waren die Ausfuhren nach Ägypten um gut 22 Prozent eingebrochen, 2012 hat sich die Lage stabilisiert.

    Ägypten wichtig als Urlaubsland

    Strand in Scharm El-Scheich / Quelle: dpa

    Als Urlaubsland ist Ägypten bei den Deutschen jedoch seit langem beliebt. Inzwischen stehen die Deutschen auf Platz zwei der Gästenationen - nach den Russen und vor den Briten. In den ersten neun Monaten 2012 kamen laut ägyptischem Fremdenverkehrsamt rund 830.000 deutsche Urlauber nach Ägypten. Das bedeutete im Vergleich zu 2010 ein Minus von 12,1 Prozent, gegenüber 2011 waren es jedoch 29,1 Prozent mehr.

    Auch insgesamt konnte sich der Tourismus in Ägypten 2012 noch nicht vollständig von dem Einbruch des Vorjahres erholen: Aus aller Welt waren da bis Ende Dezember 11,5 Millionen Reisende nach Ägypten gekommen. 2010 waren es noch 14,7 Millionen gewesen, 2011 aber nur 9,84 Millionen.

    (von Brigitte Scholtes)

    Sehr professionell

    Überhaupt präsentierte sich der 61-jährige Ex-Funktionär der Muslimbruderschaft bei seinem ersten Besuch im Westen sehr professionell. Die militärischen Ehren, den gemeinsamen Gang mit Merkel über den Roten Teppich, die anschließende Pressekonferenz, und schließlich die Diskussion mit dem Publikum brachte er souverän hinter sich.

    Die unangenehme Frage nach dem kürzlich aufgetauchten Video mit bösen Äußerungen über die israelischen Nachbarn ("Kriegstreiber", "Blutsauger", "Nachfahren von Affen und Schweinen") tat er gleich mehrmals mit der Bemerkung ab, die Zitate seien "aus dem Zusammenhang gerissen" - eine Ausrede, wie sie auch in gestandenen Demokratien von Politikern benutzt wird.

    Jahrzehnte lang alimentiert

    Ansonsten war Mursi vor allem um gut Wetter bemüht. Zwar konnte er sich den Hinweis nicht verkneifen, der Westen habe das alte Regime in seiner Heimat Jahrzehnte lang alimentiert. Aber Deutschland habe Ägyptens Demokratiebewegung als eines der ersten Länder unterstützt, noch vor dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak vor zwei Jahren. Die "neue vielversprechende demokratische Atmosphäre" zu Hause sei einer der wichtigsten Motivationsgründe für ihn, in der Arbeit fortzufahren. Und die Lage der Menschenrechte sei ja schließlich nicht schlimmer geworden. In Ägypten dürften sich viele über solche Sätze wundern.


    Überhaupt vermittelte Mursi den Eindruck, als wisse er genau, was man in Deutschland von ihm hören will. Zum Beispiel ein Bekenntnis wie dieses: "Ägypten wird ein Rechtsstaat sein, ein ziviler Staat, welcher nicht militärischer oder theokratischer Natur ist. Ein Staat, der Meinung und Gegenmeinung zulässt. Ein demokratischer Staat in allen Bedeutungen dieses Wortes." Merkel beließ es angesichts solcher Sätze bei ein

    einem betont sachlichen Blick.

    Links
    Mursi hofft auf deutsche Investitionen und Touristen

    "Nicht vom Weg abkommen"

    Die Kanzlerin selbst legte den meisten Wert auf Appelle an Mursi in den verschiedensten Variationen, vom Weg der Demokratisierung nicht abzukommen. "Ich wünsche, dass die Entwicklung in Ägypten friedlich sein kann und allen demokratischen Kräften Raum gibt. Es kommt darauf an, die Arbeit, die noch getan werden muss, jetzt voranzubringen." Fast hätte das schon das Schlusswort sein können.

    An der Grundstimmung - einer großen Unsicherheit, wie es in Ägypten weitergehen wird - hat sich in Berlin noch nichts geändert. Immer noch liegt allzu viel im Ungewissen. Konkrete Ergebnisse des Besuchs gab es jedenfalls keine. Auch die größte Hoffnung der Ägypter - zusätzliches Geld aus Deutschland - erfüllte sich nicht.

    Nur eine kleine Tranche

    Jetzt schon steht Ägypten hier mit 2,5 Milliarden Euro in der Kreide - wenn auch aus Zeiten, mit denen Mursi nichts zu tun hat. Im vergangenen Jahr, als es mit der Demokratiebewegung gerade einmal aufwärts ging, hatten die Deutschen zwar schon einen Schuldenerlass von 240 Millionen Euro versprochen. Aber angesichts der aktuellen Zustände will man in Berlin jetzt davon nichts mehr wissen. Allenfalls eine kleinere Tranche von etwa 30 Millionen, so heißt es nun, könnte zur Umwandlung freigegeben werden.

    30.01.2013, Quelle: von Christoph Sator und Thomas Lanig, dpa
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