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Neuer US-Finanzminister
"Schlimmste Unterschrift der Welt" erregt Amerika
BildUnterschrift von Jack Lew
VideoEinigung im US-Haushaltsstreit
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VideoObama formt seine neue Regierung
Kaum ist durchgesickert, dass US-Präsident Obama seinen Stabschef Jack Lew zum Finanzminister machen will, schon diskutiert ganz Amerika über dessen krakelige Unterschrift. Die wird nämlich künftig die Dollarscheine zieren.
Jack Lew
Quelle: reuters
Quelle: reuters
"Das ist die merwürdigste und mysteriöseste Unterschrift, die wir in einem Vierteljahrhundert gesehen haben", hieß es auf der Experten-Webseite graphologyconsulting.com. Lew habe "die schlimmste Unterschrift der Welt", schrieb Kevin Roose im "New York Magazine". "Und bald wird sie auf jedem Dollarschein stehen." Die Unterschrift des künftigen Finanzministers sehe aus "wie die Haare von Sally Brown bei den Peanuts", schrieb Roose.
"Eher der kuschelige Typ"Im Blog "Wonkblog" der "Washington Post" hieß es ironisch, Lews Signatur werde aus dem Dollar "die beste Währung aller Zeiten" machen. Die von der Zeitung befragte Handschriften-Expertin Kathi McKnight analysierte anhand der Unterschrift, Lew sei wohl "eher der kuschelige Typ". Auch "Prinzessin Di hatte eine sehr schlingernde Handschrift", ergänzte sie. Lew könnte dem Vernehmen nach bereits an diesem Donnerstag von Obama zum Nachfolger Geithners ernannt werden. Ob er sich bis dahin eine andere Unterschrift ausdenken würde, ist nicht bekannt.Jack Lew gilt als bescheidener Mann, er sucht nicht die große Öffentlichkeit und soll sich sogar sein eigenes Mittagessen mit ins Büro nehmen: ein Apfel und ein Käsesandwich, schrieb die "New York Times". Doch die Aufgabe, die vor Jacob "Jack" Lew liegt, ist gigantisch. Er rückt dann ins Rampenlicht des erbitterten Haushaltsstreits, an dem er bislang vor allem hinter den Kulissen beteiligt war.
Erfahrung schon unter ClintonLew ist seit Januar 2012 Obamas Stabschef und somit einer der engsten Mitarbeiter des Präsidenten. Vom Weißen Haus aus wachte der erfahrene Etatmanager zuletzt über die Verhandlungen mit den Republikanern über die sogenannte Fiskalklippe, die kurz nach dem Jahreswechsel in einen notdürftigen Kompromiss mündeten: Die Steuererhöhungen für die Masse der Amerikaner wurden zwar abgewendet, das Problem der massiven Ausgabenkürzungen aber lediglich um zwei Monate verschoben.
Bei der Vorgeschichte der Fiskalklippe im Sommer 2011, als sich Demokraten und Republikaner über die Erhöhung der gesetzlichen Schuldenobergrenze zankten, verhandelte Lew als Chef der Haushaltsabteilung des Weißen Hauses direkt mit den führenden Politikern im Kongress. Und bereits Ende der 90er Jahre, als Lew in gleicher Funktion für Präsident Bill Clinton arbeitete, schacherte er mit republikanischen Widersachern um das Budget - und sorgte damals mit dafür, dass die USA mehrere Jahre lang einen Haushaltsüberschuss einfuhren.
Konflikt mit RepublikanernIn der Entscheidung für Lew spiegelt sich die Veränderung der politischen Prioritäten in Obamas erster Amtszeit wider. Vor vier Jahren holte der Präsident den Notenbanker Geithner in sein Kabinett, um die Finanzkrise zu bekämpfen. Mittlerweile ist angesichts einer Staatsverschuldung von mehr als 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ein Budgetexperte gefragt. Mit Lew stelle sich Obama auf einen anhaltenden Konflikt mit den Republikanern über die Staatsfinanzen ein, urteilt die "Washington Post".
Die USA sind ohne endgültiges Budget für das vergangenen Oktober begonnene Haushaltsjahr 2013, eine Übergangsregelung sichert die Staatsfinanzierung noch bis Ende März. Dazu kommt die ungelöste Frage der drakonischen Kürzungen im Zusammenhang mit der Fiskalklippe. Schließlich muss der Kongress erneut die gesetzliche Schuldenobergrenze anheben. Die Zahlungsfähigkeit der USA wird seit dem 31. Dezember nur durch Sondermaßnahmen wie das Aussetzen von Beiträgen in die staatliche Pensionskasse gesichert. Spätestens Ende Februar ist dieser Puffer aber aufgebraucht.
Arbeitsministerin Solis tritt zurückUnter Republikanern genießt Lew nicht unbedingt einen guten Ruf. Bei den Verhandlungen im Sommer 2011 nervte der Absolvent der Eliteunis Harvard und Georgetown Repräsentantenhaus-Chef John Boehner und dessen republikanische Kollegen mit einem unnachgiebigen und detailversessenen Auftreten. Kritiker werfen Lew auch fehlende Expertise in Finanzfragen vor. Immerhin kann er drei Jahre in verantwortlichen Positionen bei der Großbank Citigroup vorweisen - wo er von 2006 bis 2008 im Investmentbanking ein Millionengehalt einstrich.
Unterdessen hat Arbeitsministerin Hilda Solis ihren Rücktritt angekündigt. Sie informierte ihre Arbeitskollegen in einer E-Mail über ihren Rücktritt. Darin heißt es, sie habe die Entscheidung mit ihrer Familie und engen Freunden abgestimmt und dann Obama das Kündigungsschreiben ausgehändigt. Gewerkschaften haben Solis für ihren kompromisslosen Kampf für bessere Lohn- und Arbeitszeitgesetze sowie mehr Sicherheit am Arbeitsplatz gelobt. Wirtschaftsverbände warfen ihr dagegen vor, nicht mehr auf Kooperation gesetzt zu haben.



