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Reaktionen der israelischen Presse
Obama in Israel: Skepsis und Tacheles
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VideoIsrael: Obama wirbt um Vertrauen
Barack Obama ist erstmals als US-Präsident in Israel – doch mehr als Floskeln über Frieden und die engen Beziehungen zwischen beiden Ländern erwartet kaum jemand. Deshalb überwiegen in der israelischen Presse kritische und mahnende Stimmen.
"Die großen Vereinigten Staaten von Amerika haben uns Leben gegeben, unseren Aufstieg aus der Asche des Holocaust und die Errichtung eines Staates erleichtert. Das jüdische Volk hat ein langes kollektives Gedächtnis. Und wir vergessen nicht. Herr Präsident, Israel heißt sie heute in unserer Heimat willkommen."Wärmer konnte der Empfang für Barack Obama bei seiner ersten Reise als US-Präsident nach Israel nicht ausfallen. Einzig: Nicht alle Kommentare sind so euphorisch und dankbar verfasst wie dieser von Eitan Haber für die Tageszeitung "Jediot Ahronot". Vielmehr herrscht vielerorts die Meinung, der Besuch sei zwar längst überfällig gewesen, gleichwohl gebe es nichts, was er nicht auch am Telefon hätte sagen können."Obama muss demütige Reue zeigen und soll nicht als Richter predigen"
So mahnt etwa Nadav ha-Etzni für das Traditionsblatt "Maariv" an, dass der US-Präsident angesichts "seiner Fehleinschätzung" der Auf- und Umbrüche in der arabischen Welt "demütige Reue zeigen muss, unsere Ängste vor Iran respektieren und nicht als Richter predigen soll."Dabei wurde Obamas vier Millionen US-Dollar teurer und 51 Stunden andauernder Blitzbesuch detailliert vorbereitet: Angefangen bei der Live-Übertragung der Landung via Facebook über eine App, mittels derer man sich wahlweise auf Hebräisch, Arabisch oder Englisch in Echtzeit auf dem Laufenden halten kann bis hin zum Gastgeschenk an den Präsidentenhund Bo – einem Hamburger aus Gummi. Im Gegenzug schüttelte Obama nach seiner Landung jedem einzelnen Mitglied des frisch ernannten Last-Minute-Kabinetts von Benjamin Netanjahu die Hand und hielt Smalltalk."Durch Druck erreicht man die Köpfe und Herzen nicht"
Doch genau in der mit Floskeln und Gesten zur Schau gestellten Freundschaft sieht Aluf Benn das Problem. Der Chefredakteur der liberalen Tageszeitung "Haaretz" schreibt: "Dieser Besuch wird weder die Besatzung beenden noch die Einstellung des Siedlungsbaus bringen, genauso wenig wie einen unabhängigen palästinensischen Staat im Westjordanland oder auch die Zerstörung des iranischen Nuklearprogramms."Ebenfalls kritisch kommentiert Chuck Freilich von der konservativen "Jerusalem Post" die Nahost-Politik des Friedensnobelpreisträgers: "Viele von uns in Israel stimmen ihr in Fragen des Friedensprozesses zu, auch was die Siedlungen betrifft. Aber die Köpfe und Herzen unserer skeptischeren Landsmänner erreicht man nicht durch Druck", so Freilich.Und mit Blick auf die Palästina-Frage reiht sich auch Dan Margalit, etablierte Edelfeder des Massenblattes "Israel Hajom", in den Reigen der Skeptiker ein: "In Israel schwenkt jeder die amerikanische und israelische Flagge, während in Ramallah und Hebron auf amerikanischen Symbolen herumtrampelt wird. Das ist kein Zufall."Über den politischen Kompass des großen Verbündeten USA und Barack Obama, der betont hatte, er werde ausschließlich zum Zuhören in die Levante fliegen, wurde im israelischen Blätterwald selten so viel Skepsis geäußert und Tacheles geschrieben.


