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21.05.2013

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Ägypten

Mursi mauert sich ein

  • Bild Panzer vor Präsidentenpalast
  • Video Mahnende Worte an Mursi
  • Video "Muslimbruderschaft ist Problem"
  • Video Ägyptens Wirtschaft im freien Fall
  • BildPanzer vor Präsidentenpalast
    Panzer vor Präsidentenpalast in Kairo / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    VideoMahnende Worte an Mursi

    Empfang in Berlin: Ägyptens Präsidenten Mursi bei Kanzlerin Merkel

    (30.01.2013)
    Video"Muslimbruderschaft ist Problem"

    "Mursi und die Muslimbruderschaft tun alles um das Land zu spalten", so der deutsch-ägyptische Journalist Hamed Abdel-Samad.

    (30.01.2013)
    VideoÄgyptens Wirtschaft im freien Fall

    Die politischen Unruhen sorgen in Ägypten für das Ausbleiben von Investoren und Touristen. Auch die Währung verliert immer mehr an Wert, während die Arbeitslosigkeit steigt.

    (04.01.2013)

     von Julia Gerlach, Kairo

    Diese Bilder sind geeignet, die Gewalt richtig eskalieren zu lassen: Ein Video zeigt, wie Polizisten am Freitagabend in Kairo brutal auf einen nackten Mann einschlagen und ihn dann in ein Auto werfen. Die Rufe "Mursi, hau ab!" schallen durchs Land. Und Mursi verschanzt sich hinter hohen Mauern. 

    Ägypten steckt in der Sackgasse; im wahrsten Sinne des Wortes. Rund um den Tahrir-Platz in Kairos Innenstadt sind in den vergangenen Tagen zahlreiche hohe Betonmauern gebaut worden: Immer wenn die Straßenkämpfe zwischen Polizei und Demonstranten zu heftig werden, fährt der Kran des Innenministeriums vor und stapelt riesige Betonquader zu einer Straßensperre aufeinander.

    Politik mit Mauern

    Julia Gerlach

    Julia Gerlach berichtet für heute.de aus Ägypten

    Inzwischen ist der Tahrir-Platz in fast allen Richtungen abgeriegelt. Zuletzt wurden Mauern rund um zwei Nobelhotels gezogen, nachdem diese mehrfach angegriffen worden waren. Mit den Mauern wird zwar die Bewegungsfreiheit der Demonstranten eingeschränkt, es hindert sie jedoch nicht daran, an anderer Stelle wieder die Polizei anzugreifen. Auch führen die Mauern dazu, dass der Alltag in der Innenstadt zum Erliegen kommt.

    Die Mauer-Methode zeigt die Hilflosigkeit der Polizei, mit dem Aufstand fertig zu werden. Einen weiteren Beleg bekamen ägyptische TV-Zuschauer am Freitag zu sehen: Filmaufnahmen zeigen, wie Polizisten einem Mann erst die Kleider vom Leib reißen, dann brutal zusammenschlagen und ihn dann in einen Polizeilaster schmeißen. Diese Bilder sind Sprengstoff, denn die Brutalität der Polizei wird zu weiteren Protesten und weiterer Gewalt führen.

    Die Volksseele kocht

    Politische Kräfte und normale Bürger, die bisher Mursi zwar zu Reformen aufforderten, aber nicht seinen Abgang forderten, stimmen nun ein in den Chor der Demonstranten: "Das Volk will das Regime stürzen!" Und der Präsident? Auch er setzt auf Einmauerungs-Taktik. Statt auf die Opposition zuzugehen und mit ihr nach Lösungen für die Krise zu suchen, beschuldigte er die Nationale Rettungsfront, einen Zusammenschluss wichtiger Parteien und Gruppierungen der Opposition, für die gewalttätigen Proteste verantwortlich zu sein.

    Wirtschaftsbeziehungen an den Nil

    Deutschland wichtig für Ägypten

    Tanklager in Hurghada / Quelle: imago

    Deutschland ist für Ägypten der drittwichtigste Handelspartner nach den USA und China. Nach Deutschland ausgeführt werden zu knapp zwei Drittel Erdöl, zu gut einem Achtel Textilien und Bekleidung, gefolgt von Nahrungsmitteln, Elektrotechnik und chemischen Erzeugnissen.

    Ägypten nicht so wichtig für Deutschland

    Machinenbauer / Quelle: dpa

    Ägypten hat für Deutschland mit Rang 47 einen wesentlich geringeren Stellenwert unter seinen Handelspartnern. Mehr als ein Viertel der Ausfuhren deutscher Firmen sind Maschinen, gefolgt von chemischen Erzeugnissen mit gut einem Fünftel, mehr als ein Zehntel der Ausfuhren sind Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile, gefolgt von Produkten der Elektrotechnik, Arzneimitteln und Kunststoffen. 2011 waren die Ausfuhren nach Ägypten um gut 22 Prozent eingebrochen, 2012 hat sich die Lage stabilisiert.

    Ägypten wichtig als Urlaubsland

    Strand in Scharm El-Scheich / Quelle: dpa

    Als Urlaubsland ist Ägypten bei den Deutschen jedoch seit langem beliebt. Inzwischen stehen die Deutschen auf Platz zwei der Gästenationen - nach den Russen und vor den Briten. In den ersten neun Monaten 2012 kamen laut ägyptischem Fremdenverkehrsamt rund 830.000 deutsche Urlauber nach Ägypten. Das bedeutete im Vergleich zu 2010 ein Minus von 12,1 Prozent, gegenüber 2011 waren es jedoch 29,1 Prozent mehr.

    Auch insgesamt konnte sich der Tourismus in Ägypten 2012 noch nicht vollständig von dem Einbruch des Vorjahres erholen: Aus aller Welt waren da bis Ende Dezember 11,5 Millionen Reisende nach Ägypten gekommen. 2010 waren es noch 14,7 Millionen gewesen, 2011 aber nur 9,84 Millionen.

    (von Brigitte Scholtes)

    Dabei sieht auch die Regierung in einem politischen Dialog den einzigen Weg, den Konflikt zu beenden. Mursi hat wiederholt zu Gesprächen geladen. Allerdings ist die Opposition misstrauisch. Sie fordert, dass Mursi zunächst auf ihre Forderungen eingeht, bevor sie sich mit ihm an einen Tisch setzt oder gar ihre Anhänger aufruft, nicht mehr weiter zu protestieren. "Wir haben schlechte Erfahrungen gemacht. Mursi hält seine Versprechen nicht. Deswegen werden wir erst mitmachen, wenn er uns entgegenkommt", so Ahmed Maher von der Jugendbewegung des "6. April". Sie fordern die Aussetzung der umstrittenen Verfassung, die Bildung einer neuen Regierung unter Einbeziehung aller politischen Kräfte und die Wiedereinsetzung des von Mursi entlassenen Generalstaatsanwaltes.

    Angst vor der Armee

    Allerdings ist auch der Opposition bewusst, dass dies ein Spiel mit dem Feuer ist. Die Gewalt droht, ihr zu entgleiten, denn die Demonstranten auf der Straße hören nicht mehr darauf, was die Politiker sagen. "Es besteht die Gefahr, dass die Armee einschreitet und die Regierung wieder in die Hand nimmt. Das wollen wir aber auf gar keinen Fall", sagt Maher. Zwar mehren sich die Stimmen in Ägypten, die eine Regierung der Generäle für die Rettung halten, doch damit wäre der Traum von einem demokratischen Neuanfang in Ägypten wohl erst einmal ausgeträumt.

    So versammelten sich vergangenen Donnerstag die Vertreter fast aller politischer Gruppen, dazu muslimische und christliche Geistliche. Das Treffen an sich war ein Erfolg, denn hier saßen Muslimbrüder, Salafisten, Linke und Liberale vereint an einem Tisch und verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung. "Die Gewalt muss sofort aufhören!" Ihr Aufruf wurde allerdings nicht gehört: Am Freitag kam es zu neuen Auseinandersetzungen: Demonstranten bewarfen den Präsidentenpalast mit Steinen und die Polizei ging ihrerseits mit großer Brutalität vor. Der Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt ist noch nicht gebrochen.

    03.02.2013
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