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Verzögerte ICE-Lieferung

Ramsauer "stocksauer" auf Bahn und Siemens

  • Video Bahn muss auf neue Züge warten
  • Video Deutsche Bahn: Preiserhöhungen im Winter
  • VideoBahn muss auf neue Züge warten
    (22.11.2012)
    VideoDeutsche Bahn: Preiserhöhungen im Winter
    (25.09.2012)
    Die Bahn muss im Winter auf die versprochenen neuen acht ICE-Züge von Siemens verzichten. Um mindestens zwei Monate verzögert sich die für Anfang Dezember zugesagte Auslieferung. Der Bahn geht so ihre Reserve für witterungsbedingte Ausfälle im Winter verloren. Verkehrsminister Ramsauer reagierte "stocksauer".

    Für die Bahn ist es kurz vor dem Winter ein empfindlicher Rückschlag:  Grund sind acht ICE-Züge, die der Hersteller Siemens nicht wie zugesagt Anfang Dezember einsatzbereit liefern kann. "Unsere Kunden fühlen sich von Siemens im Stich
    gelassen", sagte Fernverkehrschef Berthold Huber in Berlin. Die Deutsche Bahn hätte die acht Züge gerade im Weihnachtsverkehr "sehr gut gebrauchen können".

    Fehlerhafte Software

    Nach der kurzfristigen Absage rechnet die Bahn frühestens in zwei Monaten mit dem Einsatz der ICE vom Typ Velaro. Fehlerhafte Computerprogramme für die Zugsteuerung müssten überarbeitet und nochmals geprüft werden, sagte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer in Berlin: "Das geht nicht in Tagen oder Wochen." Die acht ICE 3 des
    Typs Velaro sollten eigentlich Anfang Dezember einsatzbereit sein. Siemens machte die neuerliche Lieferverzögerung am Mittwochabend öffentlich.
    Der ICE3

    ... ist als jüngster Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn seit dem Jahr 2001 im Einsatz. Er hat je nach Baureihe 413 bis 432 Sitzplätze und schafft ein Spitzentempo von 330 Stundenkilometern. Bis zu 300 Stundenkilometer fährt er auf den Abschnitten Köln-Frankfurt und Nürnberg-Ingolstadt. 50 ICE 3 der Baureihe 403 sind vom Ruhrgebiet über die Rhein-Main-Region bis nach Stuttgart und München unterwegs. 14 Züge der Baureihe 406 fahren über die Grenze bis nach Amsterdam, Brüssel oder Paris.


    Für den neuen Fahrplan, der vom 9. Dezember an gilt, habe der spätere Einsatz keine Konsequenzen, sagte Fernverkehrschef Huber. Ursprünglich sollten 16 der neuen ICE bereits vor einem Jahr ihren Betrieb aufnehmen.

    Ramsauer "stocksauer"

    Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sei "stocksauer, weil feste Zusagen von allerhöchster Ebene nicht eingehalten worden sind", hieß es aus seinem Hause. Im Mai hatte Ramsauer sich mit Bahnchef Rüdiger Grube und Siemens-Manager Hans-Jörg Grundmann getroffen. Dabei wurde der jetzt geplatzte Liefertermin festgezurrt.

    Kefer berichtete, die Software-Mängel in den ICE seien bei Testfahrten vom 2. bis 5. November entdeckt worden. Zwei Programme für die Zugsteuerung funktionierten nicht wie vorgesehen. Zum einen riss die Verbindung zur Leit- und Sicherungstechnik während der Fahrt ab. Außerdem gab es Probleme bei der Kommunikation zwischen vorderem und hinterem Zugteil. Nachdem die Experten und ein Gutachter auch mit Hilfsprogrammen keinen Erfolg gehabt hätten, sei am Dienstag entschieden worden, die Software von Grund auf zu überarbeiten. Dies setzt nun wieder eine längeren Phase der Entwicklung und Genehmigung in Gang.

    Zulassung in Nachbarstaaten später

    Huber sagte, er rechne damit, dass alle 16 Velaro-ICE im kommenden Jahr nach und nach ausgeliefert würden. Der Software-Fehler habe keinen Einfluss auf die Produktion der anderen bestellten Züge. Allerdings verzögerten sich auch die Zulassungsverfahren in Nachbarstaaten. So könnten die Züge voraussichtlich erst 2015 durch Belgien und 2016 durch Nordfrankreich fahren. So lange werde es auch noch dauern, bis der erste ICE mit Fahrgästen planmäßig nach London reisen könne.


    Siemens wollte sich nicht auf einen neuen Termin festlegen. "Wir können keinen aktuellen Zeitplan nennen», sagte ein Siemens-Sprecher. Siemens bedauere die Verzögerung außerordentlich. Zur Frage, ob Siemens eine Vertragsstrafe für die erneute Verschiebung zahlen muss, wollte der Sprecher nichts sagen. Bahnmanager Kefer sagte, es sei noch zu früh, um eine Entschädigung beziffern zu können. Dies sei erst nach Lieferung der ICE möglich.

    Nach der Lieferverzögerung im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit der Bahn über einen Gratis-ICE im Wert von rund 30 Millionen Euro verhandelt. Bahnchef Grube hatte sich wegen der Lieferverspätungen auch öffentlich über Siemens beschwert. Die Bahn sei "hochunzufrieden" mit der Lieferqualität. Siemens fertigt die Züge in Werken in Krefeld, Nürnberg und Graz in Österreich.

    22.11.2012, Quelle: dpa, Reuters
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