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Großbritannien

Wie kam das Pferd in die Lasagne?

  • Video Pferdefleisch-Skandal in Großbritannien
  • Video17

    Tausende unwissender Briten haben Tiefkühlkost gekauft, in dem Glauben, darin sei Rindfleisch enthalten. Stattdessen aßen sie Pferdefleisch - offenbar geliefert aus Rumänien.

    (10.02.2013)

    Der europaweite Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühlkost ist in Klagen, Verdächtigungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen eskaliert. In Großbritannien waren in Lasagne-Packungen des Konzerns Findus ein Pferdefleisch-Anteil von bis zu hundert Prozent nachgewiesen worden. 


    Während der Lebensmittelkonzern Findus eine Betrugsklage gegen Unbekannt ankündigte, schob der französische Fleischverarbeiter die Schuld seinen rumänischen Lieferanten zu. Die britische Regierung vermutet kriminelle Machenschaften hinter dem Skandal.

    Auch britischer Aldi betroffen

    Die Klage werde am Montag eingereicht, erklärte der Chef von Findus France, Matthieu Lambeaux, am Samstag. "Wir sind getäuscht worden." Der britischen Behörde für Lebensmittelsicherheit FSA zufolge wiesen Lasagne-Packungen des Tiefkühlkost-Konzerns Findus  einen Pferdefleisch-Anteil von bis zu hundert Prozent auf, obwohl  auf dem Etikett Rindfleisch angegeben war. Das gleiche galt für zwei von der Aldi-Kette in Großbritannien vertriebene Fertiggerichte.

    Alle beanstandeten Gerichte waren vom französischen  Tiefkühllieferanten Comigel hergestellt worden, der das verwendete Fleisch vom Unternehmen Spanghero mit Sitz in Südwestfrankreich erhielt. Spanghero seinerseits erklärte, das Pferdefleisch sei ihm aus Rumänien untergeschoben worden und kündigte eine Klage gegen den rumänischen Lieferanten an.

    Fleisch auf der Reise durch Europa

    "Wir haben Rindfleisch mit der Herkunftsbezeichnung Europa gekauft und wieder verkauft," sagte Spanghero-Chef Barthélémy Aguerre. Frankreichs Verbraucherminister Benoît Hamon erläuterte, das rumänische Fleisch sei über Zwischenhändler in Zypern und den Niederlanden nach Frankreich gelangt.

    Rumäniens Landwirtschaftminister Daniel Constantin leitete am  Wochenende Vorermittlungen gegen zwei Schlachtbetriebe ein, die von den französischen Behörden benannt worden seien. Sollte sich ein Betrugsverdacht erhärten, würden die Schuldigen bestraft. Derzeit  sei aber noch nichts erwiesen, betonte Constantin.

    Schwere Schuldzuweisungen

    Der Präsident des rumänischen Verbands der Lebensmittelindustrie  (FSIA), Dragos Frumosu, äußerte am Sonntag starke Zweifel an den Beschuldigungen aus Frankreich. Da es sich um eine bedeutende  Liefermenge handelte, müsse der französische Importeur "entweder mit dem rumänischen Produzenten unter einer Decke stecken oder er hat das Fleisch selbst umetikettiert".


    Auch Sorin Minea, Vorsitzender des Verband der rumänischen  Lebensmittelhändler (Romalimenta), bekundete sein Unverständnis. "Ich bin mir sicher, dass der Importeur wusste, dass es sich nicht  um Rindfleisch handelt", sagte Minea. "Pferdefleisch hat einen  besonderen Geschmack, eine besondere Farbe und eine besondere  Beschaffenheit."


    Nach dem Fund in tiefgefrorener Lasagne in Großbritannien hatte  Findus auch in Frankreich und Schweden Fertiggerichte aus dem  Handel genommen. Die britische Lebensmittelaufsicht ordnete Tests  aller Fertigmahlzeiten an, die laut Verpackung Rindfleisch enthalten.

    Briten würden nie Pferdefleisch essen

    Der Konsum von Pferdefleisch ist auf den britischen Inseln ein Tabu. Großbritanniens Umweltminister Owen Paterson erklärte, er schließe nicht aus, dass es sich "um einen grenzüberschreitenden kriminellen Komplott in betrügerischer Absicht" handele und nicht um die Folge grober Fahrlässigkeit.   

    Die konservative  Unterhausabgeordnete Anne McIntosh, Vorsitzende des britischen  Parlamentsausschusses für Lebensmittelsicherheit, forderte, den Fleischimport aus der gesamten EU sofort einzustellen, bis der  Etikettenschwindel aufgeklärt sei.

    10.02.2013, Quelle: afp
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