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DFL-Sicherheitspapier verabschiedet
Schnellschuss auf Kosten der Fans?
VideoPro-Fans: Dialog sinnlos
VideoDFL-Sicherheitskonzept verabschiedet
VideoSchnellschuss gegen die Fans?
VideoRettig: "DFL-Sicherheitskonzept wichtig"
Die Politik hat Druck gemacht und die Verantwortlichen im deutschen Fußball haben reagiert: Mit dem neuen Sicherheitskonzept will die Deutsche Fußball Liga die Sicherheit in den Stadien weiter verbessern. Die Fans kritisieren, das neue Konzept grenze mehr aus, als es verbinde. Experten warnen davor, die Anhänger in Sippenhaft zu nehmen.
ca. 400 Fans demonstrieren in Frankfurt still fūr mehr Mitsprache
Quelle: Twitter (@NKaben)
Quelle: Twitter (@NKaben)
auf das besonders bei Fanvertretern umstrittene Maßnahmenpaket.
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Reaktionen zum DFL-Sicherheitspapier
DFL, DFB, Fans, Vereine, Polizei und Politik
Reinhard Rauball (DFL-Präsident): "Wir können allen Fans versichern, dass die heutigen Beschlüsse die Fußball-Kultur in Deutschland nicht gefährden. Die angedrohten Eingriffe, die bis zur Abschaffung der Stehplätze reichten, sind damit vom Tisch."
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Dass die deutliche Mehrheit der Lizenzvereine Geschlossenheit demonstriert und für das Sicherheitskonzept gestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen für den gesamten Fußball und die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fans in Deutschland."
Philipp Markhardt (Sprecher der Protestaktion "12:12"): "Das Ergebnis ist sehr unschön. Ich gehe davon aus, dass es neue Proteste geben wird. Neue Stimmungsboykotte oder andere Aktionen könnten sich bis in den März hineinziehen."
Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzener FC Bayern): "Es war eine gute Sitzung. Rausgekommen ist das, was ich erwartet hatte. Die Bundesliga hat sich gegen Gewalt, Rassismus und Pyrotechnik ausgesprochen - und das ist gut so."
Klaus Allofs (Manager VfL Wolfsburg): "Ich bin froh darüber, dass den Anträgen zugestimmt worden ist. Nacktscanner wollen wir auch nicht, aber wir wollen
genaue Kontrollen, weil wir am Ende wollen, dass das Stadion sicher ist."
Martin Kind (96-Präsident): "Ein gutes Signal. Der Fußball kann für die Pseudo-Fans keine Plattform bieten."
Carl Jarchow (HSV-Vorstandsvorsitzender): "Dem überwiegenden Anteil der 16 Einzelanträge haben wir inhaltlich aus Überzeugung zugestimmt. Aus unserer Sicht ist es bedauerlich, dass wir es nicht geschafft haben, mehr Zeit zu gewinnen, um im Dialog mit den Fans für mehr Vertrauen in und Verständnis für das Sicherheitskonzept zu werben."
Dirk Zingler (Präsident Union Berlin): "Es gibt keinerlei Veranlassung, sich einem wodurch auch immer motivierten politischen Druck zu beugen und zum jetzigen Zeitpunkt symbolisch eine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, die überhaupt nie in Frage stand. Für ein solches Handeln steht der Union Berlin nicht zur Verfügung."
Rainer Wendt (Vorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft): "Es war höchste Zeit, dass der zunehmenden Gewalt in und um deutsche Fußball-Stadien mit konkreten Maßnahmen begegnet wird. Die Richtung, die die DFL jetzt einschlägt, ist nachvollziehbar."
Joachim Herrmann (Innenminister Bayern): "Das ist ein dringend notwendiger Schritt für mehr Sicherheit beim Fußball. Die Sicherheitsbehörden und insbesondere die Polizei werden die Vereine bei der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen begleiten und auch tatkräftig unterstützen, um Randale und Chaoten aus den Stadien zu verbannen."
Deutscher Fußball, R.I.P.!
@JulH1904
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass heute einer der traurigsten Tage in der Geschichte der Fussball-Bundesliga wird!
@chrisse_cologne
An alle, die geglaubt haben, Fußball und Politik hätten nichts miteinander zu tun: Guten Morgen!
@CptLC1
Bin auf die Reaktionen in den Stadien am Wochenende gespannt
@lovefreeze13
Mit Blick auf das #Sicherheitskonzept von DFB und DFL wird klar: die Vernunft hat verloren der law an order mob hat gesiegt.
@JKasek
Anträge sind durch, das wars mit der Fankultur...vielen Dank an DFB und DFL das der größte Volkssport in Deutschland gestorben ist!
@Parsiwall
Das Problem sind nicht mal unbedingt die Punkte, sondern, dass die Fans so gut wie gar nicht einbezogen werden.
@adalcim
Gewinner ist der professionelle Fußball und NICHT der Fan. Statt 12:12 sofort 90:00!!
@Florianisti
Endlich! Gott sei Dank muss ich mich jetzt auf dem Weg zum sowie im Stadion nicht mehr durch Bürgerkriegsgebiete durchkämpfen.
@RoBger87
Das Konzept wird so nicht funktionieren. Fußball und die Fanszene lässt sich nicht mit Schwarz und Weiß beschreiben.
@kscthebest
Pressetext der DFL
Mit großer Geschlossenheit haben die 36 Profi-Clubs heute im Rahmen der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes ein umfangreiches Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit im Fußball verabschiedet. Nach intensiver Analyse und Diskussion wurden alle 16 vom Vorstand des Ligaverbandes vorgeschlagenen Anträge inklusive einiger Modifikationen mit jeweils deutlich größeren Mehrheiten als erforderlich angenommen. Ziel ist es, die existierenden Sicherheitsmaßnahmen zu optimieren, bei Verstößen gegen geltendes Recht täterorientiert vorzugehen und so Kollektiv-Strafen zu vermeiden.
"Egal, ob Sitzplatz oder Stehplatz, schweigend oder nicht schweigend, Teilnehmer einer Fan-Demonstration oder Besucher des Familienblocks: Wir können allen Fans versichern, dass die heutigen Beschlüsse die Fußball-Kultur in Deutschland nicht gefährden. Im Gegenteil: Diese Beschlüsse werden dabei helfen, die Fußball-Kultur zu schützen. Die angedrohten Eingriffe, die bis zur Abschaffung der Stehplätze reichten, sind damit vom Tisch", erklärt Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball: "Klar ist aber auch, dass wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen dürfen. Die beschlossenen Maßnahmen müssen nun unter Einbindung aller Beteiligten inklusive der Vertreter von Fan-Organisationen umgesetzt werden. Liga und Clubs werden weiter auf Dialog und Prävention setzen. Hier ist die Liga auch bereit, zusätzliche Mittel zu investieren - unter der Voraussetzung, dass sich der Staat nicht aus der Finanzierung von Fan-Projekten zurückzieht."
Zu den beschlossen Maßnahmen gehören unter anderem die Qualifizierung und Zertifizierung von Ordnungsdiensten, ein verbesserter Austausch von Heim- und Gastverein sowie die verstärkte Einbeziehung der Fan-Beauftragten. Das Bemühen um einen verbindlichen Dialog mit den organisierten Fan-Gruppen wird festgeschrieben, wobei der Verzicht auf Gewalt, Rassismus und politischen Extremismus nicht zur Disposition steht. Für den Einsatz von Pyro-Technik gibt es auch künftig keinen Spielraum. Darüber hinaus kann nun bei infrastrukturellen Defiziten individuell und auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten nachgebessert werden. Ab der Saison 2013/2014 sollen die statuarischen Änderungen greifen. Nach drei Jahren werden die beschlossenen Maßnahmen mit Blick auf ihre Wirksamkeit überprüft.
Das heute verabschiedete Konzept wurde in zwei Phasen unter Einbeziehung zahlreicher Rückmeldungen weiterentwickelt, ehe daraus schließlich die heute zur Abstimmung gestellten Anträge geformt wurden. Die beschlossenen Anträge werden zeitnah auf www.bundesliga.de veröffentlicht.
DFL-Vollversammlung am 12. Dezember
Anlass der Veranstaltung
Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) traf sich am 12. Dezember in Frankfurt mit den Vertretern der 36 Profiklubs auf der Mitgliederversammlung, um über das umstrittene Papier «Sicheres Stadionerlebnis» abzustimmen. Die Innenminister der Länder hatten den Klubs mit einschneidenden Maßnahmen gedroht und von den Vereinen einheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Gewalt gefordert.
Normalerweise reicht eine einfache Mehrheit, eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist notwendig, wenn bei einem Antrag die Lizenzspielordnung geändert wird.
Die 16 Anträge in Kurzform zusammengefasst:
Antrag 1: Die Veranstaltungsleiter von Bundesliga-Spielen bekommen eine genaue Funktionsbeschreibung.
Antrag 2: Ein verbindlicher Dialog zwischen Fans und Klubs wird verankert.
Anträge 3 und 4: Die Polizei bekommt mehr Kompetenzen.
Antrag 5: Der Ordnungsdienst des Gastvereins wird im Stadion des Heimvereins mit einbezogen.
Antrag 6: Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten werden genau festgelegt.
Antrag 7: Verbindliche Teilnahme des Veranstaltungsleiters an Sicherheitsbesprechungen bei Risikospielen.
Antrag 8: Kontrollen an Stadioneingängen werden verschärft.
Antrag 9: Ordnungsdienstkräfte werden geschult.
Antrag 10: Aufgaben des Fanbeauftragten am Spieltag werden festgelegt.
Antrag 11: Festlegungen für Risikospiele und Spiele unter Beobachtung.
Antrag 12: Ein Zertifizierungsverfahren ("Stadionerlebnis") wird entwickelt.
Antrag 13: Eine ständige Kommission Stadionerlebnis wird eingerichtet.
Antrag 14: Festgelegt wird, wann das Ticketkontingent für Auswärtsfans reduziert werden darf.
Antrag 15: Weiterentwicklung der DFB-Sportgerichtsbarkeit (Anträge sollen erst zum DFB-Bundestag im Oktober 2013 erarbeitet werden).
Antrag 16: Erlöse aus der Vermarktung (Fernsehgelder) werden zweckgebunden an die Vereine ausbezahlt, wenn diese wiederholt Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllen.
Eckpunkte des Papiers
- Null-Toleranz beim Verbot von Pyrotechnik
- Erhöhung der Ausgaben für Fan-Betreuung
- Konsequente Durchsetzung von Stadionverboten
- Mehr Video-Kameras in den Gäste-Stehplatzbereichen
- Personalisierte Eintrittskarten
- Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen gegen die Verursacher
Strittige Punkte
Umstrittene Punkte im Konzept «Sicheres Stadion» sind vor allem die Anträge 8, 11 und 14. Bei Spielen mit erhöhtem Risiko, so die DFL, ist die Durchführung von verstärkten Personenkontrollen zu erwägen. Zuvor heißt es, dass Ligaverband und Deutscher Fußball-Bund (DFB) zu keinem Zeitpunkt «statuarische Vorgaben für die Durchführung sogenannter Vollkontrollen» vorgeschlagen haben. Die Entscheidung, in welchem Umfang Fans an den Stadioneingängen durchsucht haben, obliege wie bisher dem Heimverein. Für die Fanvertreter ist damit klar, dass Vollkontrollen nicht kategorisch ausgeschlossen sind. Zumal in dem Antrag steht, dass Kontrolleinrichtungen so beschaffen sein müssen, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können. Da fürchten Kritiker, dass diese öfter in Zelten stattfinden wie kürzlich beim Bundesliga-Spiel FC Bayern - Eintracht Frankfurt.
Zudem geht es um die mögliche Reduzierung des Ticket-Gästekontingents. Normalerweise stehen den Auswärtsfans wie bisher zehn Prozent der Karten zu. Künftig sollen diese um die Hälfte reduziert werden können, wenn das DFB-Sportgericht nach Zwischenfällen ein entsprechendes Urteil fällt - oder bei «einer anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko». Für Gegner des Sicherheitskonzepts ist diese eine Kollektivstrafe, zudem sehen sie sich dem Wohlwollen des Heimclubs ausgeliefert.



