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50 Jahre Welthungerhilfe
"Wir bauen nicht mehr nur Brunnen"
BildWelthungerhilfe in Darfur
VideoHohe Getreidepreise: Hunger und Profit
VideoDieckmann: "Welthunger bekämpfen"
Genug zu essen für alle - dafür setzt sich seit 50 Jahren die Welthungerhilfe ein. Aber längst mit neuen Methoden: "Wir bauen nicht mehr nur Brunnen. Wir investieren in erneuerbare Energien", sagt Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann im heute.de-Interview.
heute.de: 50 Jahre Welthungerhilfe: Wo sehen Sie die Organisation heute im Vergleich zum Beginn? Ist die Welt seitdem "satter" geworden?Bärbel Dieckmann: Die Welthungerhilfe ist in den vergangenen 50 Jahren stark gewachsen. Wir waren die erste große nicht-konfessionelle Organisation in Deutschland. Unser Schwerpunkt ist geblieben: die Hungerbekämpfung. Unser Anliegen bleibt wichtig, auch wenn die Welt – prozentual gesehen – satter geworden ist. Vor 50 Jahren hungerten knapp unter 30 Prozent der Menschen weltweit, heute sind es 12 bis 13 Prozent. Was sich aber sicher verschärft hat, sind die Folgen von Klimawandel und wir haben Bürgerkriege.
Zur Person
Bärbel Dieckmann ist seit 2008 Präsidentin der Welthungerhilfe.
Seit 1972 ist sie Mitglied der SPD, war sechs Jahre lang Präsidiumsmitglied und zehn Jahre lang Mitglied des Parteivorstandes. Außerdem war Dieckmann von 1994 bis 2009 Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn.
Bärbel Dieckmann ist seit 2008 Präsidentin der Welthungerhilfe.
Seit 1972 ist sie Mitglied der SPD, war sechs Jahre lang Präsidiumsmitglied und zehn Jahre lang Mitglied des Parteivorstandes. Außerdem war Dieckmann von 1994 bis 2009 Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn.
Links
Ackerland im Ausverkauf
www.welthungerhilfe.de
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Land-Grabbing
Land-Grabbing vs. Landnahme
Hinter dem englischen Wort für "Landnahme" versteckt sich mehr, als nur ein Anglizismus: unter "Land-Grabbing" versteht man zwar grundsätzlich auch die Landnahme. Der Begriff wird aber insbesondere im Zusammenhang mit Käufen größerer Landflächen durch ausländische Investoren oder Staaten verwendet.
Im Deutschen vermittelt die Verwendung des Wortes "Land-Grabbing" - im Vergleich zur Landnahme - außerdem häufig den Eindruck einer Aneignung von Land entweder aus zweifelhaften Motiven oder mit zweifelhaften Mitteln.
Richtlinien für Investoren
"Freiwillige Richtlinien spielen eine wichtige Rolle. Dadurch wird die Diskussion über Standards von Agrarinvestitionen vorangetrieben und in den Mittelpunkt gerückt", sagt Kerstin Nolte vom GIGA Leibniz Institut für Globale und Regionale Studien. Oft sei es für den Investor nicht einfach, sich "richtig" zu verhalten. Allerdings blieben es Richtlinien, die nicht bindend sind. Daher könnten sie nicht ein Gesetzeswerk auf Länderebene ersetzen, das auch umgesetzt würde.
"Hier hapert es vor allem in Sub-Sahara-Afrika", so Nolte. Denn Investoren, die sich nicht an freiwillige Richtlinien halten werden, werde es wohl immer geben - insbesondere aus Ländern, in denen es keine aufmerksame Öffentlichkeit gebe, die Ausbeutung durch Landnahmen anprangere.
So kommt Ihre Spende an
Spende ist nicht gleich Spende
Die gebundene Spende geht in ein spezielles - vom Spender ausgesuchtes - Projekt der Welthungerhilfe. Das bedeutet auch, dass der Spender nicht nur entscheidet, wem er sein Geld gibt, sondern auch für was. Besonders bei Hilfsaktionen nach Naturkatastrophen ist das üblich, zum Beispiel in Haiti nach Erdbeben und Hurrikan. Sollte eine Organisation mehr Geld bekommen, als sie für das vom Spender gewünschte Projekt braucht, ist es meist üblich den Rest - wie bei einer freien Spende - auf andere Projekte zu verteilen.
Freie Spenden gehen allgemein der gewählten Hilfsorganisation zu. Die verteilt dann die freien Spendengelder insgesamt auf ihre Projekte. Vorteil: so können auch weniger medienwirksame Projekte weiter finanziert werden.
Summe ist nicht gleich Summe
Spenden können ansteckend sein - im Fall der Welthungerhilfe heißt das, dass sich dem Spender sogenannte Co-Finanzierer anschließen. "Jeder Euro, der gespendet wird, wird dabei vervierfacht, weil wir zu jedem Euro Spende eine Co-Finanzierung von vier bis fünf Euro haben", sagt Präsidentin Dieckmann. "So ist der Etat dann vier bis fünf Mal so groß, wie das Spendenergebnis."
Co-Finanzierer der Welthungerhilfe sind beispielsweise das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Auswärtige Amt (AA), die Europäische Union (EU) oder die Vereinten Nationen. Dort können nämlich durch Spenden öffentliche Gelder beantragt werden.
Spendentopf ist nicht Spendentopf
Von allgemeinen Spenden werden nicht nur Projekte finanziert, sondern meist auch die Hilfsorganisationen selbst. Im Fall der Welthungerhilfe gingen nach eigenen Aussagen im Schnitt 85 Prozent der Spenden aus den vergangenen fünf Jahren direkt in die Projektförderung.
Acht Prozent wurden für Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und für politische Aufklärungsarbeit aufgewandt. Außerdem weitere fünf Prozent für die Qualitätssicherung durch unabhängige Gutachter. Die Ausgaben für Verwaltungsarbeit beliefen sich nach Aussagen der Welthungerhilfe im Schnitt der letzten fünf Jahre auf rund zwei Prozent.
Geld auf Reisen
Ihre Spende landet auf dem Konto der Hilfsorganisation. Nun unterscheiden sich die Wege, auf denen die Spende zum Hilfsprojekt gelangen: bei Organisationen, die vor allem Nothilfe leisten, ist es oft üblich schon "zu Hause" Material oder zum Beispiel Nahrungsmittel einzukaufen. Die werden dann beispielsweise nach Afrika, Südamerika oder Asien transportiert. Auch die Transportkosten werden in solchen Fällen von Spenden bezahlt.
Die Welthungerhilfe verzichte auf den Einkauf von Nahrungsmitteln oder zum Beispiel auch Zelten fast vollkommen, sagt Bärbel Dieckmann: "Grundsätzlich führen wir keine Lebensmittel ein. Es geht uns immer darum, dass die Menschen selbst produzieren können. Die Ausnahme sind eben Nothilfen – und selbst dann kaufen wir, wenn es irgendwie geht, in der Region ein, um die Märkte dort nicht weiter zu zerstören."
Der größte Teil der Spenden würde für Investitionen in der Landwirtschaft und in der Wasserwirtschaft aufgewandt, sagt Dieckmann. "Konkret heißt das: es werden Brunnen gebaut, es werden Felder angelegt, es wird aber auch ausgebildet, um das zu können. Also wir bilden zum Beispiel aus in ökologischem Landbau und im Betrieb von Wassersparsystemen."
Das bedeutet auch: das Geld geht bei der Welthungerhilfe meist nur virtuell auf Reisen - über ein Konto, auf das lokale Helfer am Projektort dann zugreifen, um zu investieren.
Die Welthungerhilfe
Die Welthungerhilfe entstand 1962 als Teil der globalen Kampagne "Freedom from Hunger Campaign". Unter dem Dach der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) gegründet, ist sie heute eine der größten privaten Hilfsorganisationen Deutschlands. Ihre Mitglieder setzen sich nach eigenen Aussagen für eine gesicherte Ernährung aller Menschen ein, für ländliche Entwicklung und den Erhalt natürlicher Ressourcen. Das Leitprinzip ist dabei "Hilfe zur Selbsthilfe". Die Welthungerhilfe ist besonders in Afrika, Asien und Südamerika aktiv. In den 50 Jahren ihres Bestehens förderte sie nach eigenen Angaben mit etwa 2,25 Milliarden Euro rund 4.500 Selbsthilfeprojekte, 1.100 Projekte für Kinder und Jugendliche und über 1.000 Nothilfeprogramme in 70 Ländern.
Die Welthungerhilfe entstand 1962 als Teil der globalen Kampagne "Freedom from Hunger Campaign". Unter dem Dach der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) gegründet, ist sie heute eine der größten privaten Hilfsorganisationen Deutschlands. Ihre Mitglieder setzen sich nach eigenen Aussagen für eine gesicherte Ernährung aller Menschen ein, für ländliche Entwicklung und den Erhalt natürlicher Ressourcen. Das Leitprinzip ist dabei "Hilfe zur Selbsthilfe". Die Welthungerhilfe ist besonders in Afrika, Asien und Südamerika aktiv. In den 50 Jahren ihres Bestehens förderte sie nach eigenen Angaben mit etwa 2,25 Milliarden Euro rund 4.500 Selbsthilfeprojekte, 1.100 Projekte für Kinder und Jugendliche und über 1.000 Nothilfeprogramme in 70 Ländern.



