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20.05.2013

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UN-Gipfel in Doha

"Auch USA und China müssen sich beteiligen"

  • Interaktiv Machtfaktor Erde
  • Video Versicherer rüsten sich für Klimawandel
  • Video Altmaier: Deutschland ist Klima-Vorbild
  • Grafik Klima im Wandel
  • InteraktivMachtfaktor Erde
    VideoVersicherer rüsten sich für Klimawandel
    (26.11.2012)
    VideoAltmaier: Deutschland ist Klima-Vorbild

    Der UN-Gipfel in Doha soll das Klima retten - doch dafür müsse auch Deutschland mehr tun, fordert Bundesumweltminister Peter Altmaier. "In Doha sind wir uns einig: Wir wollen ein Klimabkommen ab 2020. Aber wir müssen zuhause mehr machen", sagte er im ZDF. "Ich habe die große Sorge, dass Deutschland seine Vorreiterrolle im Klimaschutz verliert."

    (26.11.2012)
    GrafikKlima im Wandel
    Klima im Wandel / Quelle: zdf
    (Quelle: zdf)
    In Doha wird um ein globales Abkommen zur Klima-Rettung gerungen. Doch Experten fordern, dass die Länder selbst mehr für den Klimaschutz tun müssten. "Dazu gehören Wege, wie sie Deutschland mit der Energiewende beschreitet", sagt BUND-Expertin Ann-Kathrin Schneider im heute.de-Interview.

    heute.de: Was müsste bei dem UN-Klimagipfel in Doha für den Klimaschutz beschlossen werden?

    Ann-Kathrin Schneider
    Quelle: BUND

    Ann-Kathrin Schneider: Was beschlossen werden müsste, sind Eckdaten für einen neuen globalen Klimaschutzvertrag. Alle bei den Weltklimakonferenzen anwesenden Vertreter der über 190 beteiligten Staaten sollten ihre Bereitschaft erklären, dabei mitzumachen. Ziel muss es sein, die globale Erderwärmung weit unter zwei Grad Celsius zu halten und die Treibhausgasemissionen drastisch und fair verteilt zu reduzieren.

    Außerdem müsste die Fortsetzung des in diesem Jahr endenden Kyoto-Vertrages vereinbart werden, der 1997 in Japan beschlossen wurde und bislang nur einen Teil der Industriestaaten einbezieht. Die EU, Australien, Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Monaco, Island, Kroatien, Kasachstan, Weißrussland und die Ukraine wollen sich auch ab 2013 weiter daran beteiligen.

    Zur Person

    Ann-Kathrin Schneider ist Leiterin der Internationalen Klimapolitik beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Sie ist für die Umweltschutzorganisation zur Weltklimakonferenz nach Doha gereist.

    heute.de: Und was erwarten Sie realistisch gesehen als Ergebnis?

    Schneider: Realistisch in Doha auszuhandeln wäre eine "Roadmap", also einen Zeitplan zur Erstellung des neuen internationalen Klimaabkommens, an dem sich alle Staaten der Welt, vor allem auch die USA und China, beteiligen. Dieses Abkommen muss künftige CO2-Minderungsziele auf alle Staaten der Welt gerecht verteilen und spätestens 2020 in Kraft treten. Außerdem muss geklärt werden, woher die Gelder für den bereits bei früheren Klimagipfeln beschlossenen "Klimafonds" kommen, mit dem vom Klimawandel stark betroffenen Ländern bei der Anpassung an die Folgen geholfen werden soll.

    Links
    Kommentar: Kein prima Klima
    heute.de: Sind große Treffen wie in Doha überhaupt der richtige Weg im Klimaschutz?

    Schneider: Da die UN-Weltklimakonferenzen die einzigen internationalen Gremien sind, die der globalen Erderwärmung Grenzen setzen wollen, und das Kyoto-Abkommen das einzige vorhandene internationale Klimaschutzabkommen ist, kann auf eine Fortführung dieses Prozesses nicht verzichtet werden. Die Größe dieser Konferenzen ist sicher kritisch zu sehen, eine Straffung von Abläufen und Entscheidungsprozessen wäre wünschenswert.

    heute.de: Was muss ergänzend passieren?

    Schneider: Außerhalb dieser globalen Bemühungen sollten alle Regierungen nationale Programme für mehr Klimaschutz auflegen. Dazu gehören Wege, wie sie Deutschland mit der nach der Fukushima-Katastrophe beschleunigten Energiewende beschreitet. Dabei geht es nicht nur um den Ausstieg aus der atomaren und fossilen Energieerzeugung, sondern um den ambitionierten Ausbau der regenerativen Energien und der Möglichkeiten zur Energieeinsparung in fast allen Bereichen.

    planet e.

    Weltretter 3.0

    heute.de: Wie hoch schätzen Sie da die Erfolgsaussichten ein?

    Schneider: Die Erfolgsaussichten für nationale Wege sind sehr gut. Das zeigen nicht nur "Energiewende-Länder" wie Deutschland oder Dänemark, sondern auch Kalifornien und selbst wirtschaftlich zulegende Staaten wie China mit seinem schnellen Wachstum bei den erneuerbaren Energien. Ein großes Potential liegt nicht nur im wachsenden Eigeninteresse der Wirtschaft, der wegen schwindender fossiler Ressourcen zunehmend an mehr Effizienz, Energieeinsparungen und den Technologien der erneuerbaren Energien gelegen ist.

    Wenn die "Klima- und Energiewende" von der Bürgergesellschaft und den Parteien als eines ihrer wichtigsten Zukunftsprojekte noch stärker ins Zentrum der Politik gehoben wird, lassen sich drastische Minderungen der globalen Treibhausgase sicher durchsetzen. Künftig wird immer deutlicher erkennbar, dass eine solche Politik der Gesellschaft insgesamt und dem Schutz ihrer Lebensgrundlagen dient.

    Das Zwei-Grad-Ziel

    Auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro hatten die Staaten 1992 vereinbart, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass sich "die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Aus Sicht von Klimaforschern kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die mittlere globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung steigt. Andernfalls drohen nach Forscheransicht unter anderem ein komplettes Abschmelzen des Grönland-Eises sowie Dürren und Unwetter, wie sie die Zivilisation noch nicht erlebt habe. Auf dem UN-Klimagipfel 2010 in Cancún vereinbarten die Staaten dieses Ziel offiziell.

    Das Interview führt Britta Wagner

    26.11.2012
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