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Sozialdemokrat gestorben

Peter Struck - stets aufrecht und glaubwürdig

  • Video Motorrad fahren war seine Leidenschaft
  • Video "Struck war Freund der Soldaten"
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    Der frühere SPD-Fraktionschef und Verteidigungsminister Peter Struck ist tot. Er starb im Alter von 69 Jahren. Struck prägte den Satz: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt."

    (19.12.2012)
    Video"Struck war Freund der Soldaten"

    An seiner Loyalität war nicht zu zweifeln, sagt Alt-Kanzler Gerhard Schröder über seinen verstorbenen Genossen Peter Struck. Er werde ihn als großartigen Sozialdemokraten in Erinnerung behalten.

    (19.12.2012)

    Der Ex-Verteidigungsminister und SPD-Politiker Peter Struck ist tot. Er starb mit 69 Jahren nach einem Herzinfarkt. Spitzenpolitiker aller Parteien würdigten Struck als "großen Sozialdemokraten", der stets "aufrecht und glaubwürdig" war. 

    Struck war erst am Montag als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergewählt worden. Der langjährige Fraktionsvorsitzende im Bundestag hatte schon vor einigen Jahren einen Herzinfarkt sowie einen Schlaganfall erlitten. Davon hatte er sich weitgehend wieder erholt.

    "Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt"

    Nach dem Rücktritt von Rudolf Scharping wurde Struck im Jahr 2002 Verteidigungsminister und prägte den Satz: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt". Er verschaffte sich bei Rekruten und Generälen viel Anerkennung in seiner Amtszeit.

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    Glatze, Schnauzbart und die Pfeife im Mund, das waren Strucks Markenzeichen. 29 Jahre saß er im Parlament, von 1998 bis 2002 und erneut von 2005 bis 2009 war er Fraktionsvorsitzender. In diesen Jahren prägte der Sohn eines Autoschlossers und einer Kioskbesitzerin aus Göttingen auch das "Strucksche Gesetz" - ein bis heute weiter verwandter Ausdruck, wonach kein Gesetz den Bundestag so verlässt, wie es hineinkommt.

    Nach dem rot-grünen Machtwechsel 1998 wäre Struck gerne bei Gerhard Schröder Kanzleramtschef geworden, doch daraus wurde nichts. 48 Jahre war er SPD-Mitglied. Mit Unionsfraktionschef Volker Kauder bildete er in der Großen Koalition ein erfolgreiches Gespann, um das Bündnis von SPD und CDU/CSU auch in Krisen zusammenzuhalten.

    Leidenschaftlicher Motorradfahrer

    Zu Strucks großen Leidenschaften außerhalb der Politik gehörte das Motorradfahren. Der Göttinger studierte Jura, nach der Promotion zum Dr. jur. mit einer Arbeit über Jugenddelinquenz und Alkohol war er in der Hamburger Verwaltung tätig. Von 1990 bis 1998 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.

    Reaktionen zum Tod Strucks

    Gauck: "Glaubwürdig und kompetent"

    "Mit ihm verlieren wir einen über die Parteigrenzen hinweg außerordentlich respektierten Politiker, der uns mit seiner großen Authentizität und Leidenschaft in Erinnerung bleiben wird", erklärte Bundespräsident Joachim Gauck. "Deutschland verliert mit Peter Struck einen Mann, der mit seiner Glaubwürdigkeit und Kompetenz das Vertrauen in die Politik gestärkt und ihr viele Impulse gegeben hat." Als Verteidigungsminister sei er "mit seiner Gelassenheit und Entscheidungsfreude" bei den Soldaten anerkannt gewesen.

    Merkel: "Großer Sozialdemokrat"

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Peter Struck als "bedeutenden Parlamentarier und großen Sozialdemokraten" gewürdigt. Die Nachricht von seinem Tode erfülle sie mit großer Trauer, erklärte Merkel. "In der Großen Koalition habe ich ihn als einen hart argumentierenden, dabei jedoch stets verlässlichen Partner kennen- und schätzen gelernt." Als Verteidigungsminister habe sich Struck hohe fachliche Anerkennung und die Wertschätzung der Soldatinnen und Soldaten erworben. Ihr Mitgefühl gelte seiner Familie, betonte Merkel.

    Steinmeier: "Engen Weggefährten verloren"

    Der heutige SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier: "Wir verlieren nicht nur einen großen Politiker, einen der für viele Menschen im Land ein Vorbild war. Wir verlieren einen Freund, einen engen Weggefährten, einen Mann voller Herzenswärme, Humor und Lebensklugheit. Er genoss von Anfang an hohe Anerkennung in der Fraktion. Und über die Jahre wurde aus Anerkennung tiefe Zuneigung. Die Menschen mochten ihn für seine Offenheit, Geradlinigkeit und für seine klaren Ansagen."

    Steinbrück: "Unverwechselbarer Charakter"

    SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nannte Struck "eine der prägenden Gestalten der letzten Jahrzehnte". In seinen Ämtern als Verteidigungsminister und Fraktionsvorsitzender habe er viele Jahre sozialdemokratische Politik gestaltet und vertreten. "Mehr als das, er hat nicht nur unsere Positionen in Parlament und Regierung vertreten, er hat unsere Werte gelebt. Er war ein unverwechselbarer Charakter auf der Bühne der Politik, über die Parteigrenzen hinweg geschätzt und in der Öffentlichkeit als authentische Persönlichkeit wahrgenommen", sagte Steinbrück.

    Gabriel "Verneige mich vor ihm"

    Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat sich erschüttert gezeigt vom plötzlichen Tod des früheren Verteidigungsministers Peter Struck. "Mit ihm verlieren wir einen großen Sozialdemokraten aus unseren Reihen. Für mich persönlich war Peter Struck ein verlässlicher und prinzipientreuer Wegbegleiter - in allen seinen hohen Ämtern und Funktionen." Struck werde immer in Erinnerung bleiben als Mann klarer Worte, aber eben auch geradlinig mit großen Überzeugungen. "Er war ein großer Sozialdemokrat und ein großer sozialer Demokrat. Ich verneige mich vor ihm in Dankbarkeit für alle Mitglieder der SPD."

    Schröder: "Tragende Säule von Rot-Grün"

    Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat seinen verstorbenen langjährigen Weggefährten Peter Struck als "großen Sozialdemokraten" gewürdigt. Als Bundeskanzler habe er eng und vertrauensvoll mit Struck zusammengearbeitet. "Seine persönliche Integrität und Loyalität haben mich tief beeindruckt." Als Fraktionsvorsitzender der SPD sei Struck eine "tragende Säule für den Erfolg der rot-grünen Koalition" gewesen, unterstrich Schröder. Auf Strucks Wort sei immer Verlass gewesen. Er habe die parlamentarische Unterstützung organisiert, aber auch auf die Eigenständigkeit der Parlamentarier geachtet. In seiner Zeit als Verteidigungsminister habe Struck die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik maßgeblich mitgestaltet und sich auch als "Freund der Soldaten" gezeigt. "Er war ein gradliniger, verlässlicher und lebensfroher Niedersachse. Ich werde Peter Struck vermissen", erklärte der frühere niedersächsische Ministerpräsident Schröder.

    De Maizière: "Aufrecht und authentisch"

    Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte, die Nachricht vom Tode Strucks erfülle ihn mit tiefster Trauer. "Mit ihm verliert Deutschland einen aufrechten und authentischen Charakter, der wie kaum ein anderer die Verteidigungspolitik des Landes verkörpert hat. Er hat die Soldaten gemocht und sie ihn."

    Kauder: "Einfach ein Pfundskerl"

    Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) äußerte sich tief betroffen. "Peter Struck ist in der Zeit der Großen Koalition zu einem ein wirklich zuverlässigen, guten Freund geworden." Er habe sich immer auf ihn verlassen können. "Einfach ein Pfundskerl. Als leidenschaftlicher, aufrechter Demokrat hat er sich um unser Land verdient gemacht." Kauder arbeitete mit Struck in der Koalition aus CDU/CSU und SPD von 2005 und 2009 eng zusammen. Als Verteidigungsminister habe Struck die Bundeswehr in schwierigen Zeiten sicher geführt, sagte Kauder.

    Gysi: "Er verlor nie das Gefühl für die Menschen"

    "Über viele Jahre konnte und durfte ich mit Peter Struck zusammenarbeiten. Er war fleißig, engagiert und verlor nie das Gefühl für die Situation der Bevölkerung, für Menschen in Armut." Er habe sich freundschaftlich, kollegial und solidarisch verhalten. Dies sei inzwischen eher eine Rarität in der Politik. "Wir sollten versuchen, ihn mit seiner Lebenslust in Erinnerung zu behalten."

    Trittin und Künast: "Großer Parlamentarier"

    Die Grünen-Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast teilten mit, die Nachricht von Peter Strucks Tod erfülle sie mit großer Trauer und Betroffenheit. "In Peter Struck verliert unser Land einen großen Sozialdemokraten und leidenschaftlichen Parlamentarier. Sein Spruch, dass kein Gesetz den Bundestag so verlasse wie es hineingekommen sei, wurde als 'Strucksches Gesetz' zum geflügelten Wort.' Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit."

    Rösler: "Geradliniger Mensch"

    Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler würdigte Struck als "einen prägenden Kopf der Politik unserer Republik". Die Liberalen hätten Struck stets als einen geradlinigen Menschen zu schätzen gewusst, "als einen vertrauenswürdigen Politiker, der seine Sicht der Dinge offen vortrug und das Wohl der Bürger im Auge hatte", erklärte der Bundeswirtschaftsminister. "Wir haben mit ihm manchen Strauß ausgefochten, aber auch viele Gemeinsamkeiten geteilt, wenn es darum ging, beharrlich beste Lösungen für die Sicherheit des Landes zu suchen."

    Dass er sich auch von der CDU-Vorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel den Mund nicht verbieten ließ ("Die CDU kann mich mal"), verschaffte Struck in der SPD während der Großen Koalition viel Autorität. Die schwierig zu führende Fraktion stand fast immer geschlossen hinter ihm - geschätzt wurde besonders auch seine Geradlinigkeit.

    2009 war Schluss mit der Parlamentsarbeit - nach fast drei Jahrzehnten. Dafür setzte sich Struck bei einer SPD-Veranstaltung einen Hut und eine Sonnenbrille auf und röhrte als "Bluesbrother" den "Jailhouse Rock" ins Mikrofon. Doch nur kurz war das Pensionärsleben. 2010 trat er als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Siftung an.

    Ein Mann der markigen Worte

    Peter Struck war auch für seine markigen Sprüche bekannt. Eine Auswahl:

    "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt." (Struck als Verteidigungsminister im Dezember 2002 zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr)

    "Mögliches Einsatzgebiet für die Bundeswehr ist die ganze Welt." (als Verteidigungsminister im Januar 2004 zur Weiterentwicklung der Bundeswehr)

    "Ich bin wieder da. ... Ich habe im Verteidigungsministerium viel gelernt: wie man eine nicht ganz so einfache Menschengruppe führt." (nach seiner Wiederwahl zum SPD-Fraktionschef im November 2005)

    "Landtagsabgeordnete sind vom Prinzip her nicht dümmer als Bundestagsabgeordnete." (als SPD-Fraktionschef bei einer Bundestagsdebatte im Juni 2006 zum Vorwurf, der Bund gebe mit der Föderalismusreform zu viele Kompetenzen an die Länder ab)

    "Manche Vorschläge von Herrn Schäuble gleichen den Vorschlägen eines Amokläufers." (als SPD-Fraktionschef im Juli 2007 über die Ideen des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble zur Bekämpfung des Terrorismus)

    19.12.2012, Quelle: ZDF, dpa
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