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Machtkampf
Suhrkamp: Handke schäumt, Streit über Vermittler
BildSuhrkamp-Verlag: Regenbogen-Regal
Im Machtkampf um den Berliner Suhrkamp-Verlag hat der Autor Peter Handke den Mitgesellschafter Hans Barlach mit harschen Worten angegriffen: Barlach sei "ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser. Ein Unhold." Jetzt soll der Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann vermitteln. Aber den lehnt Barlach ab.
Die Familienstiftung hatte Naumann zum Mediator bestellt, sagte Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil. Minderheitsgesellschafter Hans Barlach liege ein Gesprächsangebot der Familienstiftung und der Geschäftsführung des Suhrkamp-Verlags vor. Naumann sei "als Mediator ungeeignet», schrieb Barlach als Reaktion am Dienstag. Er sei "einseitig informiert" und habe bereits offen für die Suhrkamp-Geschäftsführung Stellunggenommen, begründete Barlach seine Ablehnung.Naumann: Missverständnisse auf beiden SeitenNaumann erklärte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zuvor, es bestünden "Missverständnisse auf beiden Seiten". Naumann betonte: "Niemand will, dass der Verlag liquidiert wird, wie es das Gesellschaftsrecht vorsieht."
Peter Handke
Auch die Schriftstellerin und Heinrich-von-Kleist-Preisträgerin 2011, Sibylle Lewitscharoff, stellte sich hinter die bisherige Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz. Diese sei ihr von Anfang an als intelligente, generöse Verlegerin begegnet, schrieb Lewitscharoff in der "Süddeutschen Zeitung". Barlachs Pläne nannte sie einen "Alptraum". "Sollte es zum Schlimmsten kommen, reiße ich sofort aus."
Barlach will mehr RenditeSuhrkamp-Autor Stephan Thome ("Fliehkräfte") schrieb im "Spiegel": "Herr Barlach hat eine Fehlinvestition getätigt, als er sich in einen Verlag eingekauft hat, der seine Gewinnerwartungen nicht erfüllen kann, ohne den eigenen Ruf zu ruinieren." Statt seine Anteile an die Mehrheitseigner zu verkaufen, "will er lieber einen Verlag schaffen, den außer ihm niemand braucht". Autor Uwe Tellkamp ("Der Turm") bezeichnete die Entwicklung im Magazin "Focus" als "bestürzend".
Barlach selbst hatte im "Spiegel" erklärt: "Ich will weder den Suhrkamp-Verlag zerstören noch seine intellektuelle Führung übernehmen. Unser Anliegen ist eine nachhaltige Entwicklung des Verlages mit einer auskömmlichen Rendite." Ein "mittelfristiger Renditekorridor" von 5 bis 15 Prozent sollte möglich sein.
Justiz stützt MinderheitsgesellschafterUnseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent des Suhrkamp-Verlags. Barlach war 2006 gegen ihren Willen mit seiner Medienholding Winterthur in das Unternehmen eingestiegen und betreibt in verschiedenen Verfahren die Ablösung der Verlegerin. Kürzlich gab das Landgericht Berlin dem Minderheitsgesellschafter Recht und berief Unseld-Berkéwicz ab. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig, Suhrkamp kündigte Berufung gegen die Entscheidung an.



