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19.06.2013

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Menschenrechte

Schwere Vorwürfe gegen Malis Soldaten

  • Video Aufstand der Tuareg in Mali
  • Video Franzosen sichern eroberte Städte
  • Video Mali: "Islamisten räumen das Feld"
  • VideoAufstand der Tuareg in Mali

    Während die französischen Truppen nach Zentralmali vorstoßen, bleibt der Norden des Landes unter Kontrolle von Islamisten. Mit Hilfe der Tuareg haben sie einen Gottesstaat errichtet.

    (24.01.2013)
    VideoFranzosen sichern eroberte Städte

    Französische Kampfjets haben heute erneut Stellungen islamischer Extremisten im Norden Malis bombardiert. Rund 350.000 Malier sollen im Land umherrirren, auf der Flucht vor den Islamisten.

    (23.01.2013)
    VideoMali: "Islamisten räumen das Feld"

    "Die französische und die malische Armee konnten wichtige Städte unter ihre Kontrolle bringen", so ZDF-Auslandskorrespondent Jörg Brase zur aktuellen Situation vor Ort in Mali.

    (23.01.2013)

    Kurzmeldung

    • Krieg in Mali: Angriffe auf Zivilisten beklagt 20:42 24.01.2013
      Malische Soldaten sollen auf ihrem von französischen Truppen unterstützten Vormarsch in mehreren Orten Verdächtige hingerichtet haben, darunter Tuareg. Nach Informationen der Internationalen Vereinigung für Menschenrechte FIDH gab es solche Hinrichtungen in Sevare, Mopti, Niono und anderen Ortschaften. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich besorgt über die Berichte, wonach die malische Armee bei ihrem Vormarsch Rache an Angehörigen des Tuareg-Volkes nahm. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe, denen gründlich nachgegangen werden muss", erklärte er.

    Der internationale Kampfeinsatz in Mali hat eine gute Begründung: Die Islamisten, die im Norden mit Hilfe der Tuareg einen Gottesstaat errichtet haben,  verletzten die Menschenrechte auf brutalste Weise. Doch jetzt gibt es auch harte Vorwürfe dieser Art gegen die offiziellen Truppen Malis. Das bringt auch Frankreich in Bedrängnis. 

    Berichte über Menschenrechtsverletzungen malischer Truppen bei der Rückeroberung Nordmalis aus Islamistenhand beunruhigen Frankreich. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sprach von einem "Risiko", ohne die Vorwürfe zu bestätigen. Er rief in französischen Medien die malischen Offiziere zu "extremer" Wachsamkeit auf: "Die Ehre steht auf dem Spiel."

    Verdächtige hingerichtet

    Malische Soldaten sollen auf ihrem von französischen Truppen unterstützten Vormarsch in mehreren Orten Verdächtige hingerichtet haben, darunter Tuareg. Nach Informationen der Internationalen Vereinigung für Menschenrechte FIDH gab es solche Hinrichtungen in Sévaré, Mopti, Niono und anderen Ortschaften. In Sévaré seien mindestens elf Menschen getötet worden. Es gebe Berichte über 20 weitere Hinrichtungen in dem Gebiet, bei denen die Leichen anschließend hastig verbrannt worden seien.

    Mali: Vorzeigestaat fällt an Islamisten

    Militärputsch im Norden Malis

    Karte: Mali / Quelle: ZDF

    Das westafrikanische Mali galt lange als demokratischer Vorzeigestaat in Afrika. Gleichzeitig kämpfen die Menschen aber seit Jahren ums Überleben: Die durchschnittliche Lebenserwartung der rund 14,5 Millionen Einwohner, darunter etwa 300.000 Angehörige des Berbervolkes der Tuareg, liegt bei nur 53 Jahren. Das 1,2 Millionen Quadratkilometer große Land am Südrand der Sahara ist einer der wichtigsten Baumwoll-Produzenten Afrikas. Dürreperioden haben der Landwirtschaft aber nachhaltig geschadet. 60 Prozent des Landes ist von Wüste bedeckt.

    Die Tuareg

    In den 1980er Jahre hatten viele Tuareg nach einer Dürre Mali verlassen. Als sie zurückkehrten, führten sie Krieg gegen die Regierungstruppen. Nach langen Verhandlungen wurden die Tuareg in Malis Armee integriert. Auch Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte Tuareg für seine Streitkräfte. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele in die Heimat zurück und schlossen sich Aufständischen im Norden Malis an.

    Die Islamisten in Mali

    Nach einem Militärputsch gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré im vergangenen März rückten die mit verschiedenen Islamistengruppen verbündeten Rebellen im Norden immer weiter vor. Die Gruppe Ansar Dine, der Verbindungen zu Al-Kaida nachgesagt werden, rief im April gemeinsam mit der Tuarag-"Nationalbewegung" MNLA die unabhängige "Islamische Republik Azawad" in Nord-Mali aus. Seit der Machtübernahme der Islamisten flohen Hunderttausende aus dem Gebiet. In der Stadt Timbuktu, wo drei große Moscheen sowie 16 Friedhöfe und Mausoleen zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere dieser historischen Heiligtümer zerstören.

    Spannungen zwischen Tuareg und Islamisten

    Spannungen zwischen Tuareg und Islamisten eskalierten zu offenen Kämpfen. Bei Gefechten der Tuareg mit Kämpfern der mit Ansar Dine verbundenen "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (MUJAO) wurden Ende Juni in der Stadt Gao mindestens 20 Menschen getötet. Um das Chaos im Land zu stoppen, könnte eine Regionaltruppe eingreifen. Jedoch befürchten Experten eine militärische Katastrophe in dem unwegsamen Gebiet sowie eine mögliche Ausbreitung der Gewalt auf die ganze Region.

    (Quelle: dpa)

    Nach Angaben der FIDH wurden die Opfer der Unterstützung der Islamisten verdächtigt oder waren im Besitz von Waffen. Einige hätten sich bei Kontrollen nicht ausweisen können oder hätten schlicht einer verdächtigen Volksgruppe wie den Tuareg angehört. Am 21. Januar sei ein Imam von malischen Soldaten verschleppt worden. "Die Tuareg sind unsere Freunde", sagte Le Drian dazu. "Die Tuareg sind in Nordmali zu Hause. Wir müssen sie als Malier achten wie alle anderen."

    "In keiner Weise akzeptabel"

    Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich besorgt. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe, denen gründlich nachgegangen werden muss", sagte er bei einem Spanienbesuch. "Racheakte oder Gewalt malischer Soldaten gegen Zivilisten oder ethnische Minderheiten wären in keiner Weise akzeptabel. Das würde auch Bemühungen um politischen Ausgleich in Mali untergraben."

    Links
    Paris: "Ein langer Kampf"
    Der Einsatz der afrikanischen Mali-Truppe kommt derweil in Fahrt. Es seien bereits 1.000 Soldaten der westafrikanischen Truppe in Mali, sagte Le Drian. Soldaten aus Burkina Faso seien ohne den Umweg über Bamako direkt in Markala eingetroffen. Die Europäische Union will voraussichtlich noch im Februar 200 bis 250 Militärausbilder nach Mali schicken, um die einheimische Armee zu schulen. Auch Deutschland will sich an dieser Mission beteiligen.

    "Den Afrikanern helfen"

    Die Franzosen hätten die Aufgabe, den Afrikanern bei der Befreiung Malis von terroristischen Gruppen zu helfen. Dazu gehöre die Bombardierung von Befehlszentren, Munitionsdepots und Trainingslagern der Dschihadisten in den Städten Gao und Timbuktu, sagte Le Drian. Die Rebellen vermischten sich mit der Bevölkerung, um den Einsatz der Luftwaffe zu erschweren. Sie seien sehr mobil, erfahren im Umgang mit modernen Waffen und zerstreuten sich, um keine Ziele zu bieten.


    Die USA unterstützten Frankreichs Mali-Feldzug mit dem Einsatz von Aufklärungsdrohnen und Transporthilfen. "Wir haben mit den USA eine nützliche und wirksame Zusammenarbeit", sagte Le Drian. Es gehe dabei nicht um Kampfdrohnen, sondern um Aufklärung und Logistik.

    24.01.2013, Quelle: dpa
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