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Wahlen in Israel
Netanjahus Vorsprung schmilzt
VideoIsrael wählt sein neues Parlament
InteraktivIsraelis stehen vor der Wahl
VideoIsrael: Zeltlager geräumt
Sein Vorsprung schmilzt: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und sein Parteibündnis Likud-Yisrael Beiteinu haben in der letzten Umfrage vor der Parlamentswahl an Zustimmung verloren.
Der rechte Block käme demnach nur noch auf 63 der 120 Sitze in der Knesset, schreibt die israelische Tageszeitung "Haaretz" in ihrer Online-Ausgabe. Rund 5,66 Millionen wahlberechtigte Israelis sind am kommenden Dienstag zur Wahl aufgerufen.Zehntausende SicherheitskräfteAnlässlich der bevorstehenden Parlamentswahlen verschärft Israel die Sicherheitsvorkehrungen im Land. Am Wahltag sollen laut Medienangaben rund 20.000 Polizisten und Tausende private Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Mit den verschärftenSicherheitsmaßnahmen sollten sowohl Straftaten als auch Terrorakte verhindert werden, hieß es.Die Knesset mit Sitz in Jerusalem ist Israels Einkammerparlament bestehend aus 120 Abgeordneten, die nach dem Verhältniswahlrecht für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt werden. Um die Sitze bewerben sich die Vertreter der israelischen Parteien. Wer sie anführt und welche Ziele die Parteien haben - heute.de gibt einen Überblick:
Knesset-Wahl: Parteiführer im Porträt
Benjamin Netanjahu: Der große Steuermann
Beim Wahlvolk ist Benjamin Netanjahu beliebt wie nie. Seine robuste Außenpolitik und eine gesunde Wirtschaft haben maßgeblich dazu beigetragen. Der ehemalige Elitesoldat, Harvard-Absolvent und zweifach geschiedene Vater dreier Kinder ist zum großen Steuermann avanciert – sein Likud folgt ihm blind. Einzig die Fusion mit der ultra-nationalistischen Israel-Beitenu-Partei, deren Wähler aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, zu einer gemeinsamen Wahlliste verlief nicht optimal. Der Grund: Avigdor Lieberman. Der 54-Jährige wurde vor wenigen Wochen wegen Betrugs und Untreue angeklagt und war deshalb vom Amt des Außenministers zurückgetreten. Das Urteil wird frühestens Mitte 2014 erwartet. Dann will "Bibi", wie Netanjahu im Volksmund genannt wird, zum dritten Mal Ministerpräsident sein.
Zipi Livni: Scharons "Mädchen"
Von der Mossad-Agentin zur Außenministerin: Was wie ein Hollywooddrehbuch klingt, ist die Biographie von Zipi Livni. Die 54-jährige Mutter zweier Kinder, die in den vergangenen zwölf Jahren sechs Ministerien leitete, hat im vergangenen November ihre eigene Partei, ha-Tnuah, gegründet. Mit ihrer Erfahrung will sie beim Wahlvolk punkten, die übrigen Mitte-Links-Parteien, die im gleichen Wählerbecken fischen, abhängen und die eigene Karriere wieder ins Rollen bringen. Diese hatte sie als "Mädchen" des seit sieben Jahren im Koma liegenden Ariel Scharon begonnen, war aber 2012 als Kadima-Vorsitzende abgewählt worden. Nun wagt Livni das Comeback und wird dabei von einer beachtlichen Anzahl politischer Alphatiere unterstützt. Doch ob das für eine Regierungsbeteiligung reicht, ist ungewiss.
Jair Lapid: Der Robin Hood der Mittelschicht
Jair Lapid gilt als George Clooney der israelischen Politik: Mit Charme, Charisma und Chuzpe wirbt der 48-Jährige für seine Partei Jesch Atid. Der einstige Starkolumnist, Talkmaster und Schauspieler inszeniert sich als Robin Hood der Mittelschicht und plädiert deshalb neben einer Zwei-Staaten-Lösung dafür, dass die geburtenstarken Ultra-Orthodoxen künftig ebenfalls Steuern zahlen und zur Armee müssen. Die hohen Popularitätswerte des dreifachen Familienvaters sind jedoch nicht nur der eigenen Vita oder dem Wahlprogramm geschuldet, sondern auch dem landauf, landab bekannten Familiennamen. Seine Mutter ist eine berühmte Schriftstellerin, sein 2008 verstorbener Vater war Chefredakteur beim Traditionsblatt "Maariv" und Justizminister. Nun will Lapid Junior in diese Fußstapfen treten.
Naftali Bennett: Eloquenter Hardliner
Naftali Bennett ist die Überraschung im israelischen Wahlkampf. Der 40-Jährige hat die potentiellen Stimmen seiner nationalreligiösen Partei ha-Beit ha-Jehudi im vergangenen Monat verdreifacht. Seine Themen: Sicherheits- und Siedlungspolitik. Doch der in der Hafenstadt Haifa geborene Jurist, ehemalige Elitesoldat und vierfache Vater ist Erfolge gewöhnt: Mit 33 Jahren verdiente er durch den Verkauf seines Software-Unternehmens 145 Million US-Dollar, arbeitete dann als rechte Hand von Benjamin Netanjahu und wurde Generaldirektor der einflussreichen Siedlerorganisation "Jescha" – obwohl er nicht im Westjordanland lebt. Nun bereitet sich der eloquente Hardliner auf seinen nächsten Coup vor – mit einem klaren Votum gegen die Zwei-Staaten-Lösung will er in die nächste israelische Regierung.
Shelly Jachimowitz: Retterin ohne Erfolgsaussicht
Die altehrwürdige Arbeiterpartei ist wieder beliebt bei israelischen Wählern. Zu verdanken hat sie das Shelly Jachimowitz. Denn die 52-Jährige unterstützte als Erste im Jerusalemer Politbetrieb die Wirtschafts- und Sozialproteste auf Israels Straßen – und traf damit den Nerv der Zeit sowie der Mittelschicht. Mit Verve und Wortgewandtheit prangerte die Tochter zweier Holocaustüberlebenden aus Polen und ehemalige Journalistin Turbokapitalismus, zu hohe Lebenshaltungskosten und Wohnpreise an – und holte mit Jitzchik Schmuli und Stav Schafir zwei der bekanntesten Gesichter des israelischen Frühlings in die Arbeiterpartei. Ob die zweifache Mutter, die seit 2006 in der Knesset sitzt, sich jedoch mit ihrer Avoda gegen die religiös-konservativen Parteien durchsetzen kann, ist ungewiss.
Arijeh Deri: Religiöser Provokateur
Mit 29 Jahren wurde er Innenminister, mit 41 Jahren landete er wegen Veruntreuung staatlicher Gelder im Gefängnis: Die Karriere von Arijeh Deri gleich einer Achterbahnfahrt. Nun kämpft das politische Wunderkind von einst, geläutert und gereift als Kopf einer Troika für die religiöse Schas-Partei, die weit mehr als das Zünglein an der parlamentarischen Wahlwaage ist. Vor allem dank Arijeh Deri. Der gebürtige Marokkaner buhlt mit einem Netz aus Schulen, Suppenküchen und anderen Sozialleistungen um die Gunst jener Israelis, deren Familien einst ebenfalls aus den arabischen Anrainerstaaten eingewandert waren, heute ein Viertel der israelischen Bevölkerung ausmachen und sich durch die aus Europa stammenden Eliten benachteiligt fühlen – und gegen die Deri immer wieder polemisiert. (von Dominik Peters)



