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25.05.2013

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Armut

Die Gier nach Land

  • Bild Kleinbauer gegen Investoren
  • Infografik Weltweites Land Grabbing
  • Interaktiv Weltweiter Beutezug
  • Grafik Der Welthungerindex
  • BildKleinbauer gegen Investoren
    Kleinbauer repariert Zaun / Quelle: imago
    (Quelle: imago)
    InfografikWeltweites Land Grabbing
    (Quelle: ZDF)
    InteraktivWeltweiter Beutezug

    Claus Kleber: Der Klimawandel verstärkt den Ansturm auf die Bodenschätze. Inzwischen zählt für immer mehr Staaten einfach nur Landbesitz.

    GrafikDer Welthungerindex
    Interaktiv: Welthungerindex / Quelle: zdf
    (Quelle: zdf)

     von Bernd Schmitt

    In den letzten Jahren haben Investoren weltweit geschätzt 80 Millionen Hektar Land gekauft oder gepachtet, um dort Pflanzen anzubauen und zu exportieren - vor allem in Afrika. Die einen sehen das als Entwicklungschance für arme Länder. Für andere ist es der Inbegriff einer neuen Kolonisation.

    Sendehinweis

    Doku: Ausverkauf in Afrika - um 0.45 Uhr im ZDF

    Die Weltbank und andere Befürworter solcher Investitionen wollen mit ausländischen Agrarinvestitionen die Entwicklung in oft bitterarmen ländlichen Räumen beschleunigen - betroffen sind mittlerweile gut fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen weltweit. Kritiker wie zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen nennen das Phänomen "Land Grabbing" (Landraub, Landnahme). Sie befürchten, dass so das weltweite Hungerleiden verschärft und die einheimische Bevölkerung benachteiligt wird.

    "Traditionelle Rechte übersehen"

    Sie empfehlen, lieber den gemeinsamen Anbau von Getreide beispielsweise in Genossenschaften voranzutreiben. Denn ob Schnittblumen oder Ölpalmen - was auf den gepachteten Flächen angebaut wird, kommt den Armen oft nicht zugute. "Dadurch kommt es zu erheblichen Steigerungen bei Landpreisen. Traditionelle Zugangsrechte besonders armer Bevölkerungsgruppen werden bei den Landtransfers oft genauso übersehen wie von Frauen geführte Betriebe", sagt Michael Windfuhr vom Deutschen Institut für Menschenrechte.

    Prof. Jann Lay

    Dabei muss das Engagement eines fremden Investors nicht zwangsläufig Schlechtes bedeuten: Es kann ja sein, dass er Straßen ausbaut, Schulen und Krankenhäuser gründet und bei größeren Infrastrukturprojekten hilft - wie zum Beispiel in Kenia beim Ausbau des Hafens in Lamu geschehen. "In Indonesien etwa werden Investoren im Palmölsektor, die oft aus dem eigenen Land stammen, auch dazu verpflichtet, Bauern unter Vertrag zu nehmen", sagt Professor Jann Lay vom GIGA Leibniz Institut für Globale und Regionale Studien. Nicht nur hier gelte dieses Modell als Möglichkeit, lokale Bauern stärker an Gewinnen teilhaben zu lassen. "Dadurch haben Bauern zum Beispiel Zugang zu Maschinen und neuen Produktionstechniken. Untersuchungen deuten darauf hin, dass das positive Effekte auf das Einkommen der Bauern hat - das ist allerdings nicht unumstritten."

    Die Haken an der Sache

    Bei Verhandlungen über große Agrarinvestitionen werden die Interessen der Kleinbauern aber oft nicht ausreichend berücksichtigt. Verträge und Verhandlungsprozesse bleiben undurchschaubar, Preise für Investoren sind zu niedrig, die vorherigen Nutzer des Landes werden nicht einmal gefragt. "Bei nicht wenigen Landaneignungen kommt es zu Zwangsräumungen und Vertreibungen von Gruppen, die keine rechtliche Absicherung ihrer Landrechte nachweisen können", erklärt Windfuhr.
    Links
    Kampf ums Ackerland
    Kommentar: Bodenpolitik
    Wie sich die Parteien in Verhandlungen einigen, hängt vor allem davon ab, wer sich gegenübersitzt. Entweder verhandeln die Investoren direkt mit Regierungen, die oft nicht für eindeutige Besitzverhältnisse sorgen. So wird Land verpachtet, bei dem gar nicht klar ist, wem es überhaupt gehört.

    Fakten zum Land Grabbing

    Risiko Ernteausfall

    Wer in der Vertragslandwirtschaft das Risiko eines Ernteausfalls trägt, hängt an den genauen Modalitäten des Vertrags. "Es ist nicht unüblich, dann dem Bauern die Rückzahlung eines Kredits zu erlassen" sagt Kerstin Nolte vom GIGA Leibniz Institut für Globale und Regionale Studien. Der Bauer ist dann zumindest nicht verschuldet, ihn trifft allerdings der Ernteausfall unter Umständen voll. Der Investor verliert ebenso durch den Ernteausfall - ist aber in der Regel besser in der Lage, einen solchen Ausfall abzufedern.

    Die Rolle von Biokraftstoffen und der EU

    Verlässliche Zahlen zur Rolle von Biokraftstoffen bei Landnahmen gibt es nicht - auch weil Investoren sich immer wieder für neue Anbaupflanzen entscheiden können. "Unsere ersten Analysen zeigen, dass Biokraftstoffe eine wichtige Rolle spielen - und sogenante Flexcrops, die sowohl für Nahrungsmittel als auch für Biokraftstoffe genutzt werden können", sagt Kerstin Nolte vom GIGA Leibniz Institut für Globale und Regionale Studien. "Diese beiden Gruppen machen in etwa die Hälfte der erfassten Deals aus. Nahrungsmittel bleiben also das Hauptmotiv für Agrarinvestitionen." Es scheine so, als würden vor allem viele Projekte mit Jatropha - eine der effektivsten Ölpflanzen - wegen falscher Erwartungen seitens der Investoren scheitern.  Die Förderung von Biokraftstoffen durch die EU erhöht grundsätzlich die Nachfrage nach Agrarfläche. "Diese fehlgeleitete Politik, die dadurch Nahrungsmittelpreise verteuert, muss unbedingt revidiert werden", so Nolte.

    Richtlinien für Investoren

    "Freiwillige Richtlinien spielen eine wichtige Rolle. Dadurch wird die Diskussion über Standards von Agrarinvestitionen vorangetrieben und in den Mittelpunkt gerückt", sagt Kerstin Nolte vom GIGA Leibniz Institut für Globale und Regionale Studien. Oft sei es für den Investor nicht einfach, sich "richtig" zu verhalten. Allerdings blieben es Richtlinien, die nicht bindend sind. Daher könnten sie nicht ein Gesetzeswerk auf Länderebene ersetzen, das auch umgesetzt würde. "Hier hapert es vor allem in Sub-Sahara-Afrika", so Nolte. Denn Investoren, die sich nicht an freiwillige Richtlinien halten werden, werde es wohl immer geben - insbesondere aus Ländern, in denen es keine aufmerksame Öffentlichkeit gebe, die Ausbeutung durch Landnahmen anprangere.

    Korruption am Verhandlungstisch

    Oder die Investoren verhandeln vor Ort. Beispiel Sambia: Seit 1995 ist es für Investoren möglich, für Gemeinschaftsland einen Pachtvertrag über 99 Jahre zu bekommen - mit Einverständnis des Dorfvorstehers. Diese Regelung verleiht diesen "Chiefs" eine hohe Verhandlungsmacht. "Manche nutzen diesen Verhandlungsspielraum auch zu ihrem eigenen Vorteil - so landen Geld oder teure Geschenke bei ihnen", sagt Lay. "Empirische Studien liefern Hinweise darauf, dass Investitionen eher in Länder mit hohem Korruptionsniveau fließen." Das wiederum könne als Zeichen dafür gewertet werden, dass Korruption im Zusammenhang mit großflächigen Agrarinvestitionen eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

    Dazu kommt noch: Nur wenn auf den verpachteten Flächen tatsächlich Nahrungsmittel angebaut werden, die auf den lokalen Märkten verkauft werden, ist das gut für die Region. Oft genug werden aber Energiepflanzen angebaut. Die Ernte wird dann komplett zu Treibstoff verarbeitet, der nach China, Indien, Europa oder in die USA importiert wird und unter anderem als E10 an den deutschen Tankstellen auftaucht. Und manchmal spekulieren Fonds auch einfach nur mit dem Land; angesichts der steigenden Weltbevölkerung hoffen sie auf eine Wertsteigerung des Landes durch knappere Flächen.

    Richtlinien gegen Ausbeutung

    Links
    Thementag "Why poverty?"
    Arte-Seite "Why poverty?"
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    Immerhin tut sich etwas: Im Mai 2012 hat die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) Richtlinien gegen eine Ausbeutung der Agrarressourcen armer Länder verabschiedet. Diese Richtlinien verlangen unter anderem von den Mitgliedsstaaten volle Transparenz beim Verkauf oder der Verpachtung von Land, die örtliche Bevölkerung zu konsultieren und die Rechte von Frauen auf Landbesitz zu verteidigen.

    Nutzen werden solche Leitlinien den Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern nur, wenn sie von Nichtregierungsorganisationen, engagierten Beamten und Politikern beobachtet und durchgesetzt werden.

    Ausverkauf in Afrika

    Kampf ums Ackerland - Doku

    27.11.2012, Quelle: epd, afp, GIGA-Institut, Institut f. Menschenrechte
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