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E-Learning
Von wegen digitale Demenz
BildLernen, wann man will
Von Andreas WintererLernt man per Web oder App, bekommt man das Wissen multimedial serviert – und zwar dann, wenn man Zeit hat und dort, wo man will. Die schiere Menge an vielfältigen Lernangeboten widerlegt dabei mit Leichtigkeit die Kulturpessimisten und zeigt, dass man im Internet nicht dümmer, sondern klüger werden kann.E-Learning beginnt bei einfachsten Inhalten: Auf
tipp10.com kann man zum Beispiel endlich mal sein 10-Finger-System auf Vordermann bringen.
chronik-der-mauer.de zeichnet die Geschichte des Mauerbaus im Web und als App nach. Bastler, Tüftler und Do-it-Yourself-Fans verfassen auf
expli.de eigene Anleitungen als Bildfolgen mit Text oder als erklärende Videos.Multimediale SprachkurseDenn Zuschauen macht schlau: Das weiß man nicht erst seit dem Telekolleg. Via iTunes oder
miroguide.com lassen sich zahlreiche Video-Podcasts aufstöbern, die zu fast jedem Thema etwas Wissenswertes zu sagen haben. Die
Khan Academy versammelt zahlreiche Video-Kurse zu noch spezielleren Themen. Sogar auf YouTube reicht das Angebot von
Mathe-Nachhilfe bis Kochen und macht auch vor dem akademischen Bereich nicht halt – beispielhaft vertreten durch die Vorlesungen von Prof. Dr.
Jörn Loviscach.Sprache geht immer: Das vorbildliche
Babbel.com aus Berlin verbindet bebilderte Selbstlernkurse mit interaktiven Elementen wie ausfüllbaren Lückentexten und Spracherkennung. Das ähnliche
Busuu.com platziert sich mit Community-Funktionen gar als soziales Netzwerk zum Spracherwerb.Höhere WeihenWer sich für eine Programmiersprache interessiert, dem seien
codeacademy und
programr.com empfohlen, wo auch Einsteiger JavaScript, Python, Ruby und anderes lernen.
Nettuts+ und
TheCodePlayer sind für die Fortgeschrittenen interessant und zeigen, wie sich ganz konkrete Probleme lösen oder Projekte schrittweise entwickeln lassen. Die private Online-Akademie
Udacity.com konzentriert sich auf Informatik-Themen – und das auf hohem Niveau.In den USA proben auch namhafte Universitäten den E-Learning-Ernstfall.
Coursera.org gibt Zugang zu verschiedenen Kursen von CalTech bis Princeton, auf
edx.org testen MIT und Harvard ihre Version einer offenen Lernplattform. Die dort heute erwerbbaren Scheine finden zwar noch keine akademische Anerkennung, interessant sind die Kurse aber allemal.Lernen und lehren lassenAuch in Deutschland gibt es solche Modelle: Mit
openhpi.de hat das Potsdamer Hasso Plattner Institut eine interessante Plattform für IT-Studiengänge gestartet, und die Goethe-Universität Frankfurt lädt mit ihren
electures auch das Web in den Hörsaal. Viele wollen nicht nur lernen, sondern vorhandendes Wissen auch weitergeben. Die US-amerikanische
Udemy.com macht daraus eine Plattform und beteiligt die Autoren kostenpflichtiger Kurse an den Einnahmen.Die von der Fraunhofer Academy und Ziemann.IT entwickelte App
iAcademy könnte dieses Prinzip bald auf Tablets portieren. Die derzeit vier Kurse beeindrucken zwar herzlich wenig, doch mit dem angekündigten iAcademy Editor kann bald jeder selbst Lerninhalte erstellen, ähnlich wie es das Autorensystem
LernBar für das Web erlaubt. Wohin die Reise geht, zeigt am Besten vielleicht die
Peer 2 Peer University: Jeder soll hier über jedes Thema alles lernen können – und zwar von allen anderen. Thematisch enger gefasst geht das deutsche Projekt
ununi.tv in eine ähnliche Richtung und verwendet dabei auch relativ neue Möglichkeiten wie Google Hangouts für virtuelle Vorlesungen.Gerade die letztgenannten Projekte zeigen, wie die ernsthafte Wissensvermittlung zu einem Marktplatz wird, auf dem schon bald verschiedene Inhaltsangebote auch global miteinander in Konkurrenz treten könnte. Und die US-Angebote deuten schon an, dass man künftig damit auch Geld verdienen möchte.
27.11.2012



