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Energiewende
Oettinger: Hartz IV an Strompreis koppeln
BildbEU-Kommissar Günther Oettinger
VideoTeurer Strom dank Netzausbau?ropa
VideoEuropa: Energie-Preise im Vergleich
Die Energiepreise steigen, schon ab Januar müssen die Verbraucher draufzahlen. Nun fordert EU-Energiekommissar Günther Oettinger, die Hartz-IV-Leistungen an die Entwicklung der Strompreise anzupassen.
Angesichts steigender Preise für Strom und Gas müssen aus Sicht von EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) die Sozialleistungen in Deutschland aufgestockt werden. "Wenn die Energiepreise steigen, müssen auch die Leistungen für Hartz-IV-Empfänger steigen", sagte er der "Welt am Sonntag". Sozialhilfe solle abbilden, was derjenige, der kein eigenes Einkommen und Vermögen hat, zu einem menschenwürdigen Leben brauche. "Licht im Wohnzimmer und ein Kühlschrank für gesunde Lebensmittel gehören eindeutig dazu."Stärker als die Inflation Oettinger wies darauf hin, dass der Strompreis in den nächsten Jahren deutlich stärker als die Inflation steigen werde. Das könne für schmale Budgets zu einem großen Problem werden, und zudem Jobs in energieintensiven Branchen wie der Stahlindustrie gefährden. Der EU-Kommissar erinnerte daran, dass Deutschland schon jetzt hinter Japan und Dänemark den höchsten Strompreis der Welt habe.
Auf die Verbraucher kommen in den ersten Monaten des neuen Jahres kräftige Energiepreiserhöhungen zu. Im Januar und Februar steigen die Strompreise bei rund 750 Grundversorgern, wie die Online-Vergleichsportale "Check24" und "Toptarif" diese Woche mitgeteilt haben. Weitere Anbieter sollen im März und April folgen.
So steht´s um die Energiewende
So wird Strom erzeugt
Die Kohle ist mit einem Anteil von 44 Prozent am Stromenergiemix der derzeit mit Abstand wichtigste Energieträger bei der Stromerzeugung. Braunkohle hat einen Anteil von 25 Prozent, Steinkohle von 18 Prozent. Erdgaskraftwerke erzeugen 14 Prozent des Stroms, auf sonstige Energieträger entfällt ein Anteil von fünf Prozent.
Die erneuerbaren Energien haben im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbands Energie und Wasserwirtschaft mit einem Anteil von 20 Prozent an der Stromerzeugung den Stromausstoss deutscher Kernkraftwerke (18 Prozent) überflügelt. Inzwischen ist der Anteil der erneuerbaren Energien sogar auf ein Viertel gestiegen. Wichtigster Energieträger ist der Wind mit einem Gesamtanteil von acht Prozent, gefolgt von Wasser (fünf Prozent), Biomasse und Sonne (jeweils drei Prozent).
Das will die Bundesregierung
Erneuerbare Rohstoffe, wie Sonne, Wasser und Wind sollen bis zum Jahr 2050 mehr als die Hälfte der benötigten Energie erzeugen. Bis zum Jahr 2028 soll der Anteil bei 28 Prozent liegen. Parallel dazu erfolgt der Ausstieg aus der Atomenergie, den Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) jüngst als "unumkehrbar" bezeichnete. Im Jahr 2022 soll das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen, ohne dass es zu Stromengpässen kommt.
Die Regierung hat einen Katalog mit über 180 Maßnahmen vorgelegt. Dabei geht es nicht nur um neue Kraftwerke, sondern auch um mehr Effizienz. Einer Studie des Fraunhofer Instituts zufolge kann der Energiebedarf in der EU bis 2050 um zwei Drittel gesenkt werden. Altmaier setzt dabei vor allem auf Information: Bis 2020 soll jedem Bundesbürger eine kostenlose Energieberatung angeboten werden können.
Was bisher geschah
Nach dem Reaktorunglück von Fukushima im März 2011 machte die Bundesregierung die Kehrtwende und beschloss den Ausstieg aus der Kernkraft. Im Sommer 2011 fasste sie die Beschlüsse zur beschleunigten Energiewende.
Gleichzeitig senkte der Bund die Förderung für große Solarparks um bis zu 30 Prozent. Für größere Dachanlagen (10 bis 40 Kilowatt) ist die Förderung dagegen auf 18,50 Cent je Kilowattstunde angehoben worden. Hier hat sich die Opposition im Vermittlungsausschuss durchsetzen können.
Im Weiteren wird zum Jahreswechsel die Umlage auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) um fast 50 Prozent auf 5,28 Cent je Kilowattstunde angehoben. Kritiker bemängeln die Umlage als ungerecht, weil große Stromverbraucher davon befreit sind.
Das kostet die Energiewende
Die Schätzungen, wie teuer die Energiewende wird, gehen weit auseinander. Die Bundesregierung sieht einen Investitionsbedarf in Höhe von 550 Milliarden Euro bis 2050. Dabei schlagen allein die Kosten für den Bau neuer Stromautobahnen mit etwa 40 Milliarden Euro zu Buche. Den Löwenanteil sollen aber die energetischen Sanierungskosten von Häusern verschlingen. Hier rechnet die Regierung mit einem Bedarf 300 Milliarden Euro.
Die Strompreise dürften weiter steigen, obwohl der Verband der Elektrotechnik (VDE) vorrechnet, dass gerade mal ein Anstieg um zehn Prozent bis 2050 nötig wäre. Die Erklärung: Brennstoffe wie Kohle oder Gas werden immer teurer. Wind und Sonne gibt es quasi gratis. Und die Technologie, aus diesen Trägern Energie zu erzeugen, sei im Preis stetig gesunken.
Die größten Probleme
Mit großen Stromtrassen soll dem ersten großen Problem beigekommen werden: Wie kann Strom in ausreichendem Maße vom Produktionsort zu den Verbrauchsstellen transportiert werden? Vor allem die Windenergie wird weiter an Bedeutung gewinnen. Die Windanlagen liegen meist an und vor der Küste, verbraucht wird der Strom weiter südlich.
Das zweite Problem: Wenn Flaute herrscht und es dunkel ist, wird dennoch Strom verbraucht. Die Lagerung wirft große Probleme auf. Einige Stromversorger liebäugeln sogar wieder mit der eigentlich veralteten Technik der Nachtspeicheröfen.
Bürgerinitiativen wehren sich zudem gegen eine "Verspargelung der Landschaft". Sie wollen nicht neben Windkraftanlagen oder Stromtrassen wohnen. Die Bereitschaft der Menschen, bei der Energiewende mitzumachen, ist schwer zu wecken.
(Autor: Jan-Ole Kraksdorf)



