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18.05.2013

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Plagiatsverfahren gegen Ministerin

"Unis verschließen oft die Augen"

  • Bild Bildungsministerin Annette Schavan
  • Bilderserie Plagiatsvorwürfe gegen Politiker
  • Video Schavan geht es um Integrität
  • Video Glaubwürdigkeit einer Ministerin
  • BildBildungsministerin Annette Schavan
    BilderseriePlagiatsvorwürfe gegen Politiker
    Annette Schavan / Quelle: dpa
    (05.02.2013)
    VideoSchavan geht es um Integrität

    Nach der Einleitung des Plagiatsverfahrens geht es Annette Schavan (CDU) um ihr Ansehen: "Ich kämpfe nicht um einen Titel, es geht um Integrität", sagte sie am Freitag der ZDF-Sendung Berlin direkt.

    (27.01.2013)
    VideoGlaubwürdigkeit einer Ministerin

    Annette Schavan will kämpfen: Um ihren Doktortitel, ihr Amt, ihre Glaubwürdigkeit. Aber wie beschädigt ist eine Wissenschaftsministerin, der unsauberes wissenschaftliches Arbeiten vorgeworfen wird?

    (21.10.2012)

    Nächste Runde im Plagiatsverfahren gegen Bildungsministerin Schavan, die Uni Düsseldorf berät über ihre Doktorarbeit. Schummeleien in der Wissenschaft sind für die Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff nicht überraschend.  "Universitäten gehen nachlässig mit unsauberer Arbeit um", sagt sie im heute.de-Interview. 

    heute.de: Plagiate damals und heute, hat sich da die Bedeutung verschoben?

    Debora Weber-Wulff: Als ich 1976 nach Deutschland gekommen bin, war ich schon etwas überrascht, dass wir als Studierende nicht dauernd eingebläut bekommen haben, wie korrektes wissenschaftliches Arbeiten aussieht. In den USA war es schon damals so, dass man immer und immer wieder von den Professoren gehört hat, wie man korrekt zitiert, wie Quellen angegeben werden müssen. Hier in Deutschland hingegen wurde wissenschaftliche Praxis einfach gelebt – es wurde allerdings kaum darüber gesprochen. Man hat einfach vorausgesetzt, dass jeder dementsprechend handelt.

    heute.de: Und wurde denn dementsprechend korrekt gehandelt?

    Debora Weber-Wulff: Damals vor 35 Jahren war meine Beobachtung: Einzelne Leute haben es trotzdem ausprobiert zu schummeln und sind damit durchgekommen. Nicht nur Studierende, auch Professoren. Da wurden gelegentlich die Arbeiten von Studierenden oder Doktoranden als etwas Eigenes herausgebracht, aber es hat niemanden gestört. Es waren ganz viele kleine Schritte, und nach und nach hat sich da etwas eingeschlichen. Das war eine Veränderung im System mit steigender Toleranz für schlechte wissenschaftliche Praxis, nicht nur im Sinne von Plagiaten, es ging auch um die Anmaßung von Autorenschaft oder um Datenfälschung.

    Debora Weber-Wulff ist
    Debora Weber-Wulff / Quelle: privat

     ... Professorin für Internationale Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Für Aufsehen sorgte sie, als bekannt wurde, dass sie unter dem Namen WiseWoman aktiv am VroniPlag Wiki beteiligt ist. Weber-Wulff bloggt auf Englisch über Plagiate und Co, ihr Blog heißt: Copy, Shake, and Paste

    heute.de: Hat der technische Fortschritt daran auch seinen Anteil?

    Debora Weber-Wulff: Sicherlich macht der Computer vieles leichter. Früher hat man mit einem Zettelkasten gearbeitet, da wurden die relevanten Stellen aus den Quellen übernommen, und die Nachweise vermerkt. Das sind hoch komplexe Zusammenhänge, die man für eine wissenschaftliche Arbeit auf Papier zusammenstellen muss. Heute hat man einen digitalen Zettelkasten. Es ist einfach, viele Quellen über "Copy and Paste" in seine Arbeit zu übernehmen – und die Hürde ist auch niedriger, dabei die Quelle wegzulassen.

    Fakultätsrat berät über Verfahren

    Die Universität Düsseldorf treibt das Plagiatsverfahren gegen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) voran. Am Dienstag tritt der Fakultätsrat zur möglicherweise entscheidenden Sitzung zusammen. Die Beratungen über eine mögliche Aberkennung von Schavans Doktortitel dürften nach Angaben eines Universitätssprechers mehrere Stunden dauern.

    heute.de: Nun ist das Übernehmen wissenschaftlicher Erkenntnisse in die eigene Arbeit ja keine Schande – sondern eigentlich eine Notwendigkeit bei der Arbeit. Geschehen Plagiate bei Doktorarbeiten nun aus Eitelkeit oder einfach aus Dummheit?

    Debora Weber-Wulff: Ich vermute, dass es oft mit der Faszination zusammenhängt, die vom Doktor-Grade ausgehen. Personen mit einem Doktorgrad wird automatisch Respekt entgegengebracht. Das ist verlockend. Manche Leute haben leider gar kein Interesse an der Wissenschaft, sondern wollen einfach den Türschild-Titel und das ganze Drumherum. Die verstehen gar nicht, dass man Quellen angeben muss. Ich wiederum verstehe nicht, warum diese Menschen denken, dass keiner das merkt. Gerade Wissenschaftler sammeln alles zu einem Thema! Da fällt es mir doch auf, wenn ich etwas auf den Tisch bekomme, was ich schon mal gesehen habe.

    Links
    Schavan geht es um Integrität
    Schavan: Kein Plagiat
    Schavan muss um Amt bangen

    heute.de: Ab welchem Punkt leidet darunter eigentlich der Ruf der Wissenschaft?

    Debora Weber-Wulff: Es ist bereits jetzt schon sehr problematisch. Nicht nur die prominenten Plagiatsfälle werden im Ausland wahrgenommen. Man weiß auch um die Tatsache, dass es manche Fälle gibt, bei denen deutsche Wissenschaftler ihre Arbeiten wegen unkorrekter Ausführung zurückziehen mussten, oder sie werden gleich vom Verlag zurückgezogen. Die Universitäten wissen das zwar, sie tun aber oft nichts und verschließen lieber die Augen. Und bei einigen Doktorarbeiten wird nicht mal so genau gelesen.

    heute.de: Woran erkennen Sie das?

    Debora Weber Wulff: Es gibt zum Beispiel aktuell bei VroniPlag den Fall eines Bürgermeisters, der in seiner Dissertation an der TU Berlin unter anderem die Super-Illu und die Wikipedia als Quellen hat – aber auch seriöse Quellen plagiiert hat. Was tut die Universität? Sie gibt ihm Gelegenheit, nun die Arbeit mit korrekten Quellenangaben noch einmal nachzureichen. Ich finde, das zeigt, wie nachsichtig der deutsche Wissenschaftsbetrieb noch immer mit solchen Fällen umgeht. Frau Schavan hat übrigens einmal gesagt, als es um einen Wissenschaftler ging, der dauernd plagiierte Aufsätze publizierte, sie vertraue auf einen Selbstreinigungsprozess in der Wissenschaft. Darauf warte ich heute noch, diese Person publiziert einfach weiter.

    Das Interview führte Christian Thomann-Busse

    05.02.2013
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