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Zeitungssterben

Aus für "Financial Times Deutschland"

  • Video Zeitungssterben: Auch "FTD" am Ende
  • Video Frankfurter Rundschau steht vor dem Aus
  • VideoZeitungssterben: Auch "FTD" am Ende
    (23.11.2012)
    VideoFrankfurter Rundschau steht vor dem Aus
    (13.11.2012)
    Das Ende der "Financial Times Deutschland" ist besiegelt. Am 7. Dezember soll das Wirtschaftsblatt zum letzten Mal erscheinen. Über 300 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Das Blatt des Gruner+Jahr-Verlags hatte in den zwölf Jahren seines Bestehens nie schwarze Zahlen geschrieben.

    Am Freitagmorgen erfuhren es die Mitarbeiter offiziell: Nach zwölf Jahren ist die "Financial Times Deutschland" am Ende. Die Verlagsgruppe Gruner+Jahr hatte am Donnerstag die Verkaufsverhandlungen mit einem potenziellen Investor abgebrochen. Ein "ernsthaftes Angebot" habe zwar vorgelegen, "allerdings konnte der G+J-Vorstand dem dort dargestellten Fortführungsszenario weder konzeptionell noch wirtschaftlich folgen", so ein Unternehmenssprecher.

    Lachsfarbene Schleifen am Revers

    "Heute ist der Tag, an dem wir lachsfarbene Schleifen am Revers tragen", schrieb FTD-Redakteurin Andrea Rungg am Morgen auf dem Kurznachrichtendienst "Twitter".

    Von den Entlassungen betroffen sind 258 Mitarbeiter in der Zentralredaktion der G+J-Wirtschaftsmedien in Hamburg, 42 in Frankfurt am Main und 14 in weiteren Außenbüros. In angrenzenden Verlagsbereichen sollen weitere 50 Arbeitsplätze wegfallen. Das Unternehmen werde mit den Betriebsräten für die betroffenen Kollegen einen Sozialplan erarbeiten, teilte der Verlag mit.

    Zeitungskrise international

    USA

    Wa Street Journal / Quelle: imago

    In Nordamerika lässt sich mit Wirtschaftsnachrichten Geld verdienen - auch im Internet. Das "Wall Street Journal" ("WSJ") lockt seine Kunden mit so vielen Exklusivgeschichten, dass schon seit Jahren die Artikel auch im Netz nur gegen Bezahlung zu lesen sind. Hinter der Zeitung steht der Milliardär Rupert Murdoch, dessen Flaggschiff das "WSJ" ist.

    Die "New York Times" hat ebenfalls Bezahlschranken eingeführt, ist damit aber längst nicht so erfolgreich. Dennoch sieht man in dieser Form der Online-Vermarktung dort die Zukunft.

    Grundsätzlich ist der US-Printmarkt schwer angeschlagen. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht eine Zeitung aufgibt oder sich ins Internet verabschiedet. Großer Paukenschlag dabei: Unlängst kündigte die Zeitschriftenlegende "Newsweek" an, nach 80 Jahren vom 1. Januar an nur noch im Internet zu erscheinen - gegen Bezahlung.

    Großbritannien

    Financial Times / Quelle: imago

    Trotz der Beliebtheit einiger Massenblätter und Qualitätszeitungen kämpfen die britischen Printmedien gegen rückläufige Leserzahlen. Gratis-Titel wie der "Evening Standard" (aus dem Verlag des "Independent") und die "Metro" aus dem Hause Associated Newspapers ("Daily Mail") können sich jedoch nach Leseranalysen behaupten. Ein kostenloses Blatt der Supermarktkette Tesco führt gar mit 7,2 Millionen Lesern (plus 8 Prozent) in der Lesergunst - hinter Massenblättern wie "Sun" mit 7,08 Millionen Lesern (minus 7 Prozent).

    Auch Finanztitel wie die "Financial Times" ("FT") verlieren für ihre Druckausgaben Zuspruch, sind aber im Netz beliebt. Online-Nutzer werden längst auch zur Kasse gebeten. Die Besitzergruppe Pearson wies mehrfach Verkaufsspekulationen zur "FT" zurück.

    Frankreich

    Le Monde / Quelle: reuters

    Nach Verlusten in den vergangenen Jahren konnten wichtigste Titel im französischen Wahljahr 2012 meist Auflagenzuwächse melden. Die Lage ist dennoch angespannt. "France Soir" etwa wurde nach Konkurs, Neustart und Umstellung auf eine reine Online-Ausgabe inzwischen endgültig eingestellt. Auch das Wirtschaftsblatt "La Tribune" erscheint bis auf einen Tag in der Woche nur noch online.

    Die überregionale Tageszeitung "Le Monde" hat nach früheren Verlusten und Besitzerwechsel kürzlich optisch umgebaut und setzt auf magazinartige Schwerpunkte. Für Herausgeber Erik Izraelewicz gilt: "Die gedruckte Zeitung hat eine Zukunft, wenn sie sich wandelt." Er will die "Zeitung stärker reagieren lassen, mehr Schwerpunkte setzen und angenehm lesbar gestalten".

    Spanien

    El Pais / Quelle: imago

    Die Krise der Printmedien hat auch auf die renommierte Zeitung "El País" nicht verschont. Das linksliberale Blatt entließ rund 130 Mitarbeiter, etwa ein Viertel der Beschäftigten. Die Geschäftsführung begründete die Entscheidung damit, dass das Anzeigengeschäft und die verkaufte Auflage geschrumpft seien. Für 2012 ist nach Angaben des Managements erstmals mit einem Verlust zu rechnen. Die Redaktion machte jedoch den hoch verschuldeten Mutterkonzern Prisa für die Lage verantwortlich. Insgesamt steckt die Zeitungsbranche im Krisenland Spanien in Schwierigkeiten. Im ersten Halbjahr 2012 fielen die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft nach Angaben des Zeitungsverlegerverbandes im Vergleich zu 2011 um 18,5 Prozent. Die Auflagen sanken um 11 Prozent.

    Zwei weitere Zeitschriften in Gefahr

    Für die beiden Titel "Impulse" und "Börse Online" prüft der Verlag, ob sie verkauft werden oder ob sie durch ein Management-Buy-Out - also die Übernahme durch verlagsinterne Manager - weitergeführt werden können. Sollten die Gespräche nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese beiden Wirtschaftsmagazine die Einstellung geplant.

    Der G+J-Aufsichtsrat hatte nach Verlagsangaben den Vorstand ermächtigt, einen Verkauf, eine Teilschließung oder Schließung der Wirtschaftsmedien vorzunehmen. Das Gremium wird von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geführt, darin ist auch die Hamburger Verlegerfamilie Jahr vertreten. G+J-Mehrheitseigener ist mit 74,9 Prozent Bertelsmann, die Jahrs halten eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.

    Geburt im Internetboom

    Die montags bis freitags erscheinende Zeitung "FTD" war erstmals im Jahr 2000 erschienen - im damaligen Internetboom mit einer Vielzahl von Firmengründungen und Börsengängen, die kräftig beworben wurden. Werbegelder sind neben den Vertriebserlösen Haupteinnahmequelle der Branche. Allerdings hat die "FTD" bisher rote Zahlen geschrieben.

    Das lachsfarbene Blatt sorgte mit seinem Erscheinen für Aufsehen und mehr Wettbewerb in der deutschen Medienlandschaft. Bis dahin gab es nur eine tägliche Wirtschaftszeitung, das "Handelsblatt". Dessen Chefredakteur Gabor Steingart hatte den Hamburger Blattmachern noch am Donnerstag prominent auf der Titelseite seine Anerkennung ausgesprochen.

    Großes Zeitungssterben

    Zugleich plädierte er dafür, mit den Gratis-Angeboten im Internet Schluss zu machen: "Es wird keine Rettung für die Zeitung geben, wenn wir mit dieser Umsonst-Kultur nicht brechen." Darüber müsse auch mit jüngeren Lesern, "auch wenn die sich selbst User nennen", gesprochen werden. Weil die Digital-Generation weniger Zeitungen und Zeitschriften kauft, gehen bei vielen Titeln die Auflagen zurück.

    Die Branche war im November bereits durch den Insolvenzantrag der "Frankfurter Rundschau" geschockt worden. Die "Frankfurter Rundschau" leidet wie viele Printmedien unter sinkenden Anzeigeneinnahmen, sinkender Auflage (zuletzt 118.000) und hat schon mehrere Sparrunden hinter sich.  Betroffen sind hier 487 Mitarbeiter. Außerdem verschwindet das Stadtmagazin "Prinz" im Dezember aus den Kiosken und präsentiert sich dann nur noch im Internet.

    Kooperation mit der Mutter keine Rettung

    Gruner + Jahr hatte die "FTD" mit dem britischen Verlag Pearson ("Financial Times") aus der Taufe gehoben und Anfang 2008 auch dessen 50-Prozent-Anteil übernommen. Dabei wurden die weitere Nutzung der Marke sowie eine redaktionelle Kooperation mit dem früheren Mutterblatt "FT" vereinbart.

    Der Verlag Gruner+Jahr, der auch Magazine wie "Geo", "Gala", "Stern", "Brigitte" und "Neon" herausgibt, gehört mit einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro (2011) zu den größten in Europa.

    23.11.2012, Quelle: dpa, reuters
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