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Nach Entzug von Doktortitel
Schavans Heimkehr in ungewisse politische Zukunft
BildAnnette Schavan in Südafrika
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Ein letzter warmer Sommerabend in Südafrika. Annette Schavan hielt Hof. Die Gäste brachten der angeschlagenen Ministerin Respekt und Sympathie entgegen. Doch jetzt ist Schavan zurück im kalten Berlin. Sie erwartet ein Gespräch mit Kanzlerin Merkel und eine ungewisse politische Zukunft.
Kanzlerin Angela Merkel und Bundesbildungsministerin Annette Schavan schweigen zu ihrem geplanten Krisengespräch über die Aberkennung des Doktortitels der Ministerin. "Ministerin Schavan befindet sich im Flugzeug auf dem Rückflug von einer Dienstreise nach Südafrika. Die Bundeskanzlerin befindet sich in den Verhandlungen des Europäischen Rates in Brüssel. Und wenn beide zurückgekehrt sind, (...) dann wird es Gelegenheit geben, in Ruhe miteinander zu reden", sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Nachmittag in Berlin. Den genauen Zeitpunkt könne er nicht sagen. Darüber bestimmten Merkel und Schavan.Schnelle Erklärung unwahrscheinlichBeide Politikerinnen wurden am Freitagabend in Berlin zurückerwartet. In Partei- und Regierungskreisen wird ein Treffen noch danach nicht ausgeschlossen. Eine unmittelbar anschließende öffentliche Erklärung aber schon. Diese wird für das Wochenende erwartet. Im Fall eines Rücktritts gelten als mögliche Nachfolger unter anderem die niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Peter Hintze (beide CDU).
Auf die Frage, ob Schavan immer noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Streiter, er habe den Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert vom Mittwoch nichts hinzuzufügen. Seibert hatte erklärt, Merkel habe "volles Vertrauen" in Schavan. In der nächsten Woche hat Schavan keine öffentlichen Termine. Ihr Sprecher Robin Mishra sagte, es seien keine Termine abgesagt worden. "Es gibt schlicht keine öffentlichkeitswirksamen Termine für die nächste Woche."
Geteilte MeinungenNach Ansicht des Linken-Politikers Dietmar Bartsch bleibt Schavan nur der Rücktritt. "Der 9. Februar muss ihr letzter Tag als Bildungsministerin sein", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion der "Frankfurter Rundschau". "Beim Adel wusste Frau Schavan noch, was zu tun ist", sagte Bartsch in Anspielung auf die Plagiatsaffäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Damals hatte sich Schavan für Guttenberg öffentlich geschämt.Vehement legte sich dagegen einer der führenden deutschen Wissenschaftler für Schavan ins Zeug: "Ich bekomme eine Menge Mails aus aller Welt, aus England, den USA, von Wissenschaftlern, die nicht glauben wollen, wie der Ministerin mitgespielt wird", sagte der Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz. Weltweit werde die deutsche Wissenschaftsförderung bewundert und das
sei auch ein wesentliches Verdienst von Schavan.
Wenn sie das Amt aufgäbe, "wäre das ein großer Verlust und auch ein Armutszeugnis für den Wissenschaftsbetrieb", so der Chemiker. Der Fall Schavan entlarve die Unzulänglichkeit akademischer Verfahren und das Fehlen eines allgemein akzeptierten Wissenschafts-Kodexes. "Wieso braucht man für einen Doktortitel mehrere Gutachter, bei der Aberkennung aber nur einen?", fragte der 69-Jährige sichtlich empört. Die Universität Düsseldorf hatte Schavan am Dienstag den Doktortitel wegen vorsätzlicher Täuschung aberkannt.



