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Lebensversicherungsgesetz
Reserven bilden oder an Kunden auszahlen?
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Verbraucherschützer: Gesetz ist Pfusch
Der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein, hat das geplante neue Lebensversicherungsgesetz scharf kritisiert. Kleinlein sagte im Deutschlandradio Kultur, es sei eine "Unverschämtheit", die Gewinne aus den Bewertungsreserven nicht an die Kunden auszuzahlen.
Er erinnerte daran, dass das Bundesverfassungsgericht dem BdV bereits 2005 recht gegeben habe, dass die Kunden an den Bewertungsreserven beteiligt werden sollten. Die Karlsruher Richter hätten nicht zwischen Bewertungsreserven erster und zweiter Klasse unterschieden. Kleinlein bezeichnete das Gesetz, mit dem sich am Dienstagabend der Vermittlungsausschuss befasst, als handwerklichen Pfusch."Die deutsche Lebensversicherungsbranche ist sehr gut durch die Krise gegangen", sagte Kleinlein. "Wer gelitten hat, sind die Kunden. Sie mussten immer neue Überschusssenkungen hinnehmen, obwohl die Unternehmen viel auch in den Reservetöpfen haben, nicht nur bei den Bewertungsreserven, sondern auch in anderen Töpfen." Deshalb könnte eigentlich mehr Geld an die Kunden fließen.Lebensversicherer müssen weitere fünf Milliarden zurücklegenEiner Studie zufolgen haben die deutschen Lebensversicherer angesichts der
Dauer-Niedrigzinsen 2012 noch mehr Geld für ihre langjährigen Kunden zurücklegen müssen als ein Jahr zuvor. Nach Berechnungen der Kölner Ratingagentur Assekurata mussten sie ihre Deckungsrückstellungen um fünf Milliarden Euro aufstocken, um den Versicherten den Garantiezins von bis zu vier Prozent zahlen zu können, den sie ihnen in den 1990er Jahren versprochen hatten. Doch aus den laufenden Kapitalmarkterträgen lassen sich diese Zinsen kaum erwirtschaften. Daher hält die Finanzaufsicht BaFin die Versicherer an, eine Zinszusatzreserve zu bilden. Als sie 2011 erstmals fällig wurde, hatte sie sich branchenweit auf 1,5 Milliarden Euro summiert.
Die Bildung der Zusatzreserven geht auf Kosten der laufenden Verzinsung. "Aller Voraussicht nach werden die Lebensversicherer in dem derzeitigen politischen Zinsumfeld auch in den nächsten Jahren umfangreiche Beiträge in die Zinszusatzreserve einstellen müssen", sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will in Köln. "Die Lebensversicherer und ihre Kunden leiden unter der Kapitalmarktsituation, die durch politische Zinsen geprägt ist."Garantiezins nur noch bei 1,75 Prozent
Zwar liegt der Garantiezins inzwischen nur noch bei 1,75 Prozent, im Durchschnitt müssen die Versicherer auf den Bestand ihrer Policen aber 3,15 Prozent zahlen. Vor einem Jahr waren es noch 3,23 Prozent. Gemessen am Vertragsvolumen müssen sie nach Assekurata-Berechnungen knapp zwei Drittel ihrer Verträge mit mindestens drei Prozent bedienen. Die neuen Verträge mit 1,75 Prozent Garantiezins machen erst zwei Prozent des Bestandes aus. "Die Garantieanforderungen in den Beständen belasten die
Rohüberschüsse deutlich", sagte Will. "Die deutliche Absenkung der laufenden Verzinsung wird dadurch nachvollziehbar." Wer vor 30 Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, die jetzt ausgezahlt wird, hat 5,21 Prozent Rendite erwirtschaftet, bei zwölfjährigen Verträgen sind es nur noch 3,45 Prozent.



