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Spielwarenmesse in Nürnberg
Nicht nur Spaß: Kinderspiele digital
BildSpiel-Roboter "RoboMe"
VideoSpielwarenmesse lockt Klein und Groß
VideoElfjähriger produziert Videofilme
Smartphones steuern Spielzeug, Handys schneiden Fratzen und das iPad verteilt Ereigniskarten: Klassisches Spielzeug und Elektronik verschmelzen immer mehr. Dass die Nürnberger Spielwarenmesse ihren Fokus auf die "Toys 3.0" legt, gefällt nicht jedem.
Würfeln, Figur ziehen, warten, bis man wieder dran ist, würfeln, Figur ziehen, warten, bis man wieder dran ist… Beim Spielen sind Kinder heute ein anderes Tempo gewohnt als ihre Eltern. Die meisten Kids greifen allzu gerne zu temporeichen Computer- und Videospielen, bei Eltern kommen die aber nicht immer gut an.Zwei Welten in einem HausNun stehen die Spielzeughersteller vor einem Dilemma: Wie bringt man beide Welten unter einen Hut, ohne die junge Generation zu langweilen und die ältere zu überfordern? Denn "die 8- bis 30-Jährigen sind mit dem Spiel auf elektronischen Geräten sozialisiert. Das Pendel neigt sich damit weg vom anfassbaren Spielzeug - das ist eine Realität, der sich der Spielwarenmarkt stellen muss", erklärt Jugendforscher Axel Dammler.
Spielemesse Nürnberg
2.747 Unternehmen aus 60 Ländern in 17 Hallen ihre Neuheiten im Nürnberger Messezentrum. Ausgestellt werden eine Million Produkte und rund 70.000 Neuheiten. Die meisten Aussteller kommen aus China, gefolgt von Großbritannien und Hongkong. Der Anteil deutscher Aussteller ist leicht 807 gesunken. Die Spielwarenmesse dauert bis 4. Februar.
2.747 Unternehmen aus 60 Ländern in 17 Hallen ihre Neuheiten im Nürnberger Messezentrum. Ausgestellt werden eine Million Produkte und rund 70.000 Neuheiten. Die meisten Aussteller kommen aus China, gefolgt von Großbritannien und Hongkong. Der Anteil deutscher Aussteller ist leicht 807 gesunken. Die Spielwarenmesse dauert bis 4. Februar.
Sein Marktforschungsinstitut "Iconkids & Youth" hat zur Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg die Mixtur aus digitalen und klassischen Spielwaren unter die Lupe genommen. Ergebnis: 89 Prozent der Kinder spielen mit anfassbarem Spielzeug sowie auf elektronischen Geräten. 61 Prozent finden es gut, wenn es zu einem elektronischen Spiel auch etwas Haptisches dazu gibt. Ansätze in dieser Richtung gibt es in Nürnberg zu sehen, vor allem auf der Sonderausstellung "Toys 3.0", wo Spielwarenhersteller eine neue Generation Spielzeug präsentieren.Spielzeug macht der Technik reale BeineWie zum Beispiel Hasbro, die in der "Zapped"-Reihe ihren Brettspielklassikern per App neues Leben einhauchen. "Monopoly", "Das Spiel des Lebens"und "Battleship" wurden dazu mit Apps aufgepeppt. Man legt iPhone, iPad oder iPod touch in die Mitte des Spielbretts. Das Gerät übernimmt das Würfeln und verteilt Ereignis- und Gemeinschaftskarten. Minispiele sollen für zusätzliche Unterhaltung sorgen. Und für den Geldtransfer reicht es, die Bankkarte auf iPhone & Co. zu legen.Bei Kosmos heißt dieses Konzept "Play It Smart". Der Experimentierkastenhersteller "verappt" seine Brettspiele "Das große Quiz", "Die Siedler von Catan" und "Die drei ??? und der Feuerdiamant". Hier entdeckt man am Tablet neue Spielräume, kann aber auch ohne App spielen. Eine Mischung zwischen real und virtuell biete auch "iPawn Pool Billard", bei dem man per Plastikqueue virtuelle Billardkugeln auf der iPad-Glasoberfläche versenkt."RoboMe", für den Toy Award 2013 nominiert, geht noch einen Schritt weiter. An die Stelle, an der üblicherweise das Gesicht einer Figur sitzt, klemmt man dem Spielzeug-Roboter iPhone oder iPod touch zwischen die Ohren. Nun kann das Gerät Aussehen und auch Charakter verändern. Per Spracherkennung lernt RoboMe neue Namen, Worte und sogar ganze Sätze, um sich mehr oder minder intelligent mit seinem Besitzer zu unterhalten. Wer ein zweites iOS-Gerät besitzt, kann es als Video-Fernbedienung einsetzen.Ist das Neue schaurig oder schön?Doch so viel Technik ist nicht für alle Anlass zur Freude. In einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" bezeichnet Wolfgang Schühle, Sprecher der Fachgruppe Holzspielzeug, das Messemotto als ungeeignet. Außerdem seien Computer ein völlig unpassendes Spielzeug für kleinere Kinder. Drastischere Worte findet der Ulmer Psychiatrieprofessor Manfred Spitzer: Die Spielwarenbranche dürfe kindlichen Hirnen nicht einfach dem Markt überlassen. "Was hier unter dem Schlagwort Toys 3.0 läuft, ist in Wahrheit der Beginn einer Suchtkarriere und der Beginn des geistigen Abstiegs."Dass die Mischung aus real und virtuell bei den Kindern jedoch zündet, beweist seit zwei Jahren die "Skylanders"-Serie. Das Computerspiel kommt mit einer realen Actionfigur, in dem der Spielstand auf einem kleinen NFC-Chip gespeichert wird. Geht man zu einem Freund, der ebenfalls "Skylanders" spielt, braucht man nur seine Figur mitzunehmen - selbst wenn der Kumpel statt einer Playstation eine Xbox besitzt. Bei der Zielgruppe kam das Konzept an: Mitte Januar meldete Activision, mit der Spiel-/Actionfigur-Mischung satte 500 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht zu haben."Die Befragten erwarten einen klaren Mehrwert durch die Kombination von elektronischem Gerät und anfassbarem Spielzeug", so Jugendforscher Axel Dammler. Das Ergebnis sei bessere Spielbarkeit, mehr Komplexität und Vielseitigkeit, höherer Reiz und mehr Spielerlebnis. Wird das Kinderzimmer nun digital? Mitnichten. Axel Dammler kommt zum Schluss: "Es handelt sich hier nicht um eine Revolution, sondern eher um eine Evolution: Es wird nämlich auch weiterhin mit der klassischen, anfassbaren Spielware gespielt."
30.01.2013



