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WISO aktualisiert am 29.10
Outdoorkleidung: Giftige Chemikalien
VideoGiftige Chemikalien in Outdoorjacken
VideoChemikalien in Outdoor-Kleidung
VideoGifte in Outdoor-Bekleidung
VideoOutdoor-Jacken im Test
Wasserdicht, aber zu welchem Preis?
Der Herbst naht. Wanderfreunde stehen in den Startlöchern, die Natur und Umgebung zu erkunden. Um bei dem herbstlichen Wetter gut ausgerüstet zu sein, ist die richtige Kleidung wichtig. Outdoor-Bekleidung ist wasser- und winddicht. Dafür werden immer noch so genannte Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) verarbeitet, die aber nicht unbedenklich sind.
Funktionskleidung soll sicherstellen, dass bei körperlicher Anstrengung der Schweiß nach außen transportiert wird und zugleich bei Regen die Unterbekleidung nicht nass wird. Um eine 100-prozentige Wind- und Wasserdichte zu erlangen, werden die Kunstfasern chemisch behandelt. PFC kommt in der Natur nicht vor. Es wird künstlich hergestellt und findet zum Beispiel auch in Antihaft-Beschichtungen für Pfannen oder in Schäumen zum Feuerlöschen Anwendung.Die giftigsten Vertreter dieser Stoffe sind die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroktansäure, das so genannte PFOA. Sie bauen sich nicht ab, reichern sich im Körper an und sind toxisch. Im Auftrag des Umweltbundesamtes wurden in einer Stichprobe 15 Outdoor-Jacken von der Hochschule Fresenius untersucht: In allen Jacken wurde das gefährliche PFOA gefunden.Greenpeace bemängelt Chemie-Einsatz
Auch Greenpeace hat aus diesem Grund 14 Outdoor-Jacken und Hosen für Damen und Kinder getestet: Zwei unabhängige Labore prüften im Auftrag von Greenpeace auf Chemikalien (PFC) und weitere Schadstoffe. Alle getesteten Marken wiesen PFC in der Beschichtung und den Membranen ihrer Produkte auf.In den Produkten von "Jack Wolfskin", "The North Face", "Patagonia", "Kaikkialla" und "Marmot" fanden die Tester die giftige Perfluoroktansäure in auffälligen Konzentrationen. Hohe Werte von gesundheitsschädlichen Fluortelomeralkoholen wurden hingegen in den Jacken von "Mammut" und "Vaude" festgestellt. Besorgniserregend sind auch die Test-Ergebnisse der hormonell wirksamen Nonylphenolethoxylate (NPE) und Weichmacher (Phthalate): Der höchste NPE-Gehalt im Test wurde in einer Kinder-Regenjacke von "Seven Summits" gefunden. Den höchsten Phthalat-Wert entdeckten die Tester in einem Kinder-Poncho von "Northland".
Lücke im Textilkennzeichnungsgesetz
Welche Chemikalien die Hersteller einsetzen, bleibt meist deren Geheimnis. Die größte Lücke im Textilkennzeichnungsgesetz: Über Pestizide, gesundheitsschädliche Farben, optische Aufheller, Kunstharze, Schwermetalle oder den Wasserverbrauch bei der Produktion erfahren Verbraucher auf den Etiketten im Kleidungsstück nichts.
Welche Chemikalien die Hersteller einsetzen, bleibt meist deren Geheimnis. Die größte Lücke im Textilkennzeichnungsgesetz: Über Pestizide, gesundheitsschädliche Farben, optische Aufheller, Kunstharze, Schwermetalle oder den Wasserverbrauch bei der Produktion erfahren Verbraucher auf den Etiketten im Kleidungsstück nichts.
Gibt es PFC-freie Alternativen?
Die Outdoorstoffe von Sympatex sind PFC-frei. Bei Sympatex wird eine dünne Membran auf die Stoffe für Bekleidung und Schuhe aufgetragen, die vor Feuchtigkeit schützt. Die Membran ist porenlos und besteht aus unbedenklichem Polyetherester. Sympatex-Textilien sind wie eine PET-Flasche recycelbar.
Wie wird die Wasserdichte gemessen?
Die Wasserdichte eines Materials wird anhand der Wassersäule gemessen, unter deren Druck das Material beginnt, Wasser durchzulassen. Liegt der Druck über 1300 mm, ist das Kleidungsstück laut DIN EN 343 wasserdicht. Bei Werten zwischen 400 und 1300 mm ist das Textil lediglich wasserabweisend.
Die Wasserdichte eines Materials wird anhand der Wassersäule gemessen, unter deren Druck das Material beginnt, Wasser durchzulassen. Liegt der Druck über 1300 mm, ist das Kleidungsstück laut DIN EN 343 wasserdicht. Bei Werten zwischen 400 und 1300 mm ist das Textil lediglich wasserabweisend.
Produktion von Textilien
Veredeln
95 Prozent der in Deutschland verkauften Textilien kommen aus Billiglohnländern, zum größten Teil aus China, der Türkei und Bangladesch. Dort werden geerntete Rohstoffe mit viel Aufwand weiterverarbeitet: Erst nach zehn bis 20 Arbeitsgängen hängt ein neues Kleid am Bügel. Die Industrie setzt dabei weltweit bis zu 8000 Hilfsmittel und rund 4000 Farbstoffe ein. Die verschmutzen das Wasser und gefährden die Gesundheit der Arbeiter. Doch auch in der Kleidung, die wir hier kaufen, können noch geringe Mengen Chemikalien stecken, die sich herauslösen und die Umwelt belasten.
Färben
Jeder Textil-Rohstoff muss mit speziellen Farbstoffen gefärbt werden. Problematisch sind dabei nicht nur der hohe Wasser- und Energieverbrauch, sondern auch die Inhaltsstoffe. Azofarbstoffe zum Beispiel sorgen bei rund 60 Prozent der gefärbten Textilien für kräftige Farben, die Herstellung ist sehr materialintensiv: Für 100 Kilogramm Rot fallen 770 Kilo Abfall an. Wenn Azofarbstoffe auf die Haut oder in den Körper gelangen, können sie Krebs auslösen. Die Umweltauflagen für die Produktion in Europa sind zwar streng – nützen aber wenig, weil der Großteil unserer Bekleidung aus Asien kommt. Dort entlassen Färbereien farbbelastete und schwermetallhaltige Abwässer oft immer noch einfach in die Umwelt.
Ausrüsten
Socken und Sportbekleidung enthalten meist einen Cocktail umstrittener Chemikalien wie Triclosan, die nicht nur Krankheitskeime, sondern auch "nützliche" Hautbakterien angreifen. Knisternde Kunstfasern werden mit Tensiden überzogen, die die Ladung ableiten. Wolle wird häufig mit Kunstharz überzogen, damit sich die Fasern nicht verhaken. Auch rund 90 Prozent aller konventionell hergestellten Baumwolltextilien sind mit Kunstharz behandelt. Der aber führt dazu, dass sich die Stoffe anders anfühlen . Deswegen werden wiederum Weichmacher eingesetzt. Bei dieser chemischen Veredlung fallen große Mengen belastender Abwässer an.
Konservieren
Damit Fasern während des Transports nicht schimmeln, muffeln oder von Schädlingen angefressen werden, werden sie zusätzlich behandelt, teilweise mit antibakteriellen Mitteln wie dem giftigen Formaldehyd. Dessen Gebrauch muss erst ab einer hohen Schwelle gekennzeichnet werden.



