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70 Jahre nach Schlacht
Wolgograd heißt am Gedenktag wieder Stalingrad
VideoRussen gedenken Schlacht von Stalingrad
InteraktivMomente der Geschichte
VideoNiederlage in Stalingrad
VideoEinmal Russland und zurück
"Die Russen können besser verzeihen"
Heute vor 70 Jahren besiegte die russische Armee die deutsche in der Schlacht von Stalingrad. Die Russen begehen diesen Tag heute mit historischen Paraden und mit stillem Gedenken. Schlechte Gefühle gegen die Deutschen gibt es kaum noch, sagt Friedrich Anders, Leiter eines deutsch-russischen Netzwerks, im heute.de-Interview.
heute.de: Der 70. Jahrestag des Sieges über die deutsche Wehrmacht wird in Russland ausgiebig gefeiert, die Weltkriegs-Veteranen als Helden verehrt. Sie haben als Leiter des Alumni-Netzwerkes "Hallo Deutschland!" engen Kontakt zu jungen Russen, die Auslandssemester und Praktika in Deutschland absolviert haben oder sich generell für die Bundesrepublik interessieren. Wie wichtig sind Themen wie Stalingrad und der Zweite Weltkrieg für die junge Generation in Russland?Friedrich Anders: Natürlich ist das präsent. Fast jede russische Familie hat mindestens ein Opfer des Zweiten Weltkriegs zu beklagen. Aber in der jungen Generation überwiegt längst ein anderes Bild von Deutschland: Man sieht Deutschland als ein wirtschaftlich starkes Land mit guten Bildungschancen, als eine Möglichkeit im Westen Karriere zu machen. Und die Tatsache, dass es mit den Russland-Deutschen eine große russischsprachige Community in der Bundesrepublik gibt, erleichtert es Russen sich in Deutschland zurechtzufinden.heute.de: "Was für einen Russen gut ist, das ist für einen Deutschen tödlich." Das ist ein viel zitiertes Sprichwort, mit dem die Russen immer noch - wenn auch mit einem Augenzwinkern - die Gegensätzlichkeit zum Erzfeind Deutschland zelebrieren. Was erzählen Ihnen junge Russen, die von Aufenthalten aus Deutschland zurückgekehrt sind?
Dr. Friedrich Anders studierte in Bonn und Berlin Verwaltungswissenschaften und Geschichte und hat im Auswärtigen Amt gearbeitet. Seit 2010 leitet er das Büro des Deutsch-Russischen Forums e.V. in Moskau.
Dr. Friedrich Anders studierte in Bonn und Berlin Verwaltungswissenschaften und Geschichte und hat im Auswärtigen Amt gearbeitet. Seit 2010 leitet er das Büro des Deutsch-Russischen Forums e.V. in Moskau.
Alumni-Netzwerk "Hallo Deutschland!"
In Kooperation mit der Deutschen Botschaft Moskau und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) organisiert das Deutsch-Russische Forum seit 2001 das Alumni-Netzwerk "Hallo Deutschland!". Das Netzwerk will russischen Absolventen deutscher Förderinstitutionen die Möglichkeit geben sich auch nach ihrer Zeit in Deutschland weiterzubilden und mit deutschen Institutionen und Unternehmen in Kontakt zu kommen. Derzeit steht "Hallo Deutschland" mit über 10.000 Alumni in Kontakt.
In Kooperation mit der Deutschen Botschaft Moskau und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) organisiert das Deutsch-Russische Forum seit 2001 das Alumni-Netzwerk "Hallo Deutschland!". Das Netzwerk will russischen Absolventen deutscher Förderinstitutionen die Möglichkeit geben sich auch nach ihrer Zeit in Deutschland weiterzubilden und mit deutschen Institutionen und Unternehmen in Kontakt zu kommen. Derzeit steht "Hallo Deutschland" mit über 10.000 Alumni in Kontakt.
heute.de: Vor ein paar Wochen wurde der 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages - des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages - ausgiebig gefeiert. Im Vergleich scheinen die deutsch-russischen Beziehungen hinterherzuhinken.
Anders: In den russisch-deutschen Beziehungen muss noch einiges passieren. Aber das ist auch eine Frage der Zeit: die französisch-deutsche Völkerfreundschaft hatte 30 Jahre mehr Zeit, sich zu entwickeln. Die deutsch-russischen Beziehungen konnten sich ja erst seit dem Ende des Kalten Krieges vor rund 20 Jahren frei entwickeln. Austausch und Begegnungen zwischen jungen Russen und Deutschen müssen weiter systematisiert werden – finanziert von beiden Regierungen. Das deutsch-französische Jugendwerk oder das deutsch-polnische Jugendwerk sollten da Vorbild sein. Es gibt auch schon Finanzierungszusagen von der russischen Regierung.Aber es müsste in Deutschland generell viel mehr Möglichkeiten geben Russisch zu lernen, das ist ein großes Problem. Auch in Ostdeutschland, wo es nach Ende der DDR und der sowjetischen Vorherrschaft einen großen, verständlichen Bruch gegeben hat im Verhältnis zu Russland und der Beschäftigung mit der russischen Sprache, muss man das Interesse bei den jungen Menschen neu wecken. Eine weitere Hürde ist der Visumszwang auf beiden Seiten.
Die Schlacht von Stalingrad
Die Reste der deutschen 6. Armee hatten am 2. Februar 1943 in Stalingrad vor den sowjetischen Truppen kapituliert. Der Sieg der Roten Armee gilt als ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. In der monatelangen Schlacht fielen mindestens 700.000 Soldaten.
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heute.de: Aber die russische Führung macht es den Deutschen ja auch nicht gerade leicht ein positives Bild von Russland zu bekommen. Vor allem in Präsident Putins dritter Amtszeit hat es von Anfang an viele Repressionen gegen Systemkritiker gegeben, die Verurteilung der Frauen von Pussy Riot zu zwei Jahren Haft hat für Aufsehen gesorgt. Warum sollten sich Ihrer Meinung nach junge Menschen in Deutschland trotzdem für Russland interessieren?
Stichwort: Deutsch-Russisches Forum
Das Deutsch-Russische Forum ist ein Verein, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland fördern will. Es organisiert den jährlichen Petersburger Dialog, das deutsch-russische Gesprächsforum, das Gerhard Schröder und Wladimir Putin 2001 ins Leben gerufen haben. Schüler- und Jugendaustausch, sowie die Organisation von Praktika für Journalisten gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Forums. Finanziert wird das Deutsch-Russische Forum vor allem von großen deutschen Unternehmen. Nach eigenen Angaben hat der Verein derzeit über 300 Mitglieder: 47 Prozent stammen aus Wirtschaft, die übrigen aus Politik, Wissenschaft, Medien, Gewerkschaften und Verbänden.
Das Deutsch-Russische Forum ist ein Verein, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland fördern will. Es organisiert den jährlichen Petersburger Dialog, das deutsch-russische Gesprächsforum, das Gerhard Schröder und Wladimir Putin 2001 ins Leben gerufen haben. Schüler- und Jugendaustausch, sowie die Organisation von Praktika für Journalisten gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Forums. Finanziert wird das Deutsch-Russische Forum vor allem von großen deutschen Unternehmen. Nach eigenen Angaben hat der Verein derzeit über 300 Mitglieder: 47 Prozent stammen aus Wirtschaft, die übrigen aus Politik, Wissenschaft, Medien, Gewerkschaften und Verbänden.



