von Alfred Krüger
Nutzer in aller Welt vertrauen darauf, dass ihre Skype-Gespräche sicher sind. So etwa in Syrien, wo Regimegegner aus Sicherheitsgründen Festnetz und Mobilfunk meiden. Doch um Aussagen über die Zusammenarbeit mit Behörden drückt sich Skype herum.
Skype spielt im syrischen Bürgerkrieg eine große Rolle. Oppositionelle nutzen den Dienst, um sich ohne staatliche Kontrolle untereinander zu verständigen, mit Journalisten in Kontakt zu treten oder ins Ausland zu telefonieren. Skype sei als Kommunikationsmittel unter syrischen Regimegegnern allgegenwärtig, schreibt etwa die "New York Times".
Skype-Gespräche werden verschlüsseltDer Vorteil von Skype gerade in autoritär regierten Staaten liegt auf der Hand: Der zum Microsoft-Konzern gehörende Dienst gilt prinzipiell als abhörsicher.
Alfred Krüger schreibt für heute.de über Digitales.
Quelle: Alfred Krüger
Alle Gespräche, die Skype-Nutzer miteinander führen, werden automatisch verschlüsselt. Selbst wenn es Dritten gelingen sollte, die Gesprächsdaten mitzuschneiden, könnten sie nichts damit anfangen. Die Verschlüsselung sei nicht zu knacken, sagt Skype.
Kritiker bezweifeln, ob Skype wirklich abhörsicher ist. Sie geben zu bedenken, dass das Unternehmen in China eine spezielle Skype-Version mit einer eingebauten "Hintertür" verbreitet. Sie erlaubt es staatlichen Stellen, Chats, die per Skype geführt werden, automatisch nach "gefährlichen" Worten zu durchsuchen. Eine solche Hintertür gebe es nur in der chinesischen Spezialversion des Dienstes, schreibt Skype-Manager Mark Gillett im offiziellen
Unternehmensblog. Wer in China präsent sein will, müsse sich an die dortigen Gesetze halten.
Gibt Skype Nutzerdaten an autoritäre Staaten weiter?Zweifel an der Integrität des Dienstes werden auch durch unklare Formulierungen in den aktuellen
Datenschutzrichtlinien des Unternehmens genährt. "Skype (…) stellt personenbezogene Daten, Kommunikationsinhalte und/oder Verkehrsdaten Justiz-, Strafvollzugs- oder Regierungsbehörden zur Verfügung, die derartige Informationen rechtmäßig anfordern", heißt es hier. Gilt diese Regelung auch für autoritäre Staaten wie Syrien? heute.de hat bei Skype nachgefragt.
"Skype besitzt eine Datenschutzrichtlinie, die eindeutig die Daten, die gesammelt werden, sowie die Umstände, unter denen sie weitergegeben werden können, beschreibt", erklärte ein Sprecher von Skype. Eine Nachfrage mit der Bitte um Präzisierung blieb ergebnislos. Der Skype-Sprecher verwies lediglich noch einmal allgemein auf die Datenschutzbestimmungen seines Unternehmens. Konkreter wollte er nicht werden.
Offener Brief an MicrosoftIn einem
offenen Brief vom 24. Januar fordern Bürgerrechtler und Internetaktivisten – darunter Reporter ohne Grenzen und die Digitale Gesellschaft – Skype und Mutterkonzern Microsoft auf, in Sachen Datenschutz eindeutig Stellung zu beziehen. Viele Nutzer gerade in autoritär regierten Ländern würden sich darauf verlassen, dass die Kommunikation über Skype abhörsicher sei und keine Daten weitergegeben würden, heißt es in dem Brief.
Dasselbe gelte für Skype-Nutzer, "die privat und vertraulich mit ihren Geschäftspartnern, Freunden und Familien sprechen wollen". Bisher hätten sich Skype und Microsoft zum Thema Datenschutz nur sehr allgemein geäußert, schreiben die Autoren in ihrem Brief. Sie verlangen deshalb, dass das Unternehmen in regelmäßigen Abständen ähnlich wie Google Transparenzberichte veröffentlicht. Darin soll nach Ländern aufgeschlüsselt werden, wie oft Behörden Nutzerdaten angefordert haben und ob Microsoft diesen Anforderungen entsprochen habe. Eine Antwort auf den offenen Brief steht zur Zeit noch aus.
Regimegegner ausspioniertDerweil haben die syrische Regierung und regierungstreue Hackergruppen schon mehrfach versucht, syrische Skype-Nutzer mit Hilfe von Schadprogrammen auszuspionieren. Die Spionageprogramme wurden über Links zu manipulierten Webseiten verbreitet, die über den Skype-Chat gepostet wurden, sagt die finnische Sicherheitsfirma
F-Secure. Unterstützer des Regimes hätten sich als Oppositionelle ausgegeben und sich das Vertrauen ihrer Chatpartner erschlichen. Das sei ihnen gelungen, weil sie Skype-Konten von verhafteten Regimegegnern übernommen hatten.