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Angebliche DDR-Pharma-Experimente
Ostbeauftragter will Aufklärung
BildDDR für Pharma-Tests genutzt?
VideoDDR-Gefangene arbeiteten für IKEA
Die Bundesregierung hat mit Empörung auf Berichte über angebliche Arzneimitteltests westdeutscher Pharmakonzerne in der DDR reagiert. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), versprach eine gründliche Überprüfung der Vorwürfe.
Die Bundesregierung hat mit Empörung auf Berichte über angebliche Arzneimitteltests westdeutscher Pharmakonzerne in der DDR reagiert. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, der Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner (CDU), drohte in der "Mitteldeutschen Zeitung" mit Konsequenzen. Sollten die Berichte über Tests ohne Wissen der Betroffenen zutreffen, könne dies "auch heute noch Konsequenzen haben - im Sinne von Entschädigung, möglicherweise sogar von strafrechtlicher Verfolgung", sagte Bergner dem Blatt.Nicht mit West-Recht vereinbarEr könne sich nicht vorstellen, dass eine solche Vorgehensweise mit westdeutschem Recht vereinbar gewesen sei. "Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen halte ich für skandalös", sagte Bergner. Zugleich sprach sich der Parlamentarische Staatssekretär für eine differenzierte Aufarbeitung aus. So seien viele Ärzte in der DDR froh gewesen, wenn sie überhaupt Medikamente bekommen hätten. Auch könne man die westdeutsche Pharmaindustrie nicht über einen Kamm scheren.Derweil sagte der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Rainer Wagner, der Zeitung, im vorliegenden Fall komme "westliche Profitgier zusammen mit kommunistischer Skrupellosigkeit". Die Vorgänge müssten lückenlos aufgeklärt und die Opfer entschädigt werden. Eine Entschuldigung sei "das Mindeste", sagte Wagner.Auch an DDR-PatientenAm Vortag war durch einen Bericht des Berliner "Tagesspiegel" bekanntgeworden, dass westdeutsche Pharmafirmen in großem Stil neue Arzneimittel auch an DDR-Patienten erprobt haben sollen. Allein für die Zeit zwischen 1983 und 1989 hätten 50 Unternehmen aus der Bundesrepublik insgesamt 165 Studien beim DDR-Gesundheitsministerium beantragt. Für eine einzelne Studie seien bis zu 860.000 D-Mark bezahlt worden. Die Studien seien in ostdeutschen Krankenhäusern auch ohne Wissen der Patienten vorgenommen worden, hieß es unter Berufung auf Unterlagen des Ministeriums sowie auf Recherchen der Zeitung und des MDR.Mehrere beteiligte Unternehmen hätten hingegen erklärt, dass die Studien unter Einhaltung der damaligen Standards erfolgten, die eine Aufklärung und eine schriftliche Einwilligung der mehreren tausend Probanden vorgesehen hätten. Zu den Firmen zählten den Angaben zufolge viele große namhafte Pharmakonzerne wie Hoechst (heute Sanofi), Boehringer Ingelheim, Gödecke oder die mittlerweile fusionierten Unternehmen Bayer und Schering.Offiziell nichts gewusstUnklar ist, inwieweit die Tests mit Kenntnis westdeutscher Behörden erfolgten. "Offiziell habe ich nichts von Pharmastudien in der DDR gewusst", zitiert die Zeitung den damaligen Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes, Dieter Großklaus. Gegenüber dem MDR hatte die frühere Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU) zuvor erklärt, von den Vorgängen keine Kenntnis gehabt zu haben.Seit neuerlichen Berichten über die Herstellung von Ikea-Möbeln in DDR-Gefängnissen ist die Frage, inwieweit Westunternehmen die DDR in ethisch fragwürdiger Weise zu Dienstleistungen nutzten, wieder ins Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt.



