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18.06.2013

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merkzettel

Ägypten in Aufruhr

Protest wird zum sozialen Aufschrei

  • Video Proteste ebben nicht ab
  • Video Ägyptens Wirtschaft im freien Fall
  • Video Mahnende Worte an Mursi
  • Video "Muslimbruderschaft ist Problem"
  • VideoProteste ebben nicht ab

    Ägypten trudelt ins Chaos - wieder Proteste, wieder Gewalt. In dem Land geht es immer mehr ums Überleben: Die Preise explodieren, viele Menschen sind bettelarm, der Staat ist fast bankrott. Der Protest wird immer mehr zu einem sozialen Aufschrei.

    (01.02.2013)
    VideoÄgyptens Wirtschaft im freien Fall

    Die politischen Unruhen sorgen in Ägypten für das Ausbleiben von Investoren und Touristen. Auch die Währung verliert immer mehr an Wert, während die Arbeitslosigkeit steigt.

    (04.01.2013)
    VideoMahnende Worte an Mursi

    Empfang in Berlin: Ägyptens Präsidenten Mursi bei Kanzlerin Merkel

    (30.01.2013)
    Video"Muslimbruderschaft ist Problem"

    "Mursi und die Muslimbruderschaft tun alles um das Land zu spalten", so der deutsch-ägyptische Journalist Hamed Abdel-Samad.

    (30.01.2013)

    Ägypten: Brandsätze auf den Präsidentenpalast

    Die Unruhen in Ägypten ebben nicht ab. Am Freitag kam es wieder zu Massenprotesten, Demonstranten bewarfen den Amtssitz von Präsident Mursi mit Brandsätzen und Feuerwerkskörpern. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas und Wasserwerfern. 

    Gegner des ägyptischen Staatschefs Mohammed Mursi haben nach einem Protestmarsch den Präsidentenpalast in Kairo angegriffen. Etliche Jugendliche warfen am Freitag bei Einbruch der Dunkelheit mehr als 20 Brandsätze auf das Gebäude und zündeten ein Feuerwerk an der Außenmauer des Geländes. Ein Dach innerhalb des Komplexes geriet dabei in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

    In mehreren Städten hatten erneut Tausende Ägypter gegen Mursi demonstriert. In Port Said am Suez-Kanal zogen Männer in schwarzen Trauergewändern durch die Straßen und skandierten: "Mursi ist der Feind Gottes". Auch in der Hafenstadt Alexandria, in Ismailia und in Kairo gab es Protestmärsche gegen Mursi.

    Links
    Mahnende Worte - und kein Geld
    Bislang mehr als 60 Tote

    Seit Freitag vor einer Woche, dem zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den früheren Machthaber Husni Mubarak, wurden rund 60 Menschen bei Protesten gegen Mursi getötet. Die schwersten Ausschreitungen mit Dutzenden Toten gab es in Port Said. "Wir werden sterben so wie sie, um Gerechtigkeit zu erzwingen", riefen die Demonstranten. Freitag war auch der Jahrestag der Fußballkrawalle von Port Said, bei denen im vergangenen Jahr 70 Menschen umkamen. Die Todesurteile gegen 21 mutmaßliche Anführer der Krawalle hatten am vergangenen Samstag die Unruhen dort ausgelöst. Mursi rief daraufhin für Port Said und andere Städte den Notstand aus und verhängte nächtliche Ausgangssperren.

    Aufruf zum Gewaltverzicht verhallt
    Am Freitag versammelten sich in Kairo wieder Hunderte Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in der Innenstadt. Nach den Freitagsgebeten stieg die Teilnehmerzahl weiter. Auf dem Platz war es in der Vergangenheit wiederholt zu Zusammenstößen mit Anhängern der Muslimbruderschaft gekommen.

    Die Muslimbrüder, die Mursi unterstützen, und Oppositionsgruppen hatten zuvor in einer gemeinsamen Erklärung zum Gewaltverzicht aufgerufen. Doch kaum endete das Krisentreffen, zu dem der führende islamische Geistliche Scheich Ahmed al-Tajeb eingeladen hatte, kündigte die Opposition neue Kundgebungen an. "Wir haben das Mubarak-Regime mit einer friedlichen Revolution zu Fall gebracht, und wir sind entschlossen, dieselben Ziele genau so wie damals zu erreichen, ganz gleich, wie groß die Opfer oder die barbarische Unterdrückung sind", schrieb Oppositionsführer Mohamed ElBaradei via Twitter.


    Die Opposition wirft Mursi vor, die Ziele und den Geist der Revolution verraten zu haben, indem er zu viel Macht in seiner Hand und bei den Muslimbrüdern konzentriere. Diese wiederum halten der Opposition vor, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes stürzen zu wollen.

    Wirtschaftsbeziehungen an den Nil

    Deutschland wichtig für Ägypten

    Tanklager in Hurghada / Quelle: imago

    Deutschland ist für Ägypten der drittwichtigste Handelspartner nach den USA und China. Nach Deutschland ausgeführt werden zu knapp zwei Drittel Erdöl, zu gut einem Achtel Textilien und Bekleidung, gefolgt von Nahrungsmitteln, Elektrotechnik und chemischen Erzeugnissen.

    Ägypten nicht so wichtig für Deutschland

    Machinenbauer / Quelle: dpa

    Ägypten hat für Deutschland mit Rang 47 einen wesentlich geringeren Stellenwert unter seinen Handelspartnern. Mehr als ein Viertel der Ausfuhren deutscher Firmen sind Maschinen, gefolgt von chemischen Erzeugnissen mit gut einem Fünftel, mehr als ein Zehntel der Ausfuhren sind Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile, gefolgt von Produkten der Elektrotechnik, Arzneimitteln und Kunststoffen. 2011 waren die Ausfuhren nach Ägypten um gut 22 Prozent eingebrochen, 2012 hat sich die Lage stabilisiert.

    Ägypten wichtig als Urlaubsland

    Strand in Scharm El-Scheich / Quelle: dpa

    Als Urlaubsland ist Ägypten bei den Deutschen jedoch seit langem beliebt. Inzwischen stehen die Deutschen auf Platz zwei der Gästenationen - nach den Russen und vor den Briten. In den ersten neun Monaten 2012 kamen laut ägyptischem Fremdenverkehrsamt rund 830.000 deutsche Urlauber nach Ägypten. Das bedeutete im Vergleich zu 2010 ein Minus von 12,1 Prozent, gegenüber 2011 waren es jedoch 29,1 Prozent mehr.

    Auch insgesamt konnte sich der Tourismus in Ägypten 2012 noch nicht vollständig von dem Einbruch des Vorjahres erholen: Aus aller Welt waren da bis Ende Dezember 11,5 Millionen Reisende nach Ägypten gekommen. 2010 waren es noch 14,7 Millionen gewesen, 2011 aber nur 9,84 Millionen.

    (von Brigitte Scholtes)

    01.02.2013, Quelle: reuters
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