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23.05.2013

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Zukunft deutscher Werften

"Wir haben Fähigkeiten, die unser Überleben sichern"

  • Bild Die Zukunft deutscher Werften
  • Video P+S Werften stehen zum Verkauf
  • Video Stralsund bangt um Werft
  • BildDie Zukunft deutscher Werften
    Schiffswerft / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    VideoP+S Werften stehen zum Verkauf

    In Mecklenburg-Vorpommern stehen die P+S-Werften in Stralsund und Wolgast zum Verkauf. Am Montag entscheiden die Gläubiger über die Zukunft der insgesamt rund 1.800 Beschäftigten.

    (17.12.2012)
    VideoStralsund bangt um Werft

    Die frühere Volkswerft ist ein Wahrzeichen von Stralsund und seit Jahrzehnten das industrielle Rückgrat für die gesamte Region Vorpommern. Doch jetzt droht die Pleite, 2000 Jobs stehen auf der Kippe.

    (25.08.2012)

    Kurzmeldung

    • Insolvente Peene-Werft findet neuen Besitzer 17:21 17.12.2012
      Die Bremer Lürssen-Werft übernimmt die Wolgaster Peene-Werft zum 1. Mai 2013 mit 360 Mitarbeitern. Der Gläubigerausschuss der insolventen P+S-Werften hat den Verkauf genehmigt. Mit dem Verkauf des Wolgaster Schiffbaubetriebes werden gut zweieinhalb Jahre nach der Verschmelzung die vorpommerschen P+S-Werften aufgespalten. Die Werften hatten im August Insolvenz angemeldet, nachdem Land und Bund eine Rettungsbeihilfe gestoppt hatten. Der Verkauf muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

    Steckt der Schiffbau in der Dauerkrise? Die Wirtschaftskrise nach 2008 sowie die Konkurrenz aus Asien machen den deutschen Werften schwer zu schaffen. Reinhard Lüken vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik ist dennoch optimistisch: "Wir haben Fähigkeiten, die unser Überleben sichern", sagt er im Interview mit heute.de. 

    heute.de: Was macht den deutschen Werften besonders zu schaffen?

    Reinhard Dirk Lüken: Da gibt es mehrere Ursachen. In vielen Ländern, insbesondere in China und Korea, wird der Schiffbau als strategische Industrie betrachtet und entsprechend gefördert. Das befeuert den Aufbau von Überkapazitäten. Es werden also mehr Schiffe produziert als benötigt werden. Auf den Massenmärkten zählte in der Vergangenheit nur ein Argument: der Preis. Wichtige Dinge wie Effizienz spielten dagegen keine Rolle. Das ändert sich derzeit, vor allem wegen der steigenden Energiepreise. Manche Reeder geben an, dass bis zu 70 Prozent ihrer Kosten Spritkosten sind. Verbrauchsärmere und damit effizientere Schiffe werden damit immer mehr zum Thema. Daraus ergeben sich für deutsche Werften und Zulieferer riesige Chancen.

    Ein weiteres Problem ist, dass wir es in Asien mit riesigen Werften zu tun haben, die viel größere Serien herstellen können als wir. Das bringt große Vorteile im Einkauf für den Bau von Standardschiffen. In Europa rechnen sich solche Großwerften aufgrund der höheren Kosten nicht und wären auch aufgrund der hohen Investitionen nicht finanzierbar.

    heute.de: Wie ist die aktuelle Lage? Belastet der langsamer wachsende Welthandel das Geschäft?

    Zur Person
    Dr. Reinhard Lüken

    Reinhard Dirk Lüken ist Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik e.V. (VSM).

    Lüken: Global betrachtet ist die Lage katastrophal. Dabei hat der Gütertransport auf dem Seeweg nur eine kleine Delle erfahren. Das Problem: Die Flotten wachsen stärker als das Transportvolumen. Das führte in diesem Bereich in die schwerste Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Allerdings sind deutsche Werften beim Bau von Standardfrachtschiffen kaum dabei. Die Umorientierung ist abgeschlossen. Abgesehen vom Fährenbereich spielen die deutschen Werften in den Massenmärkten keine Rolle mehr. Dennoch sind wir sind in zweiter Reihe betroffen. Viele Konkurrenten versuchen, in die eine oder andere Nische vorzustoßen, um ihre Kapazitäten auszulasten. Das wird aber schwer.

    heute.de: Können die weltweiten Überkapazitäten existenzbedrohend für deutsche Werften werden?

    Lüken: Ich glaube, die Stimmung ist insgesamt besser, als man angesichts der vielen schlechten Nachrichten denken sollte. Wir hatten eine Reihe spannender neuer Produkte in diesem Jahr (Seismik-Forschungsschiffe, RoRo-Frachter, Windparkserviceschiffe und Kreuzfahrtschiffe). Es hat sogar Personaleinstellungen gegeben. Wenn die Unternehmen Leute einstellen, kann man kaum von Pessimismus sprechen. Ich bin da optimistisch, denn wir haben Fähigkeiten, die unser Überleben langfristig sichern.

    heute.de: Kritiker werfen den deutschen Werften vor, zu lange am herkömmlichen Containerschiffbau festgehalten zu haben, obwohl in diesem Segment die asiatische Konkurrenz billiger und schneller produziert. Ist die Branche zu unflexibel?

    Lüken: Nein, das kann man nun wirklich nicht sagen. Natürlich ist es so, dass man den richtigen Zeitpunkt erwischen muss. Dass einige Anbieter zu lange den Aufwärtstrend bei der Containerschifffahrt ausgekostet haben, ist sicher so, aber insgesamt ist die Branche sehr flexibel. Das Problem ist, dass es keine großen Investitionen gibt. Koreanische Werften sind zum Teil 50-mal größer als die deutsche Konkurrenz.

    heute.de: Viele Anbieter setzen auf Spezialanfertigungen, auf Klasse statt Masse. Wo liegt die Zukunft für die deutschen Werften?

    Lüken: Deutsche Werften verkaufen keine Schiffe aus dem Katalog. Unsere Stärke liegt darin, den Kunden Gesamtlösungen anzubieten, also ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten und dieses dann umzusetzen. Um die Fähigkeiten deutscher Ingenieure beneidet uns die Welt.

    heute.de: Wird es den Deutschen gelingen, sich im Weltmarkt eine Nische zu erhalten?

    Lüken: Ein klares Ja. Es gibt sehr viele attraktive Marktsegmente, mit solidem Wachstumspotenzial. Das setzt aber natürlich eine Verbesserung der generellen Rahmenbedingungen voraus. Der Schiffbau ist eine Branche, die insbesondere in Asien unter starkem staatlichem Einfluss steht. Hinzu kommen die steigenden Energiepreise, die vielen Unternehmen zusätzlich einen Knüppel zwischen die Beine werfen. Bei Projekten, die mehrere Jahre dauern, können solche Kosten schnell in die Millionen gehen. Der Kunde übernimmt diese Kosten nicht und die Gewinnmargen sind nicht eben riesig.

    Auch die gestiegenen Kosten für Leiharbeiter schlagen ins Kontor. Der Schiffbau ist eine Projektbranche. Wir brauchen Flexibilität. Gemeinsam mit der Politik müssen wir Lösungen erarbeiten und dabei die Standortbedingungen immer im Auge behalten und stärken.

    Das Interview führte Jan-Ole Kraksdorf

    17.12.2012, Quelle: ZDF
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