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70 Jahre nach Schlacht

Wolgograd heißt am Gedenktag wieder Stalingrad

  • Video Russen gedenken Schlacht von Stalingrad
  • Interaktiv Momente der Geschichte
  • Video Niederlage in Stalingrad
  • Video Einmal Russland und zurück
  • VideoRussen gedenken Schlacht von Stalingrad

    Heute vor 70 Jahren besiegte die russische Armee die deutsche in der Schlacht von Stalingrad. Die Russen begehen den Tag mit viel Pomp - mit Militärparade, Kranzniederlegungen  und einer kurzzeitigen Namensänderung: Wolgograd heißt am Gedenktag wieder Stalingrad.

    (02.02.2013)
    InteraktivMomente der Geschichte
    Momente der Geschichte / Quelle: ZDF
    (Quelle: ZDF)
    VideoNiederlage in Stalingrad

    Die Vernichtung der deutschen Armee in Stalingrad gilt als Wendepunkt des deutsch-sowjetischen Krieges.

    (06.10.2011)
    VideoEinmal Russland und zurück

    "Die Russen waren von einem Geheimnis umgeben", erzählen Claudia und Marco, die zu DDR-Zeiten russischen Soldaten begegneten. Jetzt brechen sie mit ihren jungen Töchtern ins winterliche Russland auf.

    (25.12.2012)

    Kurzmeldung

    • Kränze und Blumen zum Gedenken an Schlacht von Stalingrad 09:06 02.02.2013
      70 Jahre nach dem Ende der Schlacht von Stalingrad hat das heutige Wolgograd mit einer feierlichen Zeremonie der Hunderttausenden Opfer gedacht. Delegationen aus mehreren Ländern legten am Samstag Kränze und Blumen im Zentrum der Stadt nieder, die für einen Tag offiziell wieder Stalingrad heißt. Auch Kremlchef Wladimir Putin legte einen Kranz an der Gedenkstätte nieder. Für Deutschland nahm Botschafter Ulrich Brandenburg teil. Als Zeichen der Versöhnung reisten außerdem Nachkommen deutscher Stalingrad-Kämpfer in die Wolgastadt.

    "Die Russen können besser verzeihen"

    Heute vor 70 Jahren besiegte die russische Armee die deutsche in der Schlacht von Stalingrad. Die Russen begehen diesen Tag heute mit historischen Paraden und mit stillem Gedenken. Schlechte Gefühle gegen die Deutschen gibt es kaum noch, sagt Friedrich Anders, Leiter eines deutsch-russischen Netzwerks, im heute.de-Interview. 

    heute.de: Der 70. Jahrestag des Sieges über die deutsche Wehrmacht wird in Russland ausgiebig gefeiert, die Weltkriegs-Veteranen als Helden verehrt. Sie haben als Leiter des Alumni-Netzwerkes "Hallo Deutschland!" engen Kontakt zu jungen Russen, die Auslandssemester und Praktika in Deutschland absolviert haben oder sich generell für die Bundesrepublik interessieren. Wie wichtig sind Themen wie Stalingrad und der Zweite Weltkrieg für die junge Generation in Russland?

    Friedrich Anders: Natürlich ist das präsent. Fast jede russische Familie hat mindestens ein Opfer des Zweiten Weltkriegs zu beklagen. Aber in der jungen Generation überwiegt längst ein anderes Bild von Deutschland: Man sieht Deutschland als ein wirtschaftlich starkes Land mit guten Bildungschancen, als eine Möglichkeit im Westen Karriere zu machen. Und die Tatsache, dass es mit den Russland-Deutschen eine große russischsprachige Community in der Bundesrepublik gibt, erleichtert es Russen sich in Deutschland zurechtzufinden.

    heute.de: "Was für einen Russen gut ist, das ist für einen Deutschen tödlich." Das ist ein viel zitiertes Sprichwort, mit dem die Russen immer noch - wenn auch mit einem Augenzwinkern - die Gegensätzlichkeit zum Erzfeind Deutschland zelebrieren. Was erzählen Ihnen junge Russen, die von Aufenthalten aus Deutschland zurückgekehrt sind?

    Dr. Friedrich Anders / Quelle: Deutsch-Russisches Forum e.V.

    Dr. Friedrich Anders studierte in Bonn und Berlin Verwaltungswissenschaften und Geschichte und hat im Auswärtigen Amt gearbeitet. Seit 2010 leitet er das Büro des Deutsch-Russischen Forums e.V. in Moskau.

    Anders: Von feindlichen Gefühlen ist da keine Rede. Viele junge Russen fühlen sich benachteiligt oder minderwertig. Sie denken: "Wir Russen haben den Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland gewonnen, aber nun geht es Deutschland wirtschaftlich und in jeder Hinsicht so viel besser." Sie fragen sich, was schiefgelaufen ist in ihrem Land. Das ist keine Feindschaft, sondern ein Reflektieren über das eigene Land.

    heute.de: Wer als Deutscher in Russland mit Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg spricht, bekommt von ihnen immer wieder - fast entschuldigend - erzählt, dass sie damals nicht die Deutschen bekämpft hätten, sondern den Faschismus. Es scheint selbst den russischen Veteranen erstaunlich leicht zu fallen mit dem heutigen Deutschland umzugehen.

    Anders: Ich habe auch den Eindruck, dass die geschichtsbedingten Ressentiments gegenüber Russland auf deutscher Seite größer sind als umgekehrt. Die Russen können wohl tatsächlich besser verzeihen – das mag an der viel zitierten russischen Seele liegen und auch daran, dass verzeihen leichter ist, wenn man den Krieg gewonnen hat. Vor allem aber erkennen die Menschen in Russland an, wie weit Deutschland sich entwickelt hat in den vergangenen Jahrzehnten.

    Alumni-Netzwerk "Hallo Deutschland!"

    In Kooperation mit der Deutschen Botschaft Moskau und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) organisiert das Deutsch-Russische Forum seit 2001 das Alumni-Netzwerk "Hallo Deutschland!". Das Netzwerk will russischen Absolventen deutscher Förderinstitutionen die Möglichkeit geben sich auch nach ihrer Zeit in Deutschland weiterzubilden und mit deutschen Institutionen und Unternehmen in Kontakt zu kommen. Derzeit steht "Hallo Deutschland" mit über 10.000 Alumni in Kontakt.


    heute.de: Vor ein paar Wochen wurde der 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages - des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages - ausgiebig gefeiert. Im Vergleich scheinen die deutsch-russischen Beziehungen hinterherzuhinken.


    Anders: In den russisch-deutschen Beziehungen muss noch einiges passieren. Aber das ist auch eine Frage der Zeit: die französisch-deutsche Völkerfreundschaft hatte 30 Jahre mehr Zeit, sich zu entwickeln. Die deutsch-russischen Beziehungen konnten sich ja erst seit dem Ende des Kalten Krieges vor rund 20 Jahren frei entwickeln. Austausch und Begegnungen zwischen jungen Russen und Deutschen müssen weiter systematisiert werden – finanziert von beiden Regierungen. Das deutsch-französische Jugendwerk oder das deutsch-polnische Jugendwerk sollten da Vorbild sein. Es gibt auch schon Finanzierungszusagen von der russischen Regierung.

    Aber es müsste in Deutschland generell viel mehr Möglichkeiten geben Russisch zu lernen, das ist ein großes Problem. Auch in Ostdeutschland, wo es nach Ende der DDR und der sowjetischen Vorherrschaft einen großen, verständlichen Bruch gegeben hat im Verhältnis zu Russland und der Beschäftigung mit der russischen Sprache, muss man das Interesse bei den jungen Menschen neu wecken. Eine weitere Hürde ist der Visumszwang auf beiden Seiten.

    Die Schlacht von Stalingrad

    Die Reste der deutschen 6. Armee hatten am 2. Februar 1943 in Stalingrad vor den sowjetischen Truppen kapituliert. Der Sieg der Roten Armee gilt als ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. In der monatelangen Schlacht fielen mindestens 700.000 Soldaten.

    heute.de: Aber es muss ja auch ein grundsätzliches Interesse bei Schülern und Studenten bestehen – und da hat Russland offensichtliche Nachteile gegenüber einem Land wie Frankreich zum Beispiel.

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    Anders: Russland ist für viele Deutsche sehr weit weg, gerade für die junge Generation. Nur sehr wenige deutsche Studierende gehen nach Russland – laut Statistik nur ca. 1.000 pro Jahr. Das ist erschreckend wenig – vor allem wenn man bedenkt, dass rund 12.000 Russen jährlich zum Studium nach Deutschland gehen. Das hat sicher auch mit dem Russland-Bild zu tun, das in Deutschland vorherrscht. Russland präsentiert sich nicht sexy oder es wird in den Medien nicht sexy präsentiert. Insgesamt sind die Deutschen heute den Russen gegenüber vorurteilsbeladener als andersrum. Es überwiegen Skepsis und Vorurteile.

    heute.de: Aber die russische Führung macht es den Deutschen ja auch nicht gerade leicht ein positives Bild von Russland zu bekommen. Vor allem in Präsident Putins dritter Amtszeit hat es von Anfang an viele Repressionen gegen Systemkritiker gegeben, die Verurteilung der Frauen von Pussy Riot zu zwei Jahren Haft hat für Aufsehen gesorgt. Warum sollten sich Ihrer Meinung nach junge Menschen in Deutschland trotzdem für Russland interessieren?

    Stichwort: Deutsch-Russisches Forum

    Das Deutsch-Russische Forum ist ein Verein, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland fördern will. Es organisiert den jährlichen Petersburger Dialog, das deutsch-russische Gesprächsforum, das Gerhard Schröder und Wladimir Putin 2001 ins Leben gerufen haben. Schüler- und Jugendaustausch, sowie die Organisation von Praktika für Journalisten gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Forums. Finanziert wird das Deutsch-Russische Forum vor allem von großen deutschen Unternehmen. Nach eigenen Angaben hat der Verein derzeit über 300 Mitglieder: 47 Prozent stammen aus Wirtschaft, die übrigen aus Politik, Wissenschaft, Medien, Gewerkschaften und Verbänden.

    Anders: Für deutsche Studierende und Schüler bietet Russland sehr gute Chancen. Deutsche Unternehmen suchen händeringend Personal mit russischen Sprachkenntnissen. Russland ist nun mal ein großer Markt für Unternehmen aus Deutschland. Aber vom rein wirtschaftlichen Nutzen abgesehen: Russland ist ein faszinierendes, großes und europäisches Land. Man sollte sich nicht auf die zweifellos bestehenden Defizite konzentrieren, sondern auch andere Facetten von Russland sehen.

    heute.de: Das Deutsch-Russische Forum, zu dem auch "Hallo Deutschland!" gehört, wird zu einem Großteil von deutschen Unternehmen finanziert, die in Russland tätig sind. Haben Sie nicht das Gefühl, dass die deutschen Wirtschaftsinteressen insgesamt eine kritischere Auseinandersetzung mit Russland in der Bundesrepublik verhindern?

    Anders: Alle Nichtregierungsorganisationen sind auf Gelder aus der Wirtschaft angewiesen. Und es ist ja durchaus auch im Interesse der Wirtschaft, dass kritische Fragen offen angesprochen werden.

    Das Interview führte Mareike Aden

    02.02.2013
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